170 BAUZEITUNG Nr. 21 mann entworfene Gebäude der Ausstellung des bayrischen Staates aus, wogegen die Fassade der Maschinenhalle, deren Ausführung das Nürnberger Werk der Vereinigten Maschinenfabriken Augsburg und Maschinenbaugesell ­ schaft Nürnberg übernommen hat, einen etwas nüchternen Eindruck macht. In sehr vornehmen, durchaus einfachen Formen ist die Kunsthalle von Professor Pfann und J. Diez aus München gehalten. Eine künstlerisch nicht völlig befriedigende Fassade besitzt das Gebäude der Stadt Nürnberg, an das sich ein durch Verwendung von Motiven Alt-Nürnberger Architektur reizvoll behandeltes Gebäude, das Nürnberger Kunstaltertümer enthält, an ­ schließt. Vielen Beifall findet das graziöse Gebäude der Kgl. Forstverwaltung nach dem Entwurf v. Kramers. Zu erwähnen ist außerdem eine ganze Anzahl von Einzel ­ bauten, wie die Festhalle, die große Henrichsche Münchner Bierhalle, das Teich-Restaurant, eine Reihe von Häusern im Stil des bayrischen Oberlandes und das von Bruno Paul entworfene und ausgestattete pfälzisch-fränkischeWeinhaus. Der Arbeiterbrunnen in Mülhausen i. E. Die Stadt Mülhausen hat nun ihr erstes Monument erhalten. Es ist der Arbeiterbrunnen, der vor dem Rathaus er ­ richtet worden ist. Auf einem von Wasser umrauschten Felsen steht der nur mit einem Schurzfell bekleidete jugendliche Arbeitsmann, mit der Rechten stützt er sich in ruhender Haltung auf seinen Pickel, die Linke ist zum leicht geneigten Haupte erhoben, als wische er mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirne. Die mächtige Bronzefigur ist, wie man der „Frankf. Ztg.“ schreibt, ein künstlerisch wertvolles Werk des Florentiners Beer, sie zeichnet sich durch eine edle Plastik des muskulösen Körpers aus, wirkt aber in der beschränkten Umgebung zu massiv, sie erdrückt geradezu das kleine Renaissance- Rathaus und nimmt sich auch der schlanken gotischen protestantischen Kirche gegenüber etwas schwerfällig aus. Besser würde sie sich auf einem großen freien Platze mit Anlagen ausnehmen. Gegen ihre Aufstellung auf dem Rathausplatze war in dieser Voraussicht lebhaft opponiert worden, man erwartete sogar von der Regie ­ rung ein Verbot, wiewohl hierzu alle gesetzliche Grund ­ lage fehlte. Die Behörde hat denn auch den Dingen ihren Lauf gelassen und heute steht der Brunnen auf seinem vorgeschriebenen Platze. Natürlich hat sich der derbe Volkswitz seiner sofort bemächtigt. Schon der Umstand, daß die Figur ihren gänzlich unverhüllten kolossalen Rücken — sie mißt beiläufig fünf Meter — dem Rathaus zukehrt, wird zu drastischen Bemerkungen über den Gemeinderat weidlich ausgenutzt. Und mit Beziehung auf den Pickel in der Hand des Arbeiters nennt man den Brunnen das Denkmal der italienischen Grundarbeiter, die hier an der Kanalisation vorzugsweise beschäftigt sind. Das Denkmal der Arbeit wird ohne Feier der Oeffentlichkeit übergeben. Die Kosten be ­ liefen sich auf 50 000 M. und werden von der Stadt getragen. Personalien Württemberg:. Versetzt: auf die mit den Dieustrechten eines Baurats verbundene Stelle des Vorstands der Eisenbahnbau ­ inspektion Stuttgart der Baurat Veigele, Vorstand der Eisenbahu- bauinspektion Eßlingen, seinem Ansuchen gemäß. Staatsprüfung im Maschineningenieurfacb. Bei der dies ­ jährigen zweiten Staatsprüfung im Maschineningeuieurfach in Stutt ­ gart sind für befähigt erklärt worden und haben die Bezeichnung „Regierungsbaumeister“ erhalten: M. Böckeler-Aalen, E. Schäfer und O. Sohrader-Stuttgart. Bauwerkmeisterprüfüng. Infolge der vom 13. März bis 8. April vorgenommenen Bauwerkmeisterprüfung sind für befähigt erklärt worden und haben die Bezeichnung „Bauwerkmeister“ erlangt: Gg. Betz-Leinzell, OA. Gmünd, A. Bold-Nenzingen (Baden), K. Brand- meier-Reiheu (Baden), Th. Brenner-Stuttgart, A. Burger-Stuttgart, H.Clauß-Meimsheim, OA.Brackenheim, A. Deutschraanu-Sigmaringeu, E. Elautz-Neckarhausen, Chr. Freimüller-Goldbach, R. Fritz-Stutt ­ gart, E. Gaiser-Neuenbürg, H. Ganzenmüller-Weinsberg, A. Götz- Hofen, OA. Cannstatt, Chr. Haas-Hausen, OA. Brackenheim, P. Heim- Stuttgart, E. Holl-Fach, OA. Gaildorf, E.Kärcher-Stuttgart, J. Keck- Hermaringen, OA. Heidenheim, L. Kellermann-Waldtann, OA. Cxails- heiin, R. Keppler-Stuttgart, L. Kirchner-Kochendorf, OA. Neckarsulm, F. Kueißler-Salzstetteu, ÜA.Horb, E. Koch-Ludwigsburg, Th. Koch- Rohrdorf, OA. Nagold, A. Kramer-Stuttgart, R. Maurer-Plochingen, E. Mayer-Stuttgart, K. Müller-Nürtingen, H. Ostertag-Lichtel, OA. Mergentheim, P. Pfeffer-Hausen, OA. Rottweil, J. Reiber-Seißen, OA. Blaubeuren, E Reiniger-Stuttgart, L. Schänzle-Obermarchtal, H. Schlienz-Ludwigsburg, L. Schneider-Memmingen, L. Schrein-Wall ­ hausen, OA. Gerabronn, L. Stogmaier-Gmünd, 0. Steiff-Geislingena.St., R. Wenger-Cannstatt, L.Wucheuauer-Thalfingen(Bayern), M. Wuch- rer-Lorch, M. Zimmermann-Reutlingen. Bücher Wohnnngsfttrsorge für Arbeiter und Bedienstete. Von Oberbürgermeister Wagner in Ulm. Verlag J. Ebner, Ulm. Die vorliegende Schrift gibt ein interessantes Bild der Bodenpolitik der Stadt Ulm, die darauf ausgeht, den Unbemittelten gesunde und billige Wohnungen zu schaffen und diese selbst zu erwerben. In Nr. 12 der „Bauzeituug“ haben wir bereits diese wichtige volks ­ wirtschaftliche Frage behandelt auf Grund eines Vortrags, den der Ulmer Stadtvorstand in Berlin gehalten hat. Die Grundzüge der Wohnungsfürsorge sind jetzt von diesem in einer Schrift zusammeu- gefaßt und eingehend erläutert. Wir ersehen daraus, daß die Stadt Ulm im Laufe von 10 Jahren für 1500 Personen mit einem Auf ­ wand von nahezu einer Million Mark Arbeitereigenhäuser erbaut hat. Die dabei gemachten Beobachtungen und Erfahrungen geben die Grundlage zu einer Reihe praktischer Vorschläge, deren Erfolge zweifellos sind. Von dem im Jahre 1888 zuerst gemachten Versuche der Stadt mit einem großen Bedienstetenwohngebäude ausgehend und ferner die Bautätigkeit der gemeinnützigen sowie der Spar- und Bauvereine Ulms beleuchtend, schildert der Ver ­ fasser, dem ein hervorragendes Verdienst dabei zukommt, die Ent ­ wicklung und allmähliche Ausdehnung der Ulmer Wohnungspolitik bis zu ihrem heutigen Stand, in welchem die Fürsorge für Arbeiter ­ wohnungen zur Gemeindeangelegenheit erhoben ist und für andre Gemeinden als vorbildlich gelten kann. Auch die Fragen der städtischen Bodenpolitik, der Verhinderung der Spekulation mit städtischerseits veräußerten Grundstücken sowie der Besteuerung unverdienten Wertzuwachses an Grund und Boden sind eingehend erörtert. Eine große Anzahl statistischer Tabellen und genau aus- geführter architektonischer Pläne und Skizzen von Stadtbaumeister Romann ergänzen in wünschenswerter Weise den Inhalt des Buches, das namentlich in den Kreisen von Gemeindevurstäuden, Architekten, Sozialpolitikern und Großindustriellen sowie von Arbeitern und Bediensteten die lebhafteste Beachtung tinden wird. All unsre Leser! Wir sind schon wiederholt aus der Mitte unsrer Leser nach Bezugsquellen dieser oder jener Art gefragt worden. Dies veranlaßt uns, alle Leser zu bitten, ja aufzufordern, sich immer an uns wenden zu wollen, wenn dieser oder jener Artikel angeschafft werden soll und hierfür eine Bezugsquelle aus dem Inseratenteil nicht ersichtlich ist. Ferner bitten wir, uns davon in Kenntnis zu setzen, wenn die Bedienung seitens eines Inserenten zu einer berechtigten Klage Veranlassung gibt, damit wir ent ­ sprechende Abhilfe treffen können. Stets bemüht, in dem Inseratenteil der „Bauzeitung“ eine möglichst vollständige Zusammenstellung guter Be ­ zugsquellen zu geben, ersuchen wir höflichst, von diesen auch den weitestgehenden Gebrauch zu machen und sich dabei stets auf unser Organ zu berufen. Hochachtungsvoll Verlag der „Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen“. Verantwort!. Schriftleiter: Adolf Fausel in Stuttgart. Adresse für alle Sendungen: Bauzeitung-Stuttgart, Hegelstr. 68. Druck: Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart