FÜR WÜRTTEMBERG BADEN HESSEN EL ­ SAS S - LOTHRINGEN Stuttgart, 30. Januar 1909 Inhalt: Wettbewerb für ein Porstwarthaus in St. Peter in Baden. — Städtebauteohnische Prägen in der modernen Großstadt. — Modernisierung baupolizeilicher Vorschriften. — Denkmalpflege in Bayern. — Vereinsmitteilungen. — Wettbewerbe. — Kleine Mitteilungen. — Personalien. — Bücher. AHa Poplifo i7f»rhAVinl+.#vn Wettbewerb für ein Forstwarthaiis in St. Peter in Baden Im vergangenen Jahre schrieb das badische Ministe ­ rium der Finanzen einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für ein Forstwarthaus aus, ein Vorgang, der sehr zu begrüßen ist und zeigt, daß in den Regierungs ­ kreisen großer Wert darauf gelegt wird, derartige an und für sich unbedeutende Bauwerke künstlerisch zu gestalten. Wir bringen heute die mit dem I. und II. Preise ausgezeichneten Arbeiten und entnehmen dem Erläuterungsbericht folgendes: I. Preis. Kennwort „H. D. W.“. Verfasser Dipl.-Ing. Ludwig Schmieden - Karlsruhe. Der Verfasser hat das Gebäude parallel der Straßenflucht gelegt, was wohl in künstlerischer wie praktischer Beziehung das beste sein dürfte. Durch diese Lage ist eine direkte Zufahrt zur Tenne ohne Drehen und Wenden des Wagens ermög ­ licht, alle Wirtschaftsräume, Dunglage und Wirtschafts ­ hof liegen den Blicken des Beschauers entzogen hinter dem Hause, und schließlich wird bei der freien Lage sich das Haus dem Herantretenden stets mit seiner schönsten Seite, der Giebelseite, präsentieren. Hinter dem Hause liegt Gemüsegarten, Dunglage und Wirt- schaftshof, alles von der Küche direkt durch eine kleine Holztreppe erreichbar. Der Backofen ist in die Mitte des Hauses an den Treffpunkt dreier Mauern gerückt. Die Fütterung der Kühe kann direkt von der Tenne aus er ­ folgen. Diese ist mit dem Brunnenschopf durch einen Gang verbunden, damit der Bewohner seine Oekonomie besorgen kann, ohne ins Freie treten zu müssen, was bei strengem Winter und hohem Schnee den praktischen Betrieb sehr erleichtern dürfte. Das Aeußere zeigt die dort übliche heimische Bauweise: Sockel aus Feldsteinen, verschindelten Giebel und weit ausladendes Dach. Die Baukosten betragen bei 15,80 M. pro Kubikmeter um ­ bauten Raumes für den Wohnteil und 11,50 M. für den Stallteil 11900 M. II. Preis. Motto: gezeichnetes Dreieck. Verfasser Dipl.-Ing. Hermann Wielandt und Dipl.-Ing. Fried ­ rich Wielandt-Konstanz. Gruppe und Lage des frei ­ stehenden Hauses ergaben sich aus den Erwägungen, jedem Gebäudeteil bei Vereinigung unter einem Dach einen seinem Zweck entsprechenden Charakter zu geben. Gemäß der Bedeutung der Teile dominiert die Woh ­ nung in zentraler Lage zum Stall, mit der Haupt ­ achse senkrecht zur Straße. Auf einen günstigen Wirt- schaftsbetrieh ist in erster Linie Wert gelegt worden. Die zentrale Lage des Backofens ermöglicht eine aus- Wettbewerb für ein Forstwarthaus in St. Peter in Baden Erster Preis Verfasser Dipl.-Ing. L. Schmieder-Karlsrube