310 BAUZEITUNG Nr. 39 Saalbau Mülhausen i. B. kannte Sache, daß dreistöckige Bauweise bei den in Stuttgart ortsüblichen Bauverhältnissen nur dann rentabel ist, wenn große Wohnungen eingebaut werden; wenn aber billige, bescheidene Wohnungen gebaut werden sollen, dann muß der — in unserm bergigen Gelände ganz erhebliche Kosten verursachende — Unterbau durch mindestens vier Stockwerke ausgenutzt werden. Eine natürliche Folge davon wird sein, daß der Wert der Bauplätze sinkt, die Bautätigkeit infolge Unrentabilität abnimmt und die Miete, insbesondere bei kleinen Woh ­ nungen, sich bedeutend steigern wird, welch letzteres durch die enorme Steigerung der Baumaterialien und Arbeitslöhne der letzten fünfzehn Jahre ohnehin hereinzubrechen droht. Außerdem hat die Beschrän ­ kung der Stockwerkszahl auf den allgemeinen Steuer ­ beutel insofern einen Einfluß, als die Neuanlage und somit auch die Unterhaltung der Straßen ausgedehnt werden muß. Daß aber dadurch eine Wirkung durch diese Neu ­ fassung des § 27 hervorgerufen wäre, die von weittragen ­ der Bedeutung ist und neue Wirkungen folgerichtig ge ­ bären müßte, bedarf einer Erörterung nicht. Sucht man im Amtsblatt nach Gründen, die diese Aenderung ver- anlasssen, so findet man folgendes: „. . . die Aenderung enthebe der Notwendigkeit, immer wieder besondere Be ­ stimmungen in dieser Richtung zu treffen. Außerdem sei eine Klarheit in der Richtung erwünscht, was für ein Unterschied bestehe zwischen Gebäuden mit 2, 3 und 4 und solchen mit 2 1 / 2 , 3^2 und 4'/ 2 Stockwerken. ... Im weiteren habe sich eine andre Anordnung des ganzen Paragraphen im Interesse der Uebersichtlichkeit, Ver ­ ständlichkeit und Folgerichtigkeit nahegelegt.“ Das sind die Gründe, die das Amtsblatt anführt: kleine Ursachen, große Wirkungen —!? Wohl darf zugegeben werden, daß in bezug auf Licht- und Luftverhältnisse unsre Bauvorschriften etwas zu wünschen übriglassen. Hier kann aber nicht durch Be ­ schränkung der Stockwerkszahl, sondern durch Schaffung größerer Lichtquellen abgeholfen werden, und die Ab ­ änderung des § 47, betreffend die Baudichtigkeit, wäre in der Art gerechtfertigt, daß Abstände zwischen Vorder- und Hinterhäusern statt 6 m mindestens 8 m betragen müssen. Vergleicht man nun die Ursachen der Aenderung des §27 mit den Wirkungen und zieht man unsre zurzeit bestehenden außerordentlich teuren Existenzverhältnisse in Betracht, so ist es eine humane Pflicht, gegen die seitens der Stadtgemeinde Stuttgart im Eiltempo vor ­ geschlagene Neufassung des § 27 des Ortsbaustatuts Front zu machen. Dem Kgl. Ministerium aber wäre zu raten, derartige einschneidende Aenderungen prinzipiell ahzu- weisen und die Beratungen und Beschlüsse im Landtag über die neue Bauordnung abzuwarten, welche ein objek ­ tives Bild unsrer Bauverhältnisse in Württemberg zeitigen dürften. Architekt Albert Schieber, Stuttgart Wettbewerb Saalbau Mülhausen i. Eis. (Schluß) Mit heutiger Nummer schließen wir die Reihe der Konkurrenzentwürfe des interessanten Wettbewerbs. Ueber den Entwurf mit dem Kennwort: „Parkstimmung“, Ver ­ fasser Architekt Ohr. Städler-Tübingen, urteilte das Preis ­ gericht wie folgt; Der Entwurf zeigt ein anerkennens ­ wertes Streben nach eigenartigen Lösungen und eine ansprechende Architektur, die mit bescheidenen Mitteln auskommt. Im Grundriß sind die Garderoben zu be ­ schränkt, das Podium ist zu schmal; der Haupteingang liegt an der Modenheim erstraße nicht besonders zweck ­ mäßig. Sehr hübsch ist die Verbindung des Hauses mit dem Garten gelöst. Den prämiierten Entwürfen lassen wir ein weiteres Projekt folgen von Architekt Albert Schieber-Stuttgart. Auch hier liegen der Hauptsaal längs der Modenheimer- straße, die Gesellschaftssäle mit darunterliegendem Restau ­ rant an dem Salvatorplatz. Eigenartig an der Gesamt ­ disposition ist die Lage des Orchesters auf der Seite des Haupteingangs, über welchem die Stimm- und Solisten ­ zimmer liegen. Durch diese Anordnung ist der An ­ forderung des Programms, daß Stimmzimmer und Gesell ­ schaftsräume von einem gemeinsamen Treppenhaus zugäng ­ lich sein sollen, entsprochen. Die Fassaden sind schlicht mit großem Motiv des Hauptsaals am Salvatorplatz.