15. Dezember 1906 BAUZEITUNG 401 bei gelenklosen Brücken in Frage kommenden ge ­ fährlichen Einflüsse sind schon besprochen. Bei Gelenkbrücken anderseits haben wir es wiederum mit zwei in statischer Beziehung grundverschiedenen Aus ­ bildungen zu tun, je nachdem die Gelenke nach dem Ausschalen geschlossen werden oder dauernd in Wirksam ­ keit bleiben. Es ist ohne weiteres klar, daß bei der erstgenannten Ausführungsart die beim elastischen Bogen geäußerten Bedenken zum Teil bestehen bleiben und der erzielte Vorteil, Schutz der Gelenke gegen Witterungseinflüsse, mit Erhöhung des Sicherheitskoeffizienten, also größerer Gewölbstärke, erkauft werden muß. Die Berechnung derartiger Konstruktionen, deren hervorragendstes Bei ­ spiel die 70 m weite, 10 m hohe Addabrücke bei Morbegno Seitenkräfte durch geeignete Ausbildung der Gelenke auf ­ zunehmen, zum Beispiel bei Bolzengelenken durch ent ­ sprechend ausgebildete Bunde an den Bolzen oder besser noch gegen die Mitte zu verdickte Gestaltung der Bolzen. Zwischen Gelenkstuhl und Gewölbemauerwerk werden diese Scherkräfte einfach durch entsprechende Form ­ gebung der Stühle aufgenommen. Statische Bestimmt ­ heit wird so völlig erreicht. Die Ausbildung der Gelenke selbst geschieht in Stein, Beton oder Eisen. Bei kleinen Bauten genügen Blei ­ platten von etwa 2 cm Stärke in der Breite von 1 / 3 der Wölbstärke in den Kämpfer- und Scheitelfugen. Koch verwandte bei der 1887 erbauten, 29 m weiten Beton ­ brücke bei Erbach Asphaltplatteu in der ganzen Breite der Fugen. Eisenbahnbruthe ^Dresden dUs/adf. Kampfer - 6e/enhfv. Müpho.) p—: Qs/oe i z .zn. öandsfsin. P- 1 ? 6 V—" Spann otede ■ ze>oc m. Alurrbrache bet Marbach. Scheife/ - be/onh. //ahebrücAe Kreuznach. Kampfer - Oe/enh. Sp ■ i-room Pf- Zoom Bahnbrücke über öchedelqelenh. Jller. Kampferge/enA. ■ '■ r 3loiam/oqe Be/on ße/on _ Qe/on brache über d/'e Oo//er bei Surzwoller. Qahnbrücfe ober die c/f/(?r. Kampfer u Schede/- Oe/enA. Schede/ (ye/onA. IVa/fsfrafsen brache O/m. Schede/ öe/enh. ist, hat für Eigengewicht als Dreigelenkbogen, für Ver ­ kehrslast als eingespanntes Gewölbe zu erfolgen. Man muß sich aber dabei klar sein, daß der Schluß der Ge ­ lenke statisch ganz unbestimmbare Verhältnisse schafft. Jedenfalls aber ist es durchaus ungerechtfertigt, in solchen Fällen dem Gewölbe die für den Dreigelenkbogen er ­ forderliche, an der Bruchfuge verdickte Form zu geben, welche nur durch die bei tatsächlicher Wirkung der Gelenke unter der Verkehrslast ein tretenden Ausschläge der Drucklinien bedingt ist, wie dies in Munderkingen geschehen ist. Die Ausführung mit dauernd offenen Gelenken, welche alle Unklarheiten bezüglich der Beanspruchung vermeidet, ist entschieden vorzuziehen und wird nach dem Vorgang der Inzigkofer Brücke bei großen Flachgewölben jetzt meist angewandt. Schiefe Gelenk brücken führen bei der bis jetzt allein gebräuchlichen staffelförmigen Anordnung, wie zum Bei ­ spiel in Munderkingen, zu statisch kaum zugänglichen Systemen. Die hierbei eintretende gegenseitige Lage der Gelenkachsen läßt eine Drehung nicht zu. Regierungs- bauführer Leibbrand schlägt deshalb vor, wie bei ge ­ wöhnlichen Brücken sämtliche Gelenkachsen in eine Gerade parallel den Kämpferlinien zu verlegen und die bei dieser Anordnung in Richtung der Gelenkachsen auftretenden Die Steingelenke bestehen aus hohl und erhaben ge ­ krümmten Quadern, deren Halbmesser einen der Druck ­ festigkeit des Materials angepaßten Größenunterschied aufweisen. Wegen der Unmöglichkeit völlig genauer Arbeit beim Behauen und Versetzen tritt bei großem Druck jedoch keine genaue Festlegung der Drucklinie mehr ein. Eiserne Gelenke wurden erstmals in Munderkingen eingelegt. Flußeiserne Stühle tragen dort in den Be ­ rührungsflächen verschieden gekrümmte Stahlplatten, die bei Bewegungen des Gewölbes sich aufeinander wälzen. Die ersten dauernd offenen gußeisernen Gelenke in Inzig- kofen sind den bei eisernen Brücken üblichen Zapfenlagern nachgebildet. Von den vielen verschiedenen Anordnungen sind bei den neuesten Brücken gußstählerne Walzgelenke mit oder ohne besonderen Stuhl am meisten verwandt. Sie kommen der Forderung völliger Reibungslosigkeit am nächsten. Zur Aufnahme der Querkräfte genügt die Ein ­ lage kleiner Zäpfchen völlig. Aber auch die Bolzen ­ gelenke drehen sich leicht, wie die Versuche von Föppl gezeigt haben. Die Ansicht, die Einlage von Gelenken sei wegen der hohen auftretenden Reibung zwecklos, ent ­ behrt also der Begründung. Die genannten Unter ­ suchungen haben gezeigt, daß bei Probegelenken mit geschmierten Zapfen bei einer sechsfachen Zunahme der