6. Oktober 1906 BAUZEITUNG 321 Gymnasium in Worms Turnhalle, Inneres Altersversicherung obliegt, zur Pflicht macht, von den Antragstellern einen Ausweis zu verlangen und zu prüfen, ob sie zur Führung des Gesellen- bezw. Meister ­ titels berechtigt sind.“ Architekt Gestrich-Berlin hatte das Referat zu Punktl2 der Tagesordnung; Submissionswesen, über ­ nommen. In Hessen sind schon mustergültige Bestim ­ mungen für das Yerdingungswesen vorhanden, die von Preußen leider nicht ganz, sondern nur zum Teil über ­ nommen sind. Bedauerlich ist es, daß die Architekten zum Teil die Annahme der Streikklausel ablehnen. Es wird beschlossen, sich weiter mit der Sache zu beschäf ­ tigen, es soll jeder einzelne dem Yeranschlagungs- und Preisentwicklungswesen seine Aufmerk ­ samkeit schenken. Zimmermeister Herzog- Danzig trat sodann für seinen Antrag; bei Staats ­ und Kommunalbehörden immer wieder von neuem dahin zu wirken, daß die Streikklausel in die Verträge bei Bauarbeiten und Lieferungen aufgenom ­ men wird, ein. Nach Ansicht des Red ­ ners gibt der § 275 des Bürgerlichen Gesetzbuches Gelegenheit zur Einfüh ­ rung der Streikklausel. Es ist ein Rechtsverhältnis zu schaffen, welches dem § 275 anzupassen ist. Der Arbeitgeber kann sich sein Arbeiterkontingent zum Teil sicherstellen durch Arbeits- und Lohnbedingungen. Die Arbeitgeber müssen sich hierzu unbedingt zusammentun und eine Sicherung für ein Baujahr oder dergl. im Lohn und Arbeitszeit ermöglichen. Bricht dann trotzdem ein Streik aus, so liegt nach der Rechtskunde „höhere Ge ­ walt“ vor. Es wurde schließlich der Beschluß gefaßt, daß dem geschäftsführenden Ausschuß bis zum Schlüsse dieses Jahres von den Bezirksverbänden und Einzelmit ­ gliedern der Wortlaut der bestehenden oder eingeführten Streik- und Sperrklauseln einzusenden ist. Es soll hier ­ durch Material zur weiteren obligatorischen Einführung der Streik- und Sperrklausel bei allen Behörden und Architekten, Vereinen sowie dem bauenden Publikum zusammengetragen werden. Zimmermeister Herzog brachte für seinen Antrag folgende Fassungen in Vorschlag; 1. Tritt in dem Betriebe des Unternehmers nach Abschluß des Vertrages ein Arbeitsausstand aller oder einer erheblichen Zahl der Arbeitnehmer ein, so ver ­ längert sich die im Werkverträge bedungene Erfüllungs ­ frist um die Dauer jenes Ausstandes, wenn seitens des Unternehmers für seinen Betrieb allein oder in Gemein ­ schaft mit andern Inhabern gleichartiger Betriebe mit den Betriebsarbeitern oder deren Vertretern vor Abschluß des Vertrages Lohn- und Arbeitsbedingungen in orts ­ üblicher Gestalt oder durch besonderes Abkommen fest ­ gelegt sind. Ein Anspruch auf Schad ­ loshaltung des Bauherrn steht demselben in diesem Falle nicht zu. 2. Dasselbe gilt, wenn der Fortbestand vorhandener oder die Schaffung neuer Lohn- und Arbeitsbedingungen durch solche For ­ derungen der Arbeitnehmer vereitelt werden, welche zur Lage des jeweiligen Arbeitsmarktes oder zu den ortsüblichen Betriebsverhältnissen in wesentlichem Mißverhältnis stehen. 3. Eine eben ­ solche Fristverlängerung tritt ein, wenn zur Abwehr von Umtrieben der Arbeitnehmer, welche den regelrechten Betrieb nicht aufkommen lassen, der Betrieb ganz oder zum erheblichen Teile eingestellt werden muß. 4. Streitigkeiten, welche sich aus Anlaß der vorstehend gekennzeichneten Ereignisse zwischen dem Bauherrn und dem Unternehmer hinsichtlich der Anwendung des § 275 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ent ­ wickeln, sollen unter Ausschluß des ordentlichen Rechts ­ weges auf dem Wege des schiedsgerichtlichen Verfahrens erledigt werden. Der Nachmittag des letzten Tages brachte noch einen stürmischen Auftritt, der gleichzeitig einen guten Begriff von dem Geiste gab, der den Verein beseelt. Zimmer ­ meister Erdmann -Gotha berichtete namens der Gothaer Turnhalle Grundriß