55 Vorlagen das Hauptgewicht auf die ornamentalen Gebilde gelegt. Unter dieser Auffassung entstand in der Werkstätte der K. Zentralstelle eine Reihe von Ornamentmodell - Serien, welche auserlesene Motive aus den verschiedensten Stilarten darstellen. Dieselben erfreuten sich rasch einer wohlwollenden Aufnahme und eines Absatzes über die ganze Welt; waren sie doch viele Jahre hindurch die einzigen Lehrmittel dieser Art. Wenn dieselben heute noch in Benützung stehen, so ist dies ein Beweis, dass ihrer Schaffung ein pädagogisch richtiger Gedanke zu Grunde lag. Nun handelte es sich aber weiter darum, nicht bloss für vorgeschrittenere Schüler Vorlagen höherer Stufen, sondern auch für die verschiedenen ge ­ werblichen Berufsklassen spezielle Vorbilder zu schaffen, um das ganze Material in der Sammlung der Gipsabgüsse zu ordnen. Hiebei ging man foUendermassen vor. Zunächst vereinigte man die ornamentalen Mo- delle (Kapitale, Säulenschäfte, Säulenfüsse, Friese und verzierte Gesimse, Konsolen, Rosetten, Füllungen, Baldachine, Krabben, Kreuzblumen etc.) in einer Hauptgruppe, welche nach Stilarten geordnet teils in einem Saal des ersten Obergeschosses der Legionskaserne in der Nähe des offenen Zeichen ­ saals, teils in letzterem selbst untergebracht waren. Diese sog. Bauornamente sollten Architekten, Bautechnikern, Bildhauern, Modelleuren, Stukkatoren, Dekorationsmalern, Schreinern u. dergl. zum Gebrauch dienen, gleichzeitig aber auch den mit der dekorativen Kleinkunst zusammenhängenden Gebieten Anregung geben. Von.ganz besonderem Werte war auch die hier angereihte Sammlung von über Natur geformten Pflanzenabgüssen, welche nicht bloss zu vergleichenden Studien über die Beziehungen der Ornamentformen der ein ­ zelnen Stilperioden zu den Naturformen, sondern auch zu einem eingehenden Studieren der letzteren selbst zu dienen geeignet sind. In der vorerwähnten Gruppe ornamentaler Modelle waren naturgemäss nur solche Gegenstände enthalten, welche einzelne Teile eines Ganzen bilden; die nächste Gruppe, »Gefässe und Geräte« führte die Gegenstände in ganzer Gestalt vor, wieder nach Stilarten geordnet. Derartige Ziergegen ­ stände sollten dem Auge des Kunstgewerbetreibenden zeigen, wie durch massvolle Anwendung von Zierkunst ein sonst nüchterner Gebrauchsgegen ­ stand unter Berücksichtigung seines Zweckes und der Eigenschaften seines Materials zu einem künstlerischen Gebilde erhoben werden kann. Wenn durch diese Gruppe den Bedürfnissen der Gold- und Silber ­ schmiede, Graveure, Ziseleure, Bildhauer, Maler, Modelleure, Zeichner u. dergl. besondere Rechnung getragen wurde, so galt es weiter, den mit dem figür- lichen Gebiet sich beschäftigenden Bildhauern, Malern, Modelleuren, Stukka ­ toren, Photographen, Lithographen, Holzschneidern, Zeichnern u. dergl. ein Vorbildermaterial vorzuführen, welches zwar nicht die hohe Kunst, aber das dekorativ-figürliche Gebiet aus allen Kunstperioden im allgemeinen umfassen soll. Dies führte zur Schaffung der Gruppe »Tiere« mit den Unterab ­ teilungen »einzelne Tiere, Gruppen, Köpfe und Teile von Tieren, Relief ­