54 Als die nach und nach von überallher zusammengebrachten plastischen Vorbilder auf eine Anzahl von etwa 2500 angewachsen waren, stellte man sich im Jahre 1859 die Aufgabe, dieselben in systematischer Weise zu ordnen und durch Einfügung von Ergänzungen zu einer übersichtlichen, möglichst abgerundeten Sammlung zu vereinigen, welche nicht bloss den Bedürfnissen des gesamten elementaren Zeichenunterrichts, sondern in aufsteigender Linie auch denjenigen des kunstgewerblichen und des technischen Unterrichts auf allen seinen Stufen und bis zu Spezialitäten hinaus Rechnung tragen sollte. Der hiefür gewählte Plan war folgender: Für geometrisches und Pro ­ jektionszeichnen beschaffte man einfache geometrische Körper mit ihren Schnitten und Durchdringungen. Diese dienten zu den Vorübungen für das technische Zeichnen; für letzteres selbst wurden Modelle von Holz- und Steinverbindungen und von einfachen architektonischen Grund ­ formen der verschiedenen Stilarten bis zu den sog. Säulenordnungen ge ­ sammelt. —• Bezüglich des Freihandzeichnens handelte es sich vor allem darum, für den Anfang desselben stufenmässig geordnete Modellserien zu schaffen. Die Originale wurden teils in der eigenen Modellierwerkstätte (s. u.) angefertigt, teils bei tüchtigen Lehrern bestellt oder ausser Lands er ­ worben. Unter letzteren finden wir jene Draht- und Holzmodelle für das perspektivische Freihandzeichnen, welches vor etwa 50 Jahren von den Malern Gebr. Dupuis in Paris ins Leben gerufen wurde, und eine interessante Serie auf Gipsgrund gesetzter Körperformen, bei welchen durch Zusammen ­ stellung geometrischer Grundformen hübsche Kompositionen sich ergaben, welche schliesslich in Form einfacher Rosetten zum ornamentalen Zeichnen überführen und besonders zu Schattierübungen sich vorzüglich eignen. Zu letzterem Zweck wurde später eine noch einfachere Serie für den ersten Unterricht eingereiht. Es ruhte auf jener Zeit eine Morgendämmerung, welcher nach langem Schlummer ein Wiedererwachen des Kunstgewerbes folgte. Wie bei den (ebenfalls durch die Initiative der K. Zentralstelle ins Leben gerufenen) graphischen Vorlagenwerken die dekorative Richtung, der Zeitströmung folgend, die führende war, so wurde auch bei der Schaffung plastischer demselben Jahre ging diese Abendzeichenschule in den Ressort der inzwischen neugeschaffenen, aus der K. Zentralstelle hervorgewachsenen K. Kommission für die gewerblichen Fortbildungsschulen über. Mit Wirths Abtreten im Jahr I857 trat eine Stockung in dieser Schule ein. Bald aber brach das Bedürfnis nach einer solchen in verstärktem Masse wieder hervor. Dabei handelte es sich jetzt um Beschaffung eines Lokals für einen offenen Tag-Zeichen- und Modelliersaal der städtischen Ge ­ werbeschule, welches auch in der Legionskaserne gefunden wurde. Neben der Frage der Gewinnung eines Lehrers hiefür trat zu gleicher Zeit das Bedürfnis der Bestellung eines Konservators für die inzwischen gross gewordene Ornamentensammlung der K. Zentralstelle und endlich noch das Be ­ dürfnis der Aufstellung eines Visitators der gewerblichen Fortbildungsschulen des Landes auf. Es gelang, alle diese Stellen miteinander zu vereinigen und den Zeichenlehrer Eduard Herdtle von Schw. Hall damit zu betrauen. Die Schule entwickelte sich zu der nachher so bekannt gewordenen sog. Zentralschule, an welcher u. a. auch die weltbekannt gewordenen Herdtleschen Zeichenvorlagen ­ werke entworfen und ausgearbeitet und auf welcher auch viele unserer Zeichenlehrer teils ganz, teils in einzelnen Fächern ihre Ausbildung gefunden haben. Herdtle wirkte in dieser Stellung vom Sep ­ tember 1859 bis zu seinem Tode (10. November I878).