15. September 1906 BAUZEITUNG 293 Jnuj/tf oonißxXmdcy/aütz. Saalbau Mülhausen i. E. Ein I. Preis Architekten Graf & Röckle, Stuttgart Von der B5. Abgeordnetem^ ersammlmig und 17. WanderVersammlung des Ver ­ bandes deutscher Architekten- und In ­ genieur-Yereine in Mannheim Vom 31. August bis 7. September 1906. (Spezialberioht) Erstmals seit seinem Bestehen hatte heuer der Ver ­ band zum Versammlungsort eine Stadt erlesen, die nicht den Vorzug einer vielhundertjährigen Geschichte besitzt und nicht die Besucher allein schon durch die ehrwürdigen Denkmale ihrer ruhmreichen Vergangenheit zu fesseln vermag. Mannheim, die Handelsmetropole Südwest ­ deutschlands, erhielt eine größere Bedeutung erst mit der Regierung Kurfürst Friedrich IV. vor nunmehr 300 Jahren. Gleichwohl ist das Werk „Mannheim und seine Bauten“, mit dem die Ortsgruppe den Gästen ihren W illkommgruß entbot, ein stattlicher Band voll interessanter Ansichten und Pläne mit technischen und kunstgeschicht ­ lichen Beschreibungen, der sich den Vorgängern der früheren Feststädte würdig anreiht. Der Landesgeologe Dr. Thürack schildert darin die Lage und Bodenbeschaffenheit, Prof. Dr. Walter die histo ­ rischen Schicksale der Stadt und Dr.-Ing. Eberbach gibt mittels zahlreicher Skizzen intime Bilder von Alt-Mann ­ heims Baukunst. In den Hochbau teilen sich entsprechend den verschiedenen Gruppen: Verwaltungsgebäude Stadt ­ bauinspektor Hauser, Kultusbauten Architekt Döring, Schulen Stadtbaurat Perrey, Theater, Konzert- und Ver ­ gnügungslokale Architekt Söhner u. a. m., während die Ingenieurbauten von den Herren Oberbauinspektor Kupferschmid, Stadtbaurat Eisenlohr u. v. a. behandelt werden. Für die riesige Entwick ­ lung, die Mannheim als Handels- und Industriestadt in den letzten Jahrzehnten genommen hat, zeugen am besten nachstehende Daten: Verkehr in tausend Tonnen: 1880 ca. 1800, 1890 ca. 5000, 1900 ca. 8000,1905 ca. 9000, sowie daß Ende 1905 861 Dampfkessel mit einer Ge ­ samtheizfläche von 57 000 qm im Betrieb waren. Die Abgeordnetenversammlung begann ihre Sitzungen am 1. September mit der erfreulichen Mitteilung des Vor ­ stands, Baurat Reverdy-Mtinchen, daß das vom Verband herausgegebene umfangreiche Werk „Das deutsche Bauernhaus“, zu-dem seinerzeit eine Reichshilfe von 30 000 M. gewährt worden ist, nunmehr vollendet vorliegt und auch schon die aus tausend Exemplaren bestehende erste Ausgabe nahezu vergriffen sei. Aus diesem Anlaß war der Reichskanzler Fürst Bülow gebeten worden, die Widmung des Werkes anzunehmen, und er hat hierüber dem Verband ein verbindliches Dankschreiben zugehen lassen. Für Erwerbung des Eigentumsrechts am „Normal- profilbuch“ werden 3000 M. bewilligt. Bezüglich der zivilrechtlichen Haftbarkeit der Architekten und Ingenieure wird nach einem von Oberlandesgerichtspräsident Dr. Sieveking in Hannover erbetenen Gutachten eine neue Fassung vorgeschlagen. Die Normalien für Hausentwässerungs ­ leitungen und Anlagen sollen in technische Vor ­ schriften und Verwaltungsbestimmungen geschieden wer ­ den, und es wird der Vorstand ermächtigt, die nötigen Schritte hierzu von sich aus zu tun. Ein „Normalvertragsentwurf“ zwischen Bau ­ herr und Architekt bezw.Ingenieur und zwischen letzteren und ihren Angestellten findet nach längeren Auseinander ­ setzungen, insbesondere über die Frage der Fristverlänge ­ rung bei ungerechtfertigten Arbeitseinstel ­ lungen und gerechtfertigten Arbeitssperren sowie über die Zweckmäßigkeit der Schiedsgerichte, mit entsprechenden Modi ­ fikationen ebenfalls Annahme. lieber den Stand der „Einheit ­ lichen Bestimmungen für Eisen ­ betonkonstruktionen“ berichtet Geh. Oberbaurat Lanner - Berlin. Nach Mit ­ teilung des Reichskanzlers werden gegen ­ wärtig bei der Reichsversuchsanstalt in Berlin von einem Ausschüsse bezügliche Versuche angestellt, die noch nicht zum Abschluß gelangt sind. Stadtbaurat Dr. Wolf-Hannover emp ­ fiehlt die Aufnahme und Veröffentlichung „alter Bürgerhäuser“, analog dem jetzt vollendeten Werk über alte Bauern ­ häuser. Sein Antrag auf Einsetzung eines Ausschusses zur gemeinschaftlichen För ­ derung dieser Angelegenheit mit dem Denkmalpflegetag wird angenommen. Sodann folgte die sehr lebhafte Be ­ ratung der vom Ausschuß für Architektur vorgelegten Denkschrift zur Frage der