34 BAUZEITUNG Nr. 5 El .NonouarauTc. giebige Verwendung auch als Wärmequelle. In dem einen inmitten der Gruppe im Dachfirst ausmündenden Kamin klingt die Anlage aus. Die Außenwände sind massiv, die inneren teilweise als Packwerk angenommen. Die Baukosten betragen rund 12000 M. Zwei weitere Arbeiten, die sich in enger Wahl be ­ fanden, fügen wir bei, da dieselben noch manch inter ­ essanten Gedanken zur Darstellung bringen. Städteßaiiteclmisclie Fragen in der modernen Großstadt Unsre modernen heranwachsenden Großstädte kranken sämtlich mehr oder weniger an einem Uebel, das ist ihre Altstadt. Noch heute bildet die Altstadt gleichzeitig den Mittelpunkt einer jeden Stadt, dorthin flutet der ganze Verkehr, und die meistens nicht sonderlich breiten Straßen sind bei weitem nicht imstande, den Anforde- notro; h.o.ua .CflOCfACMOM.. Wettbewerb für ein Forstwarthaus in St. Peter in Baden Erster Preis. Verfasser Dipl.-Ing. L. Sohmieder-Karlsrube rungen zu genügen, welche der Straßenbahn ­ verkehr sowie der rege Personen- und Last ­ fuhrwerksverkehr an sie stellen. Als die jetzigen Großstädte entstanden, baute man eben die wenigen öffentlichen Gebäude, das Ratbaus, die Kirchen, vielleicht auch eine Schranne und ein Zunfthaus, enge zueinander. Um diesen kleinen Mittelpunkt des städtischen Lebens siedelten sich dann die Kaufleute und die Patrizier an, und gar bald war man am Stadttor und damit an der Stadtgrenze. Heutzutage ist das anders geworden. Eine Anzahl ver ­ schiedenartiger öffentlicher Gebäude muß in der modernen Großstadt die vielseitigen Bedürfnisse ihrer Einwohner befriedigen. Eine Unmasse Schulen, die naturnotwendig in den verschie ­ densten Stadtteilen zerstreut sein müssen, große Krankenhäuser, Polizeiämter u. dgl. können Mittelpunkte für den Verkehr werden. Damit aber ergeben sich ganz andre Bedingungen für die Baugestaltung einer Stadt wie früher. Diese ver ­ schiedenen Mittelpunkte des Verkehrs dennoch zu einen und künstlerisch durchzubilden, ist Sache der Stadtbau ­ ämter, die in den Großstädten zu diesem Zweck eigne Stadterweiterungsbureaus gebildet haben. Wenn man behauptet, jedes Städtebild sei der Aus ­ druck der Kultur und des künstlerischen Verständnisses der Bewohner und ihrer Zeit, so müssen unsre Städte wohl in erster Linie unsern modernen Zeitbedürfnissen Rechnung tragen. Große, breite Straßen mit Reit- und Radfahrwegen sind ebenso unerläßlich als freie Plätze und möglichst viele gärtnerische Anlagen. Bei den modernen Stadterweiterungen wird leider auch auf einen andern Umstand viel zu wenig Rücksicht genommen. Man ist leider viel zu sehr gewohnt, das Ideal in geradlinigen Straßen zu sehen. Wer das angenehme Gefühl schon mitgemacht hat, wie der Sturmwind mit eisiger Luft den Staub durch diese langen Wiudkanäle wälzt, wird den Vorzug unsrer modernen geradlinigen Straßen besonders zu würdigen wissen. Prof. Heinrich Tscharmann hat unlängst im „Kunstwart“ ein prächtiges urkundliches Beweisstück mittelalterlicher Städtebaukunst mitgeteilt. Paulus Jenisius (Jenisch), 1576—1594 Rektor zu Anna- berg im Erzgebirge, schreibt in seinem 1592 erschienenen Buche in bezug auf die 1496 erfolgte Gründung dieser Stadt: „Bei Abziehung der Gassen einer Stadt, sonderlich im Gebirge, müssen verständige Baumeister besonders auf zweierlei sehen, erstens, daß dieselben ansehnlich breit werden zur Erhaltung reiner Luft, und zweitens, daß dieselben etwas in die Krümme gehen, um einiger ­ maßen den Winden zu steuern, welche sonst im Gebirge sehr heftig und ungestüm sind. Denn wo solches bei Anlegung einer Stadt nicht in acht genommen wird, tun die Winde den Leuten auf den Gassen nicht geringe Hindernisse. Es dient auch solche Ungeradheit der Gassen den Städten an sich zur Zierde, indem es dadurch den Anschein erhält, als wäre alles voller Häuser und Ge ­ bäude. Es haben also die ersten Baumeister, welche den Umfang der Stadt Annaberg und die Richtung der Gassen bestimmten, dieses sehr weislich beobachtet. Denn die Gassen sind meistenteils etwas gebogen, welches denen, die bei ungestümem Wetter auf den Gassen gehen, wohl zustatten kommt.“ Man sieht, daß man schon in alten Zeiten Grundsätze entwickelte, die wir uns auch heute noch gefallen lassen können. Wir wollen aber auch nach einer andern Richtung uns die Tätigkeit des modernen Städtebautechnikers be ­ trachten und wollen uns fragen, ob man denn nicht bei unsern heutigen Bestrebungen des Guten zuviel tut und dabei nach andrer Richtung allzu kurzsichtig ist. Zwei Prägen drängen sich da auf, das ist einmal die Lärm ­ frage und dann die Wohnungsfrage.