66 der nötigen Vervollständigung der Sammlung durch neue Modelle, die Ver ­ vielfältigung ihrer Modelle in eigene Regie zu nehmen; so wurde nach ein ­ geholter Genehmigung des K. Ministeriums des Innern vom 7. Juli 1865 eine eigene Gipsgiesserei und Holzmodelldrechslerei im Mansarden ­ stock der Legionskaserne, Seite der Tübingerstrasse, errichtet und als Modelleur der Zeichenlehrer Bo fing er von Göppingen bestellt. Die Erzeugnisse dieser Gipsgiesserei gewannen bald einen grossen Ruf; auch aus dem Auslande liefen zahlreiche Bestellungen ein, oft mit der Be ­ merkung, dass man nur in Stuttgart wirklich gute, dem Bedürfnis der Schulen entsprechende Vorlagen und zu billigen Preisen bekomme. Von der Preisliste musste bald eine neue Auflage, mit weiteren Blättern, bereichert, veranstaltet werden. Im Jahr 1868 trat an die Stelle des Modelleurs Bofinger der Formator Sigwart. Bei Fertigung der Modelle blieb auch ferner das unausgesetzte Augen ­ merk darauf gerichtet, immer wieder neuen guten Stoff für die Schulen zu bieten und den alten Ruhm der Anfertigung neuer Schulmodelle als eigener Schöpfungen zu bewahren. Zur weitereren Förderung der Sache wurde im Jahr 1873 mit der Wittwersehen Verlagsbuchhandlung in Stuttgart ein Vertrag abgeschlossen, wonach dieselbe die Verbreitung der Preisliste und den Vertrieb der Modelle auf buchhändlerischem Wege in die Hand nahm. Nach dem Tode des Formators Sigwart (März 1884), welchem die Füh ­ rung der Geschäfte in der Modellierwerkstätte nahezu 16 Jahre lang anver ­ traut gewesen war, wurde der Modelleur Kreiser an dessen Stelle berufen. Um einen ausgedehnteren Betrieb der Werkstätte zu ermöglichen, wurde die Aufnahme von Lehrlingen eingeführt. Diese finden sich stets leicht, weil ihnen, neben der praktischen Erlernung der Gipsgiesserei selbst, noch Gelegenheit zu künstlerischer Ausbildung gegeben ist, dadurch dass man sie in der K. Baugewerkeschule und in der städtischen Gewerbeschule am Modellierunterricht teilnehmen lässt. Aus der Werkstätte sind schon sehr tüchtige Männer hervorgegangen. Die in den gleichen Händen, wie die Sammlung der Gipsabgüsse, lie ­ gende Verwaltung der Modellierwerkstätte erkannte in der Vervielfältigung der grossen Anzahl von Schulmodellen immer mehr eine lästige Hemmung für die selbständige Weiterentwicklung des Instituts. Um den Betrieb der ­ selben nicht — etwa durch Einstellung weiterer Gehilfen — in allzu ge- schäftsmässige Bahnen leiten zu müssen, entschloss sich der Präsident der K. Zentralstelle im Jahre 1887, der Wittwerschen Verlagsbuchhandlung auch die Vervielfältigung der älteren Modellserien zu überlassen gegen die Ver ­ pflichtung, den württembergischen Schulen bei Bestellung fraglicher Modelle einen Rabatt von 33 ‘/s ü /° zu gewähren. Damit begann für die Modellierwerkstätte eine neue Entwicklungsperiode. Einerseits konnte man nunmehr Zeit finden, die oben S. 57 ff- besprochenen neuen Modellserien, über welche eine Preisliste in Lichtkopie angefertigt