36 BAUZBITUNG Nr. 5 c§/a/6secfa J/oAstwart/utMs Szn^Sefer- / /oo. liehen Seitenfronten, die uns der Bauwich in fast allen Straßen zeigt, sind vermieden, das Haus steht so natür ­ lich da, als könnte es gar nicht anders sein. Hier ver ­ stand der Architekt, ohne Umgehung der Bauvorschriften doch künstlerische Werte zu schaffen, die das Auge er ­ freuen und immer mehr geschätzt werden. Wir haben in Stuttgart Straßenrückfronten, die auf höherem Terrain stehen und den Passanten und Bewohnern unterer Straßen einen Anblick bieten, der an Häßlichkeit und Oede nicht zu übertreffen ist. Unsre Stuttgarter Bauordnung hat für die künstlerische Behauung von Hauptstraßen einen besonderen Paragraphen, dessen Vorschriften sich auch auf die Nebengebäude der Gebäude beziehen. Leider muß man sagen, daß viele dieser Straßen einen ebenso langweiligen, unschönen, ja düsteren Eindruck machen wie andre auch. Warum? Sind die baupolizeilichen Bestimmungen schuld, so hätte man längst dafür sorgen sollen, daß Abhilfe geschaffen wird. Daß eine Stadt darunter leiden muß, wenn bei den heutigen Fortschritten zum großen Teil noch nach Bestimmungen gearbeitet werden muß, die vor Jahrzehnten erlassen wurden, liegt auf der Hand. Die Stadtverwaltungen mögen mehr als bisher sich der Mitarbeit tüchtiger Architekten bedienen, und an Fachleuten von Ruf fehlt es hei uns nicht. In dieser Beziehung haben Städte wie München und Frank ­ furt a. M. Vorbildliches geleistet. Klatte. Qactyesc/fosj V: <oo Wettbewerb für ein Forstwarthaus in St. Peter in Baden Zweiter Preis. Verfasser Dipl.-Ing. Herrn. Wielandt und Dipl.-Ing. Friedr. Wielandt-Konstanz Modernisierung baupolizeilicher Yor Schriften Prof. Dr. L. Weber-Kiel, der sich durch seine um ­ fassenden Untersuchungen über die Helligkeit in den Schulen einen Namen gemacht, hat sich jüngst in einem Vortrage im Naturwissenschaftlichen Verein von Schles ­ wig-Holstein über die Frage der Modernisierung der bau ­ polizeilichen Vorschriften über die Helligkeit der Wohn- räume geäußert. Bei der Wichtigkeit des Themas geben wir seine Ausführungen, die auch anderwärts Beachtung verdienen, auf Grund eines Berichts der Kieler Neuest. Nachr. in ihrem wesentlichen Inhalt nachstehend wieder. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß staatliche und städtische Baubehörden das Recht und die Pflicht haben, die genügende Tageslichtzufuhr von bewohnten Räumen zu überwachen und die Genehmigung zu Neubauten von der Erfüllung dieser Bedingung abhängig zu machen. Die allgemeinen gesetzlichen Grundlagen hierfür müssen naturgemäß in einfachste Form gekleidet sein und dürfen weder die Bauunternehmer noch die Aufsichtsinstanz mit irgendwie schwierigeren Berechnungen belasten. Daher beschränken sich die bestehenden Vorschriften auch im wesentlichen darauf, ein gewisses Mindestmaß des Ver ­ hältnisses von Fensterfläche zu Bodenfläche zu fordern. Es wird also zum Beispiel gefordert, daß dies Verhältnis mindestens wie 1:6 oder in andern Fällen wie 1:10 sei, d. h., daß die Fensterfläche mindestens 26 2 / 3 % bzw. 10% der Bodenfläche betragen solle. Offen ­ bar wächst ja im allgemeinen die eingeführte Lichtmenge in demselben Maße wie die Größe der Fenster, und im großen ganzen wird man daher auch bei einer gewissen Fenstergröße auf ein gewisses, derselben entsprechendes Lichtquantum rechnen können. Aber ebenso leicht be ­ merkt man auch, daß die Größe der Fenster nicht das allein Entscheidende ist. Ein Fenster, das nach der freien Landschaft zu liegt, also den Horizont frei hat, erhält eine viel größere Lichtzufuhr als ein Fenster, dem andre Häuser vorgebaut sind. Aus diesem Grunde wird die einfache Vorschrift über das Verhältnis von Feuster- zu Bodenfläche vielfach ergänzt durch Bestimmungen über die minimale Straßenbreite, die maximale Haus ­ hohe sowie auch über den minimalen seitlichen Abstand der Häuser von der Grenze. In sehr vielen Fällen läßt sich auch durch solche Bedingungen ver ­ hindern, daß einem Fenster das Licht ganz abgebaut wird. In vielen andern Fällen, z. B. bei Wohnräumen, die in alten, enggebauten Stadtteilen liegen, und insbesondere bei den nach dem Hofe zu gelegenen Räumen, versagen aber die bestehenden Vorschriften und verhindern es nicht, daß Räume bewohnt werden, in die weder Sonne noch Mond hineinscheint. Die Schwierig ­ keit liegt darin, eine allgemein verbindliche Vorschrift so zu fassen, daß einerseits keine ungebührliche Be ­ hinderung der Bautätigkeit eintritt, anderseits aber den Fenstern bewohnter Räume ein gewisses Mindestmaß von freiem Himmel und Licht gewährleistet wird. Man muß hier von dem Grundgedanken ausgehen, daß in allen Fällen, in denen der freie Himmel vor den Fenstern mehr oder weniger verbaut ist, ein entsprechender Aus ­ gleich durch eine mehr oder weniger große Fensterfläche zu erstreben ist. Der von mir empfohlene Weg, um von hier aus zu einer Verbesserung der bestehenden Bau ­ vorschriften zu gelangen, ohne denselben ihre einfache Formulierung zu nehmen, ist folgender: Bei der Berechnung des Verhältnisses von Fenster- zu Bodenlläche darf die Fenstergröße mit ihrem wirk ­ lichen Betrage nur dann in Ansatz gebracht werden, wenn der Horizont vor den Fenstern vollkommen frei ist. In jedem anderen Falle muß ein kleinerer Betrag angesetzt werden. Wie groß diese Reduktion sein muß,