FÜR WÜRTTEMBERG BADEN HESSEN ELr SASS-LOTHRINGEN IV. Jahrgang (ssqsggggyczg, Inhalt: Backsteinhau und Denkmalpflege. — Neues über den Hausschwamm. — Zur Platzfrage des Kgl. Hoftheaterneubaus in Stuttgart. — Wohnhaus für einen Lehrer zu Gernsheim a. Rh. — Vereins- raitteilungen. — Wettbewerbe. — Kleine Mitteilungen. — Personalien. — Bücher, — -HWLigrmisi. ■ ■ (Schluß) Backsteinen und Denkmalpflege Von Prof. Otto Stiehl-Berlin. Am Backstein an sich liegt es also wahrlich nicht, sondern an seiner Behandlung, und in dieser verketten sich zweierlei Umstände, um heutzutage zu unerfreulichen Ergebnissen zu führen. Der eine ist die schon berührte Möglichkeit, die technisch ganz vortrefflichen, sehr reinen Bergtone, die von der Handverarbeitung alter Zeit aus ­ geschlossen waren, mit der Maschine zu verarbeiten. Ein erster Nachteil ist dabei die Glätte des Erzeugnisses. Aber ohne den künstlerischen Wert der rauhen Ober ­ fläche gering zu schätzen, muß man doch sagen, es ist ein Nachteil, der sich nur in nächster Nähe des Bau ­ werks dem Auge bemerkbar macht. Für die Fernwirkung, also gerade für die Einordnung in die Umgebung, kommt er kaum in Betracht. Viel verderblicher ist die Schärfe der roten und gelben Farbentöne, die sich aus der un ­ gemischten Verarbeitung der reinen Bergtone ergibt. Sie trägt vor allem die Schuld, daß moderne Verblendstein ­ bauten aus ihrer farbig zarter gestimmten Umgebung geradezu „herausknallen“ und jede Harmonie vernichten. Sie wird noch verschlimmert dadurch, daß man durch sorgsamste Durcharbeitung der Masse, durch peinliche Regelung des Brandes und schließlich noch nach dem Brande durch sorgsamstes Aussuchen mit großen Kosten eine möglichst genaue Gleichfarbigkeit erstrebt und damit auf künstlerische Belebung der harten Farbenflächen ganz verzichtet. Wird dann noch an Stelle der frischen weißen Mörtelfuge ein dunkler Fugenverstrich gewählt, so ist aber an Stelle eines natürlich belebten schönen und warmgetönten Baustoffes ein greller und vordringlicher Farbenfleck entstanden. Dabei lassen sich mildere Farben ­ töne durch Mischen und geringe Zuschläge leicht er ­ reichen, ebenso wäre ein größerer Wechsel in der Färbung unschwer durch andre Führung des Brandes zu erzielen, und das kostspielige Aussuchen könnte fast ganz fort ­ fallen. So würde das ganze Verfahren einfacher und natürlicher an Stelle der jetzigen Künstelei. Aber trotz- ,dem sind solche Verbesserungen bisher nicht durchzu ­ setzen. Ziegeleibesitzer, Ziegelmeister und leider auch das verehrte bauende Publikum sind auf die Gleichmäßig ­ keit der Farbe so fest und gewohnheitsmäßig eingefahren, daß diese trotz aller Rückschläge die Grundlage für die heutige Ziegelindustrie bildet. In dieser Beziehung ist eben die Herstellungsweise und auch der Geschmack der meisten Abnehmer weit zurückgeblieben hinter der sonstigen Entwicklung der künstlerischen Anschauungen. Und weil es sich unter dem Einfluß dieser Vgrhält- Rechte Vorbehalten nisse auch bei den AbnefoajM^Hw^Steines, den Bau ­ herren, vielfach um Kreise näriHelt, die den neueren Wandlungen des Geschmacks nicht gefolgt sind, so ver ­ bindet sich als zweite Ursache der Unerfreulichkeit mit den kunstwidrigen Eigenschaften der neuen Verblendsteine ein ähnliches Zurückbleiben in bezug auf die Formgebung. Das überall sonst im Anschluß an die Vornehmheit älterer Baukunst merkliche Streben nach Zurückhaltung und weiser Verteilung der Formen ist hier meistens nicht bekannt. Unterstützt durch eine ganz schlimme Literatur von Vor ­ bildwerken hat sich im landläufigen Verblend steinbau noch in hohem Grade die Vorliebe für protzenhafte Formüber ­ ladung und für unwahre, scheinbar malerische Gruppie ­ rungen erhalten, und sie wirken bei der Wucht des Aus ­ drucks, die dem Ziegelbau eigen ist, doppelt unzeitgemäß und störend. Aber nicht ohne Grund erschallen die lautesten Klagen über störende Wirkungen des Back ­ steinbaues aus Süd- und Westdeutschland. Dort kennt man mangels guter Vorbilder und Anregungen eigentlich nur die schlimmsten Ausartungen des Backsteinbaues: die gefühllose Roheit einer Formengebung, die nur den Ab ­ hub darstellt von dem, was in den achtziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts von führenden Architekten ge ­ schaffen wurde, dazu die widerliche Zusammenstellung roter und gelber Steine in Streifen oder in einer Art ver- blaßt-antikisierenden Rahmenwerks, und die böse Manier, Wandflächen zwischen Werkstein oder Putzarchitekturen mit roten oder lederfarbenen Verblendern glatt zu tape ­ zieren. Von der fesselnden, feinsinnigen Art, mit der man im Mittelalter durch gelegentliche Einfügung von Putz ­ flächen, damals und in der Renaissancezeit durch feine Sandsteinbänder die Farbe des Baustoffes noch besonders zu beleben wußte, sieht man dort kaum einmal eine Ein ­ wirkung. All diese störenden Wirkungen sind, es sei nochmals ausgesprochen, nicht notwendig mit dem Backsteinbau verbunden. Ihn ihrethalben grundsätzlich ausschließen und für minderwertig erklären zu wollen, ist ungerecht und grundlos. Denn Abhilfe für sie ist bei gutem Willen ohne große Schwierigkeit zu schaffen. Sie könnte freilich nicht wohl in einem einfachen Rückgriff auf das gefunden werden, was sich bei Wiederherstellungsbauten bewährt hat. Denn Handstrichsteine sind in großen Massen in den verfügbaren kurzen Fristen meist gar nicht zu be ­ schaffen. Nach dem vorhin Gesagten muß auch als dringendstes Anliegen der Ersatz der grellen und gleich ­