muN FÜR WÜRTTEMBERG BADEN HESSEN ELr SASS - LOTHRINGEN STUTTGART, ». JUNI 190G Inhalt: Der Marktbrunnen in Urach. — Wettbewerb Waisenhaus Straßburg. — Die Baugewerbliohe Aus ­ stellung im Landesgewerbemuseum zu Stuttgart. — Kontinuierliche Balkenbrücken aus Eisenbeton. — Eeichsgerichtliche Entscheidung. — Vereinsmitteilungen. — Wettbewerbe. — Kloster auf dem Kapuziner ­ berg in Salzburg. — Kleine Mitteilungen. — Personalien. — Bücher, UlPmaii? Alle Rechte Vorbehalten Der Marktbrunnen in Urach Eines der hervorragendsten Kunstwerke Württem ­ bergs aus der Zeit des Mittelalters, ein Meisterwerk der Spätgotik, drohte seinem Verfall entgegenzugehen. Die Spitzsäule des Markthrunnens zu Urach, die 400 Jahre lang Frost und Wetter standgehalten, zeigte sich nach einer vor einigen Jahren vorgenommenen Untersuchung derart verwittert, daß eine gänzliche Erneuerung sich als unumgänglich erwies. Schon im Jahre 1869 hatte der be ­ kannte Stuttgarter Architekt C. Beisbarth auf die Zer- fallenheit des Brunnens hin ­ gewiesen und es auch zuwege gebracht, daß der Brunnen 1864 wenigstens in einigen Teilen unter seiner Leitung restauriert wurde. Das Gut ­ achten, das Beisbarth da ­ mals abgab, ist deshalb be ­ merkenswert, weil es eine genaue Beschreibung des Marktbrunnens gibt. „Ohne Zweifel verdankt,“ so heißt es u. a., „dieses schöne Denk ­ mal vaterländischer Kunst seine Entstehung dem kunst ­ liebenden Herzog Eberhard im Bart, was das an einem Tragstein dargestellte Wap ­ pen bestätigen dürfte. Aus den eingehauenen Mono ­ grammen geht deutlich her T vor, daß die Erbauer dieses Brunnens der berühmte Peter von Koblenz (sein Grabstein [1502] ist in der Kirche) und der Bildhauer Christoph sind, welche durch gemeinschaft ­ liches Zusammenwirken die ­ ses schöne Kunstwerk, wie nur wenige deutsche Städte ein ähnliches aufzuweisen haben, zur Bewunderung der Nachwelt geschaffen haben. Der Brunnenstock bildet in seiner Grundform ein Viereck und besteht aus einem vierseitigen, mit Ecksäulen ver ­ sehenen, in der halben Höhe durchbrochenen Aufbau, welcher in mehreren Abteilungen stockweise sich absetzt, bis eine Pyramide mit Kreuzblume das Ganze abschließt. Der Stock hat eine Höhe von 30 Fuß und ist mit einem achtseitigen Wasserkasten umgeben. Unten zwischen den Röhren, welche das Wasser ausgießen, ist sitzend der Meister mit seinen in den Ecken stehenden Ge ­ hilfen dargestellt; über dem Wasserschlag sind in halb ­ runden Nischen vier gehar ­ nischte 21/z Fuß hohe Ritter mit Wappenschildern, Fah ­ nen und Lanzen, in den Eck ­ pfeilern auf Tragsteinen in kleinerem Maßstabe die Gra ­ fen von Urach unter reich ­ verzierten Baldachinen an ­ gebracht, auf welchen wieder in entsprechenderWeise ihre Schild- und Lanzenträger stehen, die gleichfalls mit Baldachinen überdeckt sind. Hier schließt sich die untere Abteilung mit einem zwischen den vier Strebepfeilern ein ­ gesetzten Kapital ab, über welchem der durchbrochene Aufbau anfängt, innerhalb dessen das beinahe lebens ­ große Standbild des heiligen Christoph mit dem Christ ­ kinde auf den Schultern sich befindet, das schönste und besterhaltene Bildwerk von tüchtiger und wirksamer Aus ­ führung, das mit einem groß ­ artigen , zwischen Pfeilern aufstrebenden Baldachin be ­ krönt ist, an welchem sich wieder die äußere Pyramide ansetzt, die eigentlich den Schluß des Brunnens bildet. Das Denkmal hat durch den Zahn der Zeit sehr gelitten, Der Marktbrinmen in Urach