118 BAUZEITUNÖ Nr. 15 Doppelwohnhaus in Pforzheim. Architekten: Faller und Preckel von H. Wahl in Pforzheim und Naudascher in Karlsruhe ausgeführt. Das Dach ist mit lauter Schiefer, die beiden Ecktürme mit Kupfer gedeckt. Wohnhaus am Haspeltnrm,Vaihingen a.E. Architekt E. Fink Bei diesem Plan lag die Aufgabe vor, ein Miethaus in einfacher Ausführung dem nahestehenden alten Turm der früheren Stadtbefestigung anzupassen. Es ist eine Aufgabe, die in unsern alten Städten oft Vorkommen kann und die leider nur zu oft durch die Bestimmung des Bauherrn, ein möglichst großstädtisch aussehendes Gebäude zu erzielen, dem Bauleiter schwer gemacht wird. Der Architekt suchte in vorliegendem Projekt der Auf ­ gabe durch Anlehnung an Bestehendes gerecht zu werden. Dem Turm entsprechend wurden unter Vermeidung un ­ nötigen Ballastes die Gliederungen einfach gehalten. Sockel und Einfassungen bestehen aus bossierten Hau ­ steinen, die an Ort und Stelle billig zu haben sind. Die Erkerausbauten haben flächig behauene Sandsteine, die übrigen Flächen sind geputzt. Mögen die baulustigen Angrenzer dasselbe Interesse für die Erhaltung des alten Stadtbildes zeigen! Zur V orl) i Idungsfrage < ler Bauwerkmeister Mitgeteilt vom Württ. Baubeamten-Verein Es sind nun bald zwanzig Jahre, daß die Vorbildungs- frage die mittleren Bautechniker Württembergs beschäftigt. Bis zum Jahre 1899 waren es in dem Bauwerkmeister ­ verein des Landes hauptsächlich die Baubeamten, als: Bahnmeister, technische Sekretäre, Bauamtswerkmeister, Straßenmeister u. s. w., welche fortgesetzt den Buf nach einer besseren und gleichen Vorbildung des Standes er ­ hoben. Es ist leicht zu verstehen, daß die Baubeamten es in ihrer Tätigkeit am ehesten und meisten verspürten, daß die derzeitige wissenschaftliche Vorbildung mit dem Fortschreiten der technischen Errungenschaften nicht gleichen Schritt hielt. Nachdem Ende der 90er Jahre des verflossenen Jahrhunderts bei sämtlichen andern mittleren Beamtenkategorien und den Geometern die Anforderungen für die Ablegung ihrer Staatsprüfungen nicht in sachlicher Beziehung allein, sondern vorzugsweise in Beziehung auf die „All ­ gemeinbildung“ höher gestellt wur ­ den, hätte man glauben sollen, daß diese Bedingungen auch auf die mittleren Tech ­ niker — wenigstens soweit dieselben Be ­ amte sind — ausgedehnt würden. Selbst der Laie wird es verstehen, daß für diese Beamte die Allgemeinbildung mindestens ebenso wichtig und nötig ist als für die andern mittleren Beamten des Staats ­ und Gemeindedienstes. Es geschah aber nichts derartiges. Da nun im Verein der Bauwerkmeister eine Mehrheit für eine energische Unterstützung der dahin zielen ­ den Forderungen der Baubeamten trotz jahrelangen Ansturms nicht zustande kam, so gründeten diese Beamte — der Not gehorchend — im November 1899 den „Württ. Baubeamten-Verein“ unter dem Zeichen der Vorbildungsfrage. Dieser Verein wendete sich dann schon am 4. Mai 1900 an das Kgl. Kult ­ ministerium mit der Bitte: „Für diejenigen Schüler der Baugewerkschule, welche vor dem Besuch sich die Bildungsstufe eines Einjahrig-Freiwilligen nicht erwor ­ ben haben, eine etwa nach der III. Klasse zu machende, entsprechende Vorprüfung zur Werk ­ meisterprüfung einzurichten.“ Nachdem innerhalb eines Jahres ein Bescheid hierauf nicht erfolgte, glaubten wir — vielleicht mit Recht —, es wäre besser, diese Forderung nur auf solche Techniker zu beschränken, welche sich der Beamtenlaufbahn widmen wollen. Wir wiederholten daher am 17. Mai 1901 diese Bitte ans Kgl. Kultministerium, und zwar „um Einführung einer wissenschaftlichen Vor ­ prüfung zur Werkmeisterprüfung oder einer be ­ sonderen niederen Staatsprüfung für zukünftige Baubeamte“. Schon am 22. Mai 1901 erhielten wir nun von diesem Ministerium die Mitteilung, daß über die Revision der Werkmeisterprüfung und die damit zusammenhängende Frage der Einführung einer Vorprüfung zu derselben Verhandlungen zwischen den beteiligten Kgl. Ministerien der auswärtigen Angelegenheiten, Abteilung für die Ver ­ kehrsanstalten, des Innern, des Kirchen- und Schulwesens und der Finanzen im Gange seien. Durch Verfügung des Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens vom 13. Mai 1902 wurde nun bestimmt, daß vom Jahr 1903 bezw. 1906 ab für die Bauwerkmeister ­ prüfung eine Vorprüfung einzurichten bezw. zu erstehen sei. Dies war sehr zu begrüßen, denn es wurde hierdurch der Bauwerkmeisterprüfung der vollständige Charakter einer technischen Fachprüfung verliehen, was bisher nicht der Fall war. Diese Vorprüfung war nun aber nicht so eingerichtet, daß ihr in allgemein wissenschaftlicher Be ­ ziehung die Bedeutung der Prüfung für das Einjährig-Frei ­ willige zugekommen wäre. Hiermit war endgültig zum Ausdruck gebracht, daß die wissenschaftliche Befähigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst an der Baugewerk ­ schule nicht erreicht werden kann bezw. nicht verliehen werden will. Und es ist gut so. Wir wandten uns daher am 13. Oktober 1902 an das Kgl. Ministerium des Innern mit der Bitte: