308 BAUZEITUNG Nr. 39 Saalbau Mülhausen i. E. Bin III. Preis Architekt Chr. Städler, Tübingen ein Schlußprüfungszeugnis erhalten kann, ohne daß er selbst Geselle ist, denn sonst steht er ohne gleichwertige Kenntnisse dem Meister gleich. Es wird schließlich fol ­ gende Resolution vorgeschlagen und angenommen: „Der 21. Delegiertentag u. s. w. erblickt in dem Gesetz ­ entwurf betr. die Beseitigung der Mißstände im Bau ­ gewerbe keinen Erfolg für seine Forderungen, es ist vielmehr immer wieder zu fordern, daß das Baugewerbe, d. i. das Maurer-, Zimmer- und Steinhauergewerbe, unter § 31 der Reichsgewerbeordnung gestellt wird, für welche der Befähigungsnachweis gesetzlich gefordert wird.“ Einige andre Redner gaben noch ihre Ansicht kund; so wurde die Meinung vertreten, daß auch Eisenbeton ­ unternehmer und Architekten den Befähigungsnachweis erbringen müssen, überhaupt alle, die einen Bauteil kon ­ struieren. Dem geschäftsführenden Ausschuß wird über ­ tragen, diese Angelegenheit weiter zu behandeln. Baurat Enke-Leipzig berichtet über den Stand der Frage betr. die Sicherung der Bauforderungen. Bisher konnte in diesem Punkte keine vollständige Einig ­ keit erzielt werden, doch ist die Sache sehr wichtig, da im Bauwesen schon ungeheure Summen verloren gegangen sind. Der Großgrundbesitzer verkauft oft an mittellose Unternehmer und macht noch Zahlungen zur Unter ­ stützung. Ist der Bau zu zwei Dritteln fertig, so gerät er meist wegen Zahlungsunfähigkeit des Unternehmers in Stillstand. Für den Handwerksmeister hat eine Sicher- ZmnOria dn Irdjluhourj. 'tOiluirlutuiß ynrirrth heitshypothek meist keinen Wert, da der Bau und der Platz schon bedeutend über ­ lastet ist. Viele gute und ehr ­ liche Handwerker sind schon hieran zugrunde gegangen. Neben der Vertrauensselig ­ keit, Gesetzesunkunde und dem Geldmangel der Unter ­ nehmer ist die Bauplatz ­ spekulation der Grund vieler Schädigungen. Daher sind die Konkurse im Spekulations ­ bauwesen die Regel und Be ­ zahlungen die Ausnahme, ganz entgegengesetzt den V or- gängen im Kaufmannsstande. Das Grund- und Hypotheken ­ recht ist für die ungesunde Spekulation im Bauwesen günstig. „Dem Besitzer des Grund und Bodens gehört alles.“ Jeder Bauteil wird Eigentum des Bauplatz ­ besitzers, aber hinter dem Besitzer steht der Hypotheken ­ gläubiger des Grund und Bodens. Dieser Dritte hat das Pfandrecht, und es kommen die Forderungen der Hand ­ werker erst dann zur Auszahlung, wenn der Hypotheken ­ gläubiger befriedigt ist. Bei einem Konkurs im Kauf ­ mannsstande bekommen dagegen alle Gläubiger gleiche Anteile. Die Reichsregierung will nun in dankenswerter Weise diesen Widersinn beseitigen. Es sollen den Er ­ schaffern der Bauwerte auch Werte am Bauwerk ein ­ geräumt werden, und die Grundstücksgläubiger sollen nur Rechte am Werte des Grundstücks haben. Dem Bauvermerk sollen bezüglich der Unternehmerforde ­ rungen nur Hypotheken in Höhe des Grundstückswertes vorangehen. Es ist das Grundstück daher stets abzu ­ schätzen, wodurch vielleicht für die Ausführung etwas Zeitverlust entsteht, der aber durch die Vorteile bei weitem ausgeglichen wird. Das Baugewerbe braucht trotz gegnerischer Behauptung staatlichen Schutz, weil es zwangsweise auf einen falschen Weg gedrängt ist. Das Sicherungsgesetz ist auch kein absoluter Schutz, sondern man muß auch fernerhin vorsichtig sein, damit man nicht alles Geld in Sicherheitshypotheken anlegt. Der Vorwurf der Gegner, man solle mit dem Auftrag ­ geber vorsichtiger sein, ist für das Baugewerbe ganz un ­ berechtigt, denn gerade durch diese große Vorsicht ist letzteres vom Wohnhaushau ganz abgedrängt. Leider überwiegen die kreditunwürdigen Ele ­ mente, so daß von 100 Bauten etwa 99 auf sogenannte Bauunternehmer kommen. Nur unsolide Unternehmer können die großen Bodenpreise bezahlen, weil sie sie überhaupt nicht bezahlen. Wenn der Wohnhausbau wieder von den Bauwerkmeistern übernommen werden kann, werden keine so hohen Hypotheken mehr gefordert werden, auch die Zinsfüße werden sinken. Das ist wohl der Grund, weshalb die Baugeld ­ banken Gegner des Gesetzes sind. Zu wünschen ist, daß sich auch das Privat ­ kapital wieder kräftig am Wohnungs ­ bau beteiligt. Die Baumakler sind ebenfalls Gegner des Gesetzentwurfes, doch können ihre Bedenken nicht als begründet angesehen werden. Die vor ­ geschlagene Resolution lautet: „Der 21. Delegiertentag u. s. w. be ­ grüßt den Gesetzentwurf zur Sicherung der Bauforderungen als wertvolles