16 BAUZEITUNG NR. 2 Albert v. Hagen. Die drei erstgenannten haben Konkurs angemeldet. Des. Innungsverband deutscher Baugewerksmbister hat zwei Eingaben an den Reichstag gerichtet betr. den Gesetzentwurf über die Abänderung der Gewerbeordnung und die Berechtigung zur Führung des Titels Baugewerks ­ meister. In der ersteren Eingabe wird der Reichstag ersucht, dem Entwurf betr. die Abänderung der Gewerbe ­ ordnung die verfassungsmäßige Zustimmung zu versagen und die Reichsregierung zu ersuchen, baldigst eine ent ­ sprechende neue Vorlage einzubringen, die den von den Rücksichten auf das öffentliche Wohl geleiteten Wünschen des deutschen Baugewerbes Rechnung trägt. Die andre Eingabe, die auch an den Bundesrat gerichtet ist, weist darauf hin, daß infolge eines Erlasses des preußischen Ministers für Handel und Gewerbe, der den Namen „Bau ­ gewerk“ als einen Sammelbegriff für die verschiedenen bei der Herstellung von Bauten mitwirkenden Hand ­ werker erklärt, sich zahlreiche Handwerker, wie Schlosser, Tischler, Klempner, Maler, Glaser u. s. w., einfach als „Baugewerksmeister“ bezeichnen, und kommt zu der Bitte, Bundesrat und Reichstag wolle sich dafür erklären, daß zur Führung des Titels Baugewerksmeister nur solche Personen berechtigt sein sollen, welche die Prüfung als Maurer-, Zimmer- oder Steinmetzmeister abgelegt und bestanden haben. Für Untersuchungen von Baukonstruktionen aus Beton und Eisenbeton sieht der neue Etat für das Reichsschatzamt einen Kostenbeitrag von 20 000 M. (erste Rate) vor und bemerkt hierzu erläuternd, daß die Unter ­ suchungen unter Mitwirkung der Reichs- und Staats ­ behörden und unter Aufsicht des preußischen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten vorgenommen werden sollen. Die durch diese Untersuchungen entstehenden Kosten sind auf 125 000 M. veranschlagt, zu denen der Deutsche Betonverein und der Verein deutscher Portlandzement ­ fabrikanten je 10 000 M. beisteuern wollen. Die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder ist im Namen der Stadt Worms vom Oberbürgermeister Koehler eingeladen worden, ihre Hauptversammlung im kommen ­ den Frühjahr daselbst abzuhalten. Dementsprechend wird die nächste allgemeine Sitzung am Mittwoch, den 23. Mai, Tag vor Himmelfahrt, in Worms stattfinden. — Anmel ­ dungen von Vorträgen und zur Mitgliedschaft werden in der Geschäftsstelle der Gesellschaft, Karlstraße 19, Berlin NW., entgegengenommen. PERSONALIEN WÜRTTEMBERG. Verliehen ; Dem Kollegialassessor Kuhn bei der Domänendirektion der Titel und Rang eines Baurats, dem Kollegialmitglied der Zentralstelle für Gewerbe und Handel, Regie ­ rungsassessor Klaibek, der Titel eines Bauinspektors. BÜCHER ZEITSCHRIFTENSCHAU. Im zweiten Hefte des Jahrgangs 1905/06 der „Stuttgarter Mitteilungen Ober Kunst und Gewerbe“, die unter der vorzüglichen Leitung von Dr. Frakck-Oberaspach einen Platz unter den besten Kunstzeitschriften überhaupt einnehmen, veröffent ­ licht Prof. Dr. Konrad LANGE-Tübingen eine Abhandlung über „Die Entstehung der dekorativen Kunstformen“, ein Thema, über das er bereits im Januar vor. Js. im Württembergischen Kunstgewerbe ­ verein einen Vortrag hielt. Es wird darin das gegenwärtig recht be ­ liebte derbe Schlagwort von der Entstehung der dekorativen Kunst- forraen allein aus dem Gebrauchszweck und dem Material ad absurdum geführt. Aus den realen Bedingungen (Gebrauchszweck, Material) eines Werkes der angewandten Kunst ergibt sich nur eine gewisse Werk ­ form, die der Künstler erst zur Kunstform beleben muß. Die Auf ­ gabe des Kunstgewerbes ist nicht, nur-zweckmäßige, primitive Werk ­ formen zu schaffen; sondern die handwerkliche Fertigkeit muß den höheren Anforderungen künstlerischer Absichten zu folgen suchen. Die Freude an einem schönen kunstgewerblichen Gegenstand ist nicht nur die Freude an der vollkommenen Zweckmäßigkeit und Materialgerechtigkeit — wie etwa bei einem ohne jede künstlerische Absicht geschaffenen Werke des Ingenieurs —, sondern sie liegt in der Belebung des Stoffes durch die Hand des Künstlers, die unsre Phantasie erregt. Das Hin- und Herspielen der Phantasie zwischen Illusion und Wirklichkeit, hervorgerufen durch illusions ­ störende Momente (z. B. Material, Sichtbarwerden der Technik), ist aber — wie Lange in seinem Werke „Das Wesen der Kunst“ ein ­ gehend begründet hat — das Wesen des künstlerischen Genusses bei einem Werke der angewandten Kunst wie bei einem jeden Kunstwerke überhaupt. — Eine Anzahl Abbildungen hervorragender kunstgewerblicher Gegenstände sind dem Hefte beigegeben: eine reizende Kinderbettlade von Bernhard Pankok, ausgeführt von der K. Lehr- und Versuchswerkstätte in Stuttgart; ein außerordentlich elegantes Saloninterieur von Henry van de Velde; Beispiele Riemerschmidscher Innenkunst, Möbel, kunstgewerbliche Gegen ­ stände u. a. von Pankok, van de Velde, Kleinhempel-Dresden, Fried ­ rich Adler-Laupheim, Riemersohmid, Franz Böres-Stuttgart, Brunnen ­ entwürfe der Architekten Lossow & Viehweger-Dresden u. a. Die buchkünstlerische Ausstattung des Heftes ist, wie bei allen früheren, vorzüglich und zeigt eine peinliche Durcharbeitung, deren Mühe der Uneingeweihte schwerlich ahnt. Schm. „GEMEINNÜTZIGE GESELLSCHAFTEN FÜR WERK ­ STÄTTENBAU, EIN DEZENTRALISATIONSMITTEL,“ betitelt sich die soeben erschienene Flugschrift IX der Deutschen Garten ­ stadtgesellschaft Berlin-Schlachtensee. „Die Arbeit, die zuerst in der Handwerkszeitung, dem offiziellen Organ der Berliner Handwerks ­ kammer, erschien, geht von dem Gesichtspunkt aus, daß die Werk- stättenteuerung in der Großstadt — namentlich für das Klein- und Mittelgewerbe — mindestens ebenso groß ist als die Wohnungs ­ teuerung für den kleinen Mann, daß bei Werkstätten im Verhältnis zum Bauwert sogar höhere Mieten als bei Wohnungen geopfert werden. Um diesem Uebel zu begegnen, wird nach dem Muster der gemeinnützigen Baugesellschaften die Gründung von gemein ­ nützigen Gesellschaften für Werkstättenbau angeregt, die an Unter ­ nehmungen herantreten müßten, wie es unsre modernen und großstädtischen Industriehöfe sind. Wie es den gemeinnützigen Baugesellschaften glückt, bessere und billigere (bis um 25°/o) Wohnungen zu erstellen, so wird ein gleiches auch jenen möglich sein. Es wird ferner entwickelt, wie die neuen gemeinnützigen Gesellschaften im Zusammenhänge mit bestehenden genossenschaft ­ lichen Bestrebungen (Ein- und Verkaufsvereinigungen) die Organi ­ sationselemente, die ein moderner Industriehof enthält, zum Nutzen von Klein- und Mittelgewerbe fortentwickeln, eine zweckmäßige Organisation verwandter Betriebe schaffen könnte, die diesen eine gleiche Leistungsfähigkeit verleihen könnte, wie sie der Großbetrieb besitzt. Endlich wird auch ausgeführt, wie ein derartiges gemein ­ nütziges Unternehmen eine Abwanderung der Industrie aus der teuren Großstadt die Wege ebnen könnte.“ EINGELAUFEN: EIN NEUER NETZENTWURF FÜR TOPOGRAPHISCHE KAR- TEN. Vorgeschlagen und erörtert durch Franz Joh. Müller- Augsburg. Sonderabdruok aus der „Süddeutschen Technikerzeitung*. Verlag des Bayrischen Techniker-Verbandes. Kommissions-Verlag Schöpping-Münohen. Preis M. 0,30. DENKSCHRIFT DES BAYRISCHEN TECHNIKER - VER ­ BANDES ZUR REORGANISATION DER BAUGEWERK- SOHULEN. Mit 3 Beilagen. Beilage I: Lehrplan der reorgani ­ sierten Baugewerkschule (ohne Vorklasse); Beilage II: Lehrplan der reorganisierten Bau gewerkschule mit Vorbereitungsklasse; Bei ­ lage III: Vergleichende Zusammenstellung der Lehrpläne und einige statistische Angaben von 18 deutschen Baugewerkschulen. Zu be ­ ziehen durch den Bayrischen Techniker-Verband, München-Kontor ­ haus zum Preise von 2 M. TABELLEN FÜR EISENBETONPLATTEN. Zusammengestellt gemäß den Bestimmungen des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten vom 16. April 1902. Von A. Schybilski, Bauingenieur. Berlin 1905. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn. Preis geheftet M. 1. — REDAKTION: ADOLF PAUSEL, STUTTGART; FRITZ SCHMIDT, ARCHITEKT, DIPL. INO., DEGERLOCH. ADRESSE FÜR ALLE SENDUNGEN: BAUZBITUNG-STUTTGART, HEGBLSTBASSE 68 11 - DRÜCK: DEUTSCHE VERLAGS-ANSTALT IN STUTTGART