22. September 1906 BAUZEITUNG 305 hohen Verkaufspreisen der Ablader fand. Diejenigen rheinischen Einfuhrfinnen, welche bisher in der Erwartung des Eintritts billigerer Preise den Einkauf zurückstellten, sehen sich in ihren Erwartungen getäuscht, denn heute verlangen die Ablader zum Teil-wesentlich höhere Preise als bisher. Red-Pine ist noch am wenigsten gestiegen. Das kommt daher, daß die Vorräte darin bedeutend größer sind als in Pitch-Pine. Die rheinischen Hobel ­ werke verlangen heute für den Quadratmeter 24/25 mm starker gehobelter Pitch-Pine-Riemen, bester Qualität, 5" und 6" stark, bei Waggonbezug mindestens 2,70 M. ab oberrheinischen Versandplätzen. Der Preis für den Quadratmeter 24/25 mm starker prima nordischer Hobel ­ bretter beträgt heute frei Waggon oberrheinischen Werken in der Breite von 6" 1,53—1,55 M. Der Markt in süd ­ deutschen rauhen Brettern verkehrte in ziemlich lebhaften Bahnen, da von den mittel- und niederrheinischen Plätzen ständig reger Begehr nach Schnittwaren aller Art her ­ vortrat. Die Hauptnachfrage erstreckte sich auf breite Bretter, in welchen das Angebot sich über einen mäßigen Rahmen aber nicht hinausbewegte. Für die 100 Stück 16' 12" 1" Ausschußbretter wurden zuletzt frei Schiff Mittelrhein 130—132 M. genehmigt. Geschnittene Tannen- und Fichtenkanthölzer zogen lebhafte Nachfrage auf sich, und die sich mit der Herstellung von Bauhölzern be ­ fassenden Werke hatten daher zufriedenstellende Be ­ schäftigung. Die Preise betrugen für mit üblicher Wald ­ kante geschnittene Hölzer pro Festmeter frei Waggon Mannheim 42—43 M., für vollkantige 44—45 M. Yereinsmitteilungen Bangewerkeverein Stuttgart. Baukontrolle. Diese Frage hat sowohl auf dem Verbandstage der deut ­ schen Baugewerksberufsgenossenschaften am 8. September als bei den Verhandlungen des 21. Delegiertentages deut ­ scher Baugewerksmeister am 11. September eine gründ ­ liche Aussprache gezeitigt, welche allerdings in ihrer Schlußfolgerung den lebhaften Widerspruch der hiesigen Gewerkschaftsführer hervorgerufen hat. Beide Referenten sprachen sich für eine möglichste Vervollkommnung der Baukontrolle aus, verneinten aber unter eingehender sachlicher Begründung die Notwendig ­ keit der Beiziehung besonderer Kontrolleure aus dem Bauarbeiterstande, besonders weil denselben die zur selbständigen Ausübung dieses Amtes erforderliche tech ­ nische Vorbildung fehle. Der Vertreter der hiesigen Meisterschaft machte im Laufe der Diskussion die Mit ­ teilung, daß in Stuttgart seit etwa drei Jahren vier Ar ­ beiterkontrolleure im Amte seien, wodurch keinerlei Miß ­ stände sich ergeben hätten, weil eben diese Kontrolleure den vier Bezirksbaumeistern unterstellt wurden, durch deren technischen Rat und fachmännische Leitung der erwähnte Mangel an konstruktiver Vorbildung ausge ­ glichen worden sei. Niemand, welcher der angeregten Frage der Baukontrolle objektiv gegenübersteht, wird in der Form der erwähnten Mitteilung eine schwere Verdächtigung der im Amt befindlichen vier Kontrolleure erblicken können. Anders der Vorsitzende der hiesigen Kommission für Bauarbeiterschutz, welcher diesen Anlaß nicht versäumen will, um wieder einmal seinem Unmut in der „Schwä ­ bischen Tagwacht“ Nr. 214 gründlich darüber Luft zu machen, daß eben die Frage der Baukontrolle nicht im Sinne der zielbewußten Genossen erfolgt ist (und hoffent ­ lich auch nie erfolgen wird). Die hiesige Meisterschaft hat sich mit der gemeinderätlichen Verfügung, die Kon ­ trolleure aus dem Bauarbeiter stand den vier Bezirksbau ­ meistern zu unterstellen, viel leichter abgefunden, weil durch diese Anordnung hinreichende Gewähr dafür ge ­ boten ist, daß diese Kontrolleure auch in solchen Fällen ihres Amtes walten können, wo ihre praktische Erfahrung allein nicht ausreicht, eine schwierige konstruktive Frage zu lösen und sie nur durch rechtzeitige Belehrung und Unterweisung durch die Bezirksbaumeister vor eventuellen Mißgriffen bewahrt bleiben. Würde es der sogenannten Kommission für Bauarbeiterschutz und ihrem Vorsitzen ­ den nur um den Schutz von Leben und Gesundheit ihrer Genossen zu tun sein, so hätten sie alle Ursache, mit den obwaltenden Verhältnissen zufrieden zu sein. Aber der Zielbewußten ganzer Jammer ist in der Tatsache zu suchen, daß die erwähnten vier Kontrolleure ihre Instruktionen hinsichtlich der Baukontrolle eben pflicht ­ gemäß bei ihren Vorgesetzten Bezirksbaumeistern ein ­ zuholen haben und nicht beim Vorsitzenden der Bau ­ arbeiterschutzkommission, welcher sich dadurch der Mög ­ lichkeit beraubt sieht, seine verhetzende Tätigkeit auch auf gefügige Gewerkschaftsmitglieder innerhalb der Bau ­ kontrolle ausdehnen zu können. Da die angestellten Baukontrolleure bei ihrem Amts ­ antritt aus dem Bauarbeiterstand auszuscheiden hatten, so darf wohl angenommen werden, daß die Herren keine besondere Freude an dieser unbändigen Inschutz ­ nahme durch Herrn Stolle haben werden, denn wenn sie sich in ihrer Eigenschaft als städtische Beamte — nach der Ansicht dieses Herrn — angegriffen glauben, so stehen ihnen bessere Verteidigungsmittel zur Seite. Eine Klarlegung, ob und inwieweit die Bauunfälle durch die Tätigkeit bestimmter Kontrollbeamten eine prozentuale Abnahme in den letzten Jahren erfahren haben, ist über ­ aus schwierig festzustellen. Wenn eine Abnahme der Unfälle tatsächlich statt ­ gefunden hätte, so dürfte doch in erster Linie eine bessere Befolgung der Unfallverhütungsvorschriften seitens der Arbeitgeber angenommen werden, anderseits könnten weder die städtischen ßaukontrolleure noch die Beauf ­ tragten der Württ. Baugewerksberufsgenossenschaft, von welchen die Baukontrolle gleichzeitig besorgt wird, die Priorität einer intensiveren Tätigkeit für sich in Anspruch nehmen. Deutscher Arbeitgeberlmnd für das Baugewerbe, E. V. In Weiden (Oberpfalz) haben die christlich organisierten Maurer und Bauhilfsarbeiter in brüsker Weise die Arbeit niedergelegt, nachdem ihnen von den dortigen Arbeitgebern eine etwa 17°/ 0 ige Lohnerhöhung nicht bewilligt wurde. In Gebweiler ist der Streik der Maurer beendet und dadurch stillschweigend im Sande verlaufen, daß die Unterstützung aus der Ver ­ bandskasse an die Streikenden aufhörte. In Lörrach i. B. ist die Aussperrung der Zimmerer insofern aufgehoben, als die Hauptstreikführer, etwa fünfzehn Zimmerer, aus ­ gesperrt bleiben, d. h. in Lörrach nicht mehr beschäftigt werden. Die übrigen, größtenteils aus dem Verbände ausgetretenen Zimmerleute haben die Arbeit bedingungs ­ los wieder aufgenommen. In Ulm a. D. ist der seit 25. Mai d. J. währende Streik der organisierten Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter nach zwölfwöchiger Dauer beendet; die Arbeitnehmer haben die Arbeit bedingungs ­ los wieder aufnehmen müssen. Ein Vertrag kam bei Beendigung des Streiks nicht zustande, weil die Arbeiter den Vertragsentwurf der Arbeitgeber ablehnten und es vorzogen, ohne Vertragsabschluß zu kapitulieren. Als Ersatz für den Arbeitsvertrag haben die Arbeitgeber nun eine Arbeitsordnung aufgestellt, welche dem Vertrag dem Inhalte nach ungefähr gleichkommt und zu deren Ein ­ haltung sich jeder Eintretende unterschriftlich verpflichten muß. In Tübingen ist der Maurer streik nach acht ­ wöchiger Dauer beendet. Die Arbeit wurde zu den von den Arbeitgebern angebotenen Lohnsätzen von 38 Pf. für 1906 und 40 Pf. für 1907 wieder aufgenommen. Die von der Arbeitervertretung angestrebten Einigungsver ­ handlungen scheiterten zufolge Beharrung der Arbeit ­ geber an den vorstehenden Lohnsätzen und ist auch ein schriftlicher Vertrag nicht abgeschlossen worden. Im