310 BAUZEITÜNG Nr. 40 Gymnasium in Worms Seitengang mit Kleiderablage hilfe von Behörden aufgebracht. Wenn nun das erstrebens ­ werte Ziel noch nicht annähernd erreicht ist, so ist zu bedenken, daß 53 °/ 0 der Unfälle auf die Kreise der Bau ­ arbeiter durch Außerachtlassen oder direktes Zuwider ­ handeln gegen die Vorschriften zurückzuführen sind. Weitere 20% hätten sich durch geeignete Mitwirkung der Arheiterwelt verhindern lassen. Nur 27 % der Un ­ fälle kommen auf die unausweichlichen Gefahren des Be ­ triebs oder auf Verschulden der Unternehmer. Die Hinzu ­ ziehung sogenannter Arbeiterkontrolleure kann hieran nichts ändern. Ein Sachverständiger für Bauaufsicht muß vollständig für dieses Fach geschult sein, wenn er genügen soll. Er muß sich ein Urteil bilden können über alle Vorgänge im Bau, über alle Hilfsmaschinen, Gerüste, Wider lagerstärken, Verankerungen u. s. w. Ferner muß er alle Konstruktionsteile, als Holz-, Stein-, Eisen- und Eisenbetonkonstruktionen, kennen. Es ist auch zu erwarten, daß Arbeiterkontrolleure keine Anzeige über Verstöße der Arbeiter bringen, da sie sonst nicht wiedergewählt werden. Es wird mit ­ geteilt, daß in Stuttgart seit drei Jahren Arbeiterbau ­ kontrolleure beschäftigt werden, die unter Leitung der Bezirksbaumeister stehen und daher etwas gebunden sind. Ein Arbeiterbaukontrolleur hat sich sogar bei einem Werk ­ meister beschwert, daß ihm die Arbeiter Ehre und alles abschneiden. Eine Abnahme der Unfälle, wie die Sozial ­ demokraten meinen, ist seit der Tätigkeit der Arbeiter ­ baukontrolleure nicht eingetreten. Das gleiche wird von der nunmehr sechsjährigen Tätigkeit der Arbeiterbaukontrolleure in München be ­ richtet. Die Erörterung schloß mit der An ­ nahme folgender Resolution: „Der 21. Delegiertentag u. s. w. protestiert gegen die aus parteipolitischen Rücksichten entstandenen Forderungen der 11. Reichstags ­ kommission und ersucht den geschäftsführen ­ den Ausschuß, diesen Protest nach entsprechen ­ der Begründung allen Körperschaften und Behörden zur Kenntnis zu bringen.“ Baumeister Höffner-Dresden berichtet sodann über den Punkt: Baugewerkschulen. Es soll darauf gedrungen werden, daß die Lehrlinge die drei Sommer der Lehrzeit aus ­ schließlich praktisch arbeiten und nur im Winter zur Bauschule gehen. Man plant auch für die preußischen Bauschulen einen fünften Kurs, welche Idee sehr unterstützt wird. Ob das Abgangszeugnis zumEinjährig-Freiwilligen- dienst berechtigen wird, ist noch sehr fraglich, da Minister Delbrück befürchtet, daß hierzu mehr humanistische Bildung nötig sei, als in den wenigen Bauschulsemestern gegeben wer ­ den kann. Ein baldiger Versuch des fünften Kurses ist in Aussicht gestellt. Einige Bau ­ schulen, welche um die Verbandsrechte ein ­ gekommen waren, wurden von einer Schul ­ kommission besichtigt. Der Schule Glauchau i. S. mußten die Verbandsrechte noch versagt wer ­ den, bis sie die gleichen Ziele der königlichen Schulen erreicht. Die Kaiserlich technische Schule in Straß ­ burg erhält die Verbandsrechte. Ueber die Schule in Roda in Sachsen-Altenburg sind mancherlei Klagen eingelaufen. Die Schule ist Privatanstalt mit sehr geringer Unterstützung des Staates und der Stadt. Doch hat der Staat kein Interesse an der Anstalt, wie der Vertreter der Altenburger Regierung bemerkt, da die Schüler die umliegenden preußischen und sächsischen Schulen besuchen könnten. „Immerhin sei es ja für Altenburg gut, daß eine Schule da sei, sonst machten sich dieLeute dort ohne Schulbesuch selbständig.“ Falls in Roda in bestimmter Zeit keine Abhilfe geschaffen wird, sollen ihr die Verbandsrechte entzogen werden. Ein Antrag, im nächsten Jahr gelegentlich des Delegiertentages eine Ausstellung von Arbeiten aller Bauschulen zu veranstalten, wird angenommen. Es folgt eine Besprechung über zu treffende Bestim ­ mungen, welche dem Lehrling die Teilnahme an Streik ­ versammlungen und ähnlichen Veranstaltungen verbieten. Maurer- und Zimmermeister Dorn- Lankwitz - Steglitz führte aus, daß eine Umfrage betreffend dieses Punktes be ­ reits geschehen sei. Es ergab sieb, daß in einigen Städten schon ein diesbezügliches Gesetz erlassen ist, und es wurden nur wenig ablehnende Stimmen laut. Der Be ­ such von Streikversammlungen ist für die Lehrlinge straf ­ bar, der Vater bezw. Vormund des Lehrlings soll eine festgesetzte Strafe zahlen. Ein Vorschlag über Straf ­ bestimmungen soll ausgearbeitet und den einzelnen Ver ­ bänden zur Beschlußfassung überwiesen werden. Maurermeister Hirschberg-Neuruppin befürwortete nachfolgenden Antrag, der auch von der Versammlung angenommen wurde: „Die Delegiertenversammlung wolle den geschäftsführenden Ausschuß beauftragen, den Erlaß einer Verordnung herbeizuführen, welche es den Standes ­ ämtern sowie denjenigen Behörden, welchen die Aus ­ fertigung der Quittungskarten für die Invaliden- und