6 BAUZEITÜNG Nr. 1 Aus Markgröningen Eeiseaufnahme von stud. aroh. Karl Bellmann eisernen Stäbe wie ein endloses, glitzerndes Spinnennetz erscheinen läßt. Leichter bilden sich großartige Eindrücke, wo das Eiesenmaß der Ingenieurbauten schon in der Rohform eine gewisse Monumentalität mit sich bringt, zumal in den großen Hallen der Fabriken, die freilich nur wenigen bekannt werden, und vor allem in den Hallen der Bahn ­ höfe. Wundervoll der Friedrichstraßenbahnhof, wenn man auf dem Außenperron über der Spree steht, wo man von der „Architektur“ nichts sieht, sondern nur die Riesenfläche der Glasschürze *) vor Augen hat, und den Kontrast zu dem kleinlichen Gewirr der Häuser ringsum. Besonders schön, wenn die Dämmerung die zerrissene konfuse Umgehung durch Schatten einheitlich verschmilzt und dann die vielen kleinen Scheiben das Abendrot zu spiegeln beginnen, die ganze Fläche buntes, schimmerndes Leben wird, weithin überspannend den niedrigen, dunkeln, nächtigen Spalt, aus dem die breiten Körper der Loko ­ motiven drohend sich vorschieben. Und dann welche Steigerung, wenn man in die dunkelnde Halle hinein ­ geht, die noch angefüllt ist mit unsicherem Tageslicht: die riesige, langsam sich biegende Form unbestimmt in dem trüben Dunst, ein Meer von grauen, leise farbigen Tönen, von der Helle des aufsteigenden Dampfes bis zu dem schweren Dunkel der Dachhaut und dem vollen Schwarz der von Osten einfahrenden, brüllenden Loko ­ motiven; über ihnen aber scheint leuchtend in der trüben Fläche der Glasschürze wie ein ragender, roter, schimmern ­ der Berg, irgendein Hausgiebel, den die Abendsonne zu grellem Feuer entflammt. *) Bin sehr hübsch gebildeter Ausdruck der Ingenieure, um die frei quer über die Gleise hängende Abschlußwand einer Bahn ­ hofshalle zu bezeichnen. Yereinsmitteilungen Württ. Baubeamten-Verein. Einladung des Aus ­ schusses zu einer Sitzung am Erscheinungsfest, den 6. Januar 1909, vormittags zehn Uhr, im Yereinslokal, Gesellschaftsbaus der „Bauhütte“, Büchsenstraße 53 in Stuttgart. Um 12*/ 2 Uhr findet ein gemeinschaftliches Mittagessen statt, dem sich die Besichtigung einiger Neu ­ bauten anschließt, wozu auch die übrigen Vereinsmit- glieder und Freunde des Vereins herzlich eingeladen sind. Der Gesellige Liederkranz der Kgl. Bangewerkschule ladet unsre sämtlichen Mitglieder mit ihren Angehörigen zu seiner am Samstag, den 9. Januar 1909, von abends sieben Uhr ab in der Liederhalle stattfindenden Weih ­ nachtsfeier mit nachfolgendem Balle ein. Der nächste Gesellschaftsabend findet Dienstag, den 6. Januar d. J., im Yereinslokal, Büchsenstraße 53 in Stuttgart, statt, und lade ich hierzu die verehrlichen Yereinsmitglieder und Freunde des Vereins herzlich ein. Als Mitglieder haben sich angemeldet; Paul Wal ­ heim, Bauwerkmeister, Sigmaringen, und Julius Schlaier, Bauwerkmeister, Sigmaringen. Allen Mitgliedern sendet die besten Wünsche zum Neuen Jahr Der Vorstand. Akad. Architekten-Verein „Motiv“, Stuttgart. Am 17. Dezember v. J. hielt der Verein seine diesjährige Weihnachtsfeier ab, die im engen Kreise zahlreicher alter und junger Motivbrüder einen gelungenen Verlauf nahm. Unter einem witzigen Architektenchristbaum fand die Gabenverlosung statt. Der Kassier des A.-H.-Ver ­ bands hatte für die Preisträger der A.-H.-Konkurrenz die Preise in barer Münze mitgebracht, und die Aktivitas wetteiferte mit einer Zahl Alter Herren in der Darbietung trefflicher Mimiken und Vorträge. E. Wettbewerbe Kunst-Plastik-Gesellschaft in Frankfurt a. M. Wir haben bereits auf das Preisausschreiben dieser Gesellschaft in Nr. 51 des Jahrgangs 1908 kurz hin ­ gewiesen. Es handelt sich um die Gewinnung von Ent ­ würfen für eine neue Erfindung „Preßputz“. Der Putz soll ein ornamentales Flächenmuster erhalten, welches mit Gummistempeln von 50 cm Breite auf die Putzfläche aufgedrückt wird. Der Reliefcharakter des Musters muß scharf zum Ausdruck kommen. Die üeberragung des Musters über die Putzfläche darf 3 mm nicht überschreiten. Preßputz wird als ein neuerfundenes Putzmaterial be ­ zeichnet, das sich infolge seiner Härte, die Elastizität nicht ausschließt, vorzugsweise für die Herstellung von hohen Wandsockeln, Wand- und Deckenbekleidungen in Sälen, Hauseingängen, Treppenhäusern, Vorplätzen, Küchen, Bädern u. s. w. eignet. Entsprechend dieser Verwendung des Putzes muß jeder Entwurf ein Wand ­ sockelmuster mit anschließendem Wandflächenmuster und ein Deckenmuster enthalten. Preßputzmuster gegen 3 M., die zurückerstattet werden, durch die Kunst-Plastik-Gesell ­ schaft m. b. H. in Frankfurt a. M., Bethmannstraße 21. Neue Rheinbrücke Rheinfelden. Die Gemeinde Rheinfelden erläßt ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen und eveut. Angeboten für eine neue Rhein ­ brücke. Für Preise steht der Betrag von 7600 Fr. zur Verfügung. Näheres siehe Inseratenteil. Technische Hochschule Buenos-Aires. Der Gewinner des I. Preises von 50000 P., Architekt Job. Kr onfuß-Bamberg, ist mit der Ausführung der Anlage betraut worden. Kleine Mitteilungen Stuttgart. An der Kgl. Technischen Hoch ­ schule Stuttgart beträgt im laufenden Winterhalbjahr