17. MÄRZ 1006 BAUZBITUNG 87 Decke in Flachrelief, ausgestellt in den Räumen des Württembergischen Kunstvereina im Landesgewerbemuseum zu Stuttgart. Entworfen von Paul HAUsiEm-Stuttgart, ausgeführt von Dekorationsmalermeister Fb. RocK-Stuttgart nicht mit Sicherheit wahrgenommen werden. Einzelne Stellen der Ständer waren bereits losgelöst, bei einem nur wenig größeren hezw. länger andauernden Hitzegrad wäre die Standhaltung dieser Umhüllungen mindestens in Frage gestellt worden. Beachtenswert ist ferner, daß auch das Wasser einen nicht unwesentlichen Einfluß auf die Widerstandsfähigkeit der genannten Umhüllungen ausgeübt zu haben schien. Daß eine eiserne Türe von dem ersten bezw. obersten Stock der Verkaufsräume nach dem feuersicheren Treppenhaus diesem Feuer nicht standhielt, ist nicht verwunderlich, denn das bewiesen schon eine Reihe von Vorgängen und sog. Brandproben. Jede Holztüre beiderseits mit starkem Eisenblech beschlagen leistet mehr Widerstand als eine bloß eiserne. Allein eine solche Türöffnung nach dem Treppenhaus, das zu Wohnstockwerken führt, überhaupt einzurichten, sollte endlich, den Vorgängen andrer Städte folgend, rundweg als unzulässig bezeichnet werden. Wenn in einem Warenhaus einmal Wohnungen zugelassen wur ­ den und dazu noch in drei aufeinander folgenden Stock ­ werken, dann ist man es den Bewohnern derselben schuldig, ein separates, von den Geschäftsräumen vollständig ge ­ trenntes Treppenhaus anzuordnen, daß die Rettung der Personen auch bei vollständiger Verqualmung der Ge ­ schäftsräume und ihrer Treppen durchaus gefahrlos und rechtzeitig geschehen kann; in dem mehrgenannten Brand ­ falle war dies kaum mehr möglich. Die Annahme, daß die Feuerübertragung von den eigent ­ lichen Warenhausstockwerken nach den Wohnstockwerken infolge der ausgeführten Konstruktion, wie behauptet wird, vollständig ausgeschlossen erschien, dürfte nicht zutreffen, da die feuersicheren Ueberdeckungen der Schau ­ fenster nicht genügend weit unter die Decke des Stockwerks herahreichten und weil unter den Wohnzimmerfenstern stark ausladende Gesimse oder Ueberdachungen u. s. w. fehlten, welche die auflodernden Stichflammen zurück ­ gehalten hätten. Wenn endlich das Feuer auch von dem einen nach dem andern Wohnstockwerk an der Fassade bis über das Dach hinauf seinen Weg nahm, so dürfte darin nichts Neues wahrzunehmen sein, vielmehr ist dies eine ganz natürliche Sache und wird in Stuttgart mit Strenge darauf geachtet, daß jede Fensteröffnung in jedem Stock ­ werk auf die volle Mauerstärke feuersicher überdeckt und durch Rolladenkästen nicht unterbrochen wird. Hierauf wurde an dem Warenhaus, wie anzunehmen ist, wohl versehentlich zu wenig Wert gelegt. Die Anbringung hölzerner Rolläden an sich wäre nicht so bedenklich ge ­ worden, wenn wenigstens dafür gesorgt worden wäre, daß über ihnen ein feuersicherer Gebälkabschluß vorhanden war. Der Zwischenraum zwischen den Fensterstürzen und den eisernen Gebälkträgern bildete für das Feuer einen will ­ kommenen Abzug. Zum Schlüsse möge der Verwunderung darüber noch Aus ­ druck verliehen werden, daß es gestattet werden konnte, innerhalb der Schaufensterausstellungsräume offene Gas ­ flammen zu verwenden, anstatt die Räume von außen zu beleuchten. E. Loim. “