142 Nr. 18 BAUZEITUNG 50 cm breiten Balken, auf denen ein Bohlenbelag aufgebracht wird, um einen Weg von 2,60 m Breite zu erstellen, ist über die Zschoppau ausgeführt worden (Abb. 17). Noch sind keine Eisenbeton ­ balken durch Verschieben montiert worden. Bei den verschiedenen Bauweisen wird Abb. 17. Querschnitt Abb. 16 der notwendige Eisenquerschnitt über den Stützen durch die Uebergreifung der vorhandenen Eiseneinlagen erzielt (Abb. 18). Auf Grund von Versuchen, die der Verfasser im Laboratorium der Kgl. Hochschule in Stuttgart vor ­ genommen hat, ergab sich eine bedeutende Scherfestigkeit des Eisenbetons, ohne daß Biegungsrisse erscheinen, wenn eine spiralartige Armierung verwendet wird. 1 ) (Fortsetzung folgt) Textilstoffe als Wandbekleidnngen Von Fred Hood ATK. Unsre Papiertapeten sind mehr oder minder Imitationen von Stofftapeten. Zwar vermögen sie in dieser Hinsicht zum großen Teil keineswegs das Auge zu täuschen, aber die Anwendung von samt-, seiden- und leinenartigen Papieren sowie die ständig wiederkehrenden Textilmuster zeigen doch deutlich genug das Bestreben, die Wirkung von Textilfabrikaten hervorzurufen. Da ist es denn ganz natürlich, daß Stofftapeten jetzt, wo die Kunstgewerbetreibenden auf die Anwendung echten Materials ein Hauptgewicht legen, wieder mit Vorliebe zur Ausstattung vornehmer Räume Verwendung finden. Es sind dies aber nur zum Teil Stoffe mit eingewebten Mustern; auch die Mal- und Drucktechnik hat sich dieses Gebiet erobert, und so sind mannigfache neue Effekte erzielt worden. Wir können nur bedauern, daß das reiche Material nicht immer mit Verständnis be ­ nutzt wird. Nun ist zu beachten, daß die Verwendung von Textilstoffen zur Wandbekleidung dem Tapezierer weit größere Schwierigkeiten bereitet als die Verwendung von Papiertapeten — zumal bei der Bauausführung diese Art von Dekorationen nur in seltenen Fällen berücksichtigt wird. Eine Papiertapete kann ich direkt auf jeden einigermaßen glatten Putz bringen; auch kann ich mir durch Anbringung der wohlfeilen Makulatur eine geeignete Unterlage schaffen. In dieser Weise wird man aber mit Stofftapeten nicht verfahren können; sie verlangen eine größere Sorgfalt und sehr verschiedene technische Mittel, da sich die Stoffe je nach Beschaffenheit des Gewebes auch ganz verschieden beim Aufspaunen, Nageln, An ­ feuchten u. s. w. verhalten. Es ist deshalb gewiß an ­ gebracht, zu untersuchen, wie man zu verfahren hat und Siehe „Beton und Eisen“ 1906, Heft I bis IV: „Die Scher- und Schubfestigkeit des Eisenbetons“ vom Verfasser, auch als Sonderdruck erschienen. in welcher Weise die Wand zur Aufnahme der Stoffe vorzubereiten ist. Am vorteilhaftesten gestaltet sich die Ausführung, wenn von vornherein mit der Verwendung von Stoff ­ tapeten gerechnet wird und zum Aufspannen derselben Blindrahmen in die Wand gelegt werden. Vielleicht werden die Techniker der Zukunft so vernünftig sein, den Bauherrn schon während der Ausführung zu fragen, welche Art Wandbekleidung die einzelnen Räume erhalten sollen. Man sollte sich doch wirklich diese Dinge recht ­ zeitig überlegen — namentlich wenn es sich um Aus ­ führung einer Villa oder eines herrschaftlichen Hauses handelt. In der Regel beschäftigt man sich mit diesem Gegenstände erst, wenn bereits sämtliche Wandflächen geputzt sind; und dann ist die Anbringung von Blind ­ rahmen zu umständlich und zu kostspielig. Man ist dann also genötigt, den Stoff auf die geputzte Wand zu nageln oder — w r enn dies die Beschaffenheit des Stoffes ver ­ trägt — auf die Wand zu kleben. Das Festnageln von Stoff auf der Wandfläche stellt jedenfalls eine sehr primi ­ tive und unzuverlässige Technik dar; dennoch geschieht es außerordentlich häufig. In der Regel erhalten dann die Seiden- und Stofftapeten eine Unterlage von Mus ­ selin, Jutestoff oder dergl., die Zeugtapete wird über die Unterlage fortgenagelt, worauf die Nagelreihen mit Goldleisten verdeckt werden. Das Jutegewebe besitzt als Unterlage den Vorzug, daß es ebenso gut genagelt wie geklebt werden kann. Man hat beim Aufnageln der Stofftapeten dann auch noch darauf zu achten, daß die Nagelreihen eine günstige Felderteilung ergeben, da sie mit Zierleisten oder Borten überdeckt werden sollen. Sehr kostbare Stoffe werden auch nach Art der Oelgemälde über Rahmen gespannt, welche sich durch Keile antreiben und daun kunstgerecht mit Zierleisten umrahmen lassen. Eine Stofftapete direkt auf den Putz zu bringen ist jedenfalls immer riskant; bei sorgfältiger Ausführung begnügt man sich auch nicht mit der Verwendung einer Unterlage aus Jute oder einem sonst geeigneten Gewebe, sondern beklebt die Wand zunächst mit Makulatur und führt dann die Stoffbekleidung in der beschriebenen Weise aus. Andernfalls dringt nämlich häufig infolge Reißens des Putzes Kalkstaub durch beide Stofflagen, oder der Kalk beeinflußt die Farbe der Stoffe, so daß das Gewebe fleckig wird; auf diese Weise ist schon manch kostbarer Stoff verdorben worden. Schließlich wird dann auch noch der Lieferant oder der Tapezierer verantwortlich gemacht.