4 BAUZBITUNG Nr. 1 flachem Bogen vor. Im übrigen ist die Architektur (Ziegelbau in niederdeutschem Charakter) einfach und ohne Luxus. Eine notwendige Ergänzung der Wett ­ bewerb sbestiinmnngen Sehr viele unsrer Wettbewerbe hinterlassen infolge der Beurteilung der Projekte bei den Bewerbern eine Mißstimmung. Die einen haben ihre Arbeit nach dem Gesichtspunkt gemacht: die Arbeit muß das Programm absolut erfüllen und darf die vorgeschriebene Summe nicht überschreiten; die andern legten ihrer Arbeit den Gedanken zugrunde: es läßt sich bei einem kleinen Ab ­ Arbeit nicht entsprechen. Derjenige, welcher sich über ausdrückliche Bestimmungen des Programms hinwegsetzt, wagt viel mehr als ein andrer Bewerber. Ist nun seine Arbeit den andern weit überlegen und die Kostendifferenz keine verhältnismäßig zu große, so ist eine Auszeichnung durch einen Preis wohl angemessen. Die Wettbewerbe sollten doch in erster Linie eigenartige Lösungen von bleibendem Wert bieten, andernfalls wäre das ganze Ver ­ fahren überflüssig. Wie oft kommt der Fall vor, daß es in dem Programm heißt, die Bausumme darf eine gewisse Höhe nicht übersteigen. Es ist aber manchmal geradezu unmöglich, zu dem angesetzten Preis ein annehmbares Projekt zu liefern, das zur Ausführung empfohlen werden kann. Immerhin können Arbeiten einlaufen, die äußerst zusammengedrängt in einem riesigen, kastenförmigen Auf ­ Wettbewerb Ministerial- und Landtagsgebäude in Oldenburg Mittelbau Ein Preis M. 6000. Verfasser Prof. P. Bonatz und Architekt F. E. Scholer-Stuttgart weichen vom Programm wesentlich Besseres erreichen und darf dabei eine etwaige, nicht zu große üeher- schreitung der Bausumme keine ausschlaggebende Rolle führen. Welche Partei hat recht? Für einen Preis ­ richter mag diese Frage oft schwer zu entscheiden sein. Ein oft vorkommender Fall sei erwähnt: Infolge eines Ausschreibens, welches die Ausnutzung eines Bauplatzes bestimmt vorschrieb, lief eine Anzahl Arbeiten ein, welche diese Bestimmung alle einhielten. Nur ein Ver ­ fasser wagte es, seine Ansicht, daß durch eine andre Platzbebauung etwas viel Günstigeres zu erreichen sei, in einem vorzüglichen Projekt zum Ausdruck zu bringen. Auf Grund des Ausschreibens mußte diese Arbeit von der Prämiierung ausgeschlossen werden, trotzdem die Preisrichter erklärten, daß sie weitaus die beste sei. Diese Methode des Ausschlusses vom Preis erscheint mir nicht die richtige. Man sagt wohl, solche Arbeiten seien durch Ankauf auszuzeichnen, doch dürfte die hierfür aus ­ gesetzte, meist niedere Summe dem Werte einer solchen bau alle verlangten Räume enthalten und damit das Pro ­ gramm erfüllen. Bekommt nun eine solche Arbeit keinen Preis, so wird der Urheber sehr enttäuscht über das Preisgericht sein, das sich nicht an die gedruckten Bestimmungen hielt, an die er sich auch krampfhaft klammerte. Wird von der Prämiierung einer ästhetisch richtigen, aber teilweise vom Programm abweichenden Lösung Abstand genommen, so ist dies zu bedauern und der wirkliche Erfolg des Wettbewerbs in Frage gestellt. Die Klagen über diese Dinge treten so oft auf, daß im Interesse einer gesunden Weiterentwicklung des Wett ­ bewerbswesens Abhilfe geschaffen werden muß. Die be ­ treffenden Ausschreibungsunterlagen müßten eine aus ­ drückliche Erklärung erhalten, ob nur das dem Programm am meisten entsprechende Projekt — die Verfasser des Programms können vorher auch nicht alle Ausführungs ­ möglichkeiten übersehen — oder ob die für den be ­ treffenden Fall absolut beste Lösung ohne engste An ­ lehnung an das Programm mit dem Preise auszuzeichnen