56 BAUZEITUNG übertragen. Die Lieferung wird etwa 20 Eisenbahnwagen füllen. J. Eberspächer batte dem Grafen die Fenster für die frühere Halle schon geliefert. Mannheim. Für die vom 15. April bis 16. Mai statt ­ findende Baukunstausstellung des Bundes deutscher Architekten (Ortsgruppe Mannheim) gibt sich ein reges Interesse kund, nicht nur bei den in Frage kommenden Architekten, sondern auch bei allen Branchen, die mit dem Bauwesen in Verbindung stehen. Es ist aber an ­ gezeigt, darauf hinzuweisen, daß Artikel der Baubranche, Materialien, Konstruktionsmodelle u. dergl. nicht zur Aus ­ stellung kommen können, sondern daß die Ausstellung ausschließlich künstlerische Zwecke verfolgt. Es werden Pläne, Zeichnungen und Modelle sowie Photographien von Wohn- und Geschäftshäusern, Villen, Fabrikbauten und Arbeiterhäuser, soweit sie künstlerischen Charakter tragen, zur Ausstellung kommen. Hierbei ist bei den Plänen das Hauptgewicht auf bildliche Darstellung ge ­ legt, während Grundrisse in möglichst kleinem Maßstabe beigegeben werden sollen. Es soll auch Sorge getragen werden, daß die verschiedenen Zweige der Baukunst in möglichst anschaulicher Weise vorgeführt werden, damit nicht nur der Fachmann und Interessent, sondern auch der Laie ein übersichtliches Bild des baukünstlerischen Schaffens in Mannheim erhält. Frankfurt a. BI. lieber Friedhof- und Grab ­ malreform hielt in der Gesellschaft für ästhetische Kultur, die neuerdings durch Veranstaltung eines AVett- bewerbs ihr Verständnis für die künstlerischen Probleme des Friedhofwesens bekundet hat, der Münchner Stadt ­ baurat Hans Grässel, der verdienstvolle Anreger und Organisator auf dem Gebiet der modernen Kultur der Totenstätte, einen Vortrag. An der Hand von Lichtbildern entwickelte Grässel in einer ausführlichen Darlegung die Grundgedanken, von denen die Bestrebungen zu einer Friedhof- und Grabmalreform ausgehen. Das Einzelgrab, heute zumeist ein Erzeugnis der Dutzendarbeit oder auf ­ dringlicher Materialprotzerei, soll die stille Würde seiner Bestimmung in einer persönlichen Form zum Ausdruck bringen, ohne durch eine Einfriedung lokal noch besonders herausgehoben zu werden. AVünschenswert ist nach Grässels Ansicht, daß der Friedhof so groß als möglich sei. Da man aber die amerikanischen Parkfriedhöfe, denen sich Hamburg und Bremen mit ihren Anlagen von weitem nähern, bei uns im allgemeinen nicht nachbilden könne, will der Vortragende den Friedhof in eine Anzahl einzelner Abteilungen eingeteilt wissen. Jede soll gewissermaßen einen besonderen Typus von Grabdenkmälern zeigen und durch einen diesem angepaßten gärtnerischen Schmuck individualisiert werden. AVie sich die bewußte Verwirk ­ lichung dieser Grundsätze ausnimmt, ließ Grässel an Bildern aus dem Münchner Waldfriedhof*) sehen, den er zum guten Teil sein eignes Werk nennen darf. Im Schluß des Vortrages wurde dann noch ein Ausblick auf eine Umgestaltung des Begräbniswesens eröffnet, nach der die Pietät wie das künstlerische Empfinden verlangen müsse. Personalien Württemberg, Befördert: der Vorstand der Generaldirektion der Staatseisenbahn, Direktor v. Stieler, zum Präsidenten dieser Generaldirektion ; auf die Stelle des Bisenbahnbauinspektors in Sig ­ maringen der Abteilungsingenieur tit. Eisenbahnbauinspektor B e r i n g e r bei der Eisenbahnbauinspektion Stuttgart. V e r 1 i e h c n: dem Baurat Louis Stahl in Stuttgart der Titel und Rang eines Oberbaurats; dem bisherigen Oberamtsbaumeister und Bezirksfeuer ­ *) Die .Bauzeitung“ hat, wie erinnerlich, in Nr. 27 des Jahr ­ gangs 1908 eine textliche und bildliche Darstellung dieser vorbild ­ lichen Anlage gebracht. Nr. 7 löschinspektor AV a g n e r in Weinsberg die Verdienstmedaille des Kronenordens. Erteilt: dem Ingenieur A. Ganz in Stuttgart die Erlaubnis zur Anlegung des ihm von dem Fürsten von Montenegro verliehenen Ritterkreuzes des Ordens Danilos I. Briefkasten Antwort. Auf die Anfrage in Nr. 6, betreffend Sachver ­ ständigengebühren, kann ich folgendes mitteilen: Bei diesen Anlässen gilt die „Gebührenordnung für Zeugen und Sachver ­ ständige“ , siehe Reichsgesetzblatt 1898 S. 689. Die für Sachver ­ ständige in Betracht kommenden Paragraphen sind; „§ 1. In den vor die ordentlichen Gerichte gehörigen Rechtssachen, auf welche die Zivilprozeßordnung oder die Konkursordnung Anwendung findet, erhalten die Zeugen und Sachverständigen Gebühren nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen. § 3. Der Sachverständige erhält für seine Leistungen eine Vergütung nach Maßgabe der erforderlichen Zeitversäumnis im Betrage bis zu 2 M. für jede angefangene Stunde. Die Vergütung ist unter Berücksichtigung der Erwerbsverhältnisse des Sachverständigen zu bemessen und für jeden Tag auf nicht mehr als zehn Stunden zu gewähren. Außerdem sind dem Sachverstän ­ digen die auf die Vorbereitung des Gutachtens verwendeten Kosten sowie die für eine Untersuchung verbrauchten Stoffe und Werkzeuge zu vergüten. § 8. Die Entschädigung für den durch Abwesenheit von dem Aufenthaltsort verursachten Aufwand ist nach den per ­ sönlichen Verhältnissen des Zeugen oder Sachverständigen zu be ­ messen, soll jedoch den Betrag von 5 M. für jeden Tag, an welchem der Zeuge oder Sachverständige abwesend ist, und von 3 M. für jedes außerhalb genommene Nachtquartier nicht überschreiten.“ Es ist in vorstehenden Bestimmungen den Amts- u. s. w. Gerichten Spielraum gelassen, aber es dürfte im allgemeinen keinen Anstand geben, wenn ein Oberamts-, Stadtbaumeister oder Bauwerk ­ meister u. s. w. die Maximalsätze verrechnet, wie mir von ver ­ schiedenen Fällen bekannt ist und ich auch selbst schon mehrere Male in der Lage war. B e z. Antwort. Auf die Anfrage von B. M. im Briefkasten: Jeder Techniker — ausgenommen die staatlich fest angestellten — erhält bezw. hat anzusprechen an Gebühren als Sachverständiger pro Stunde den Höchstbetrag von 2 M. oder pro Tag 20 M. bei 10 Stunden und mehr. Es ist in diesem Pall gleichgültig, ob er ein Oberamts- oder Stadtbaumeister mit oder ohne Privatgeschäft ist. Als Reisekosten werden pro Kilometer 5 Pf., als Zehrungsaufwand ca. 50 Pf. pro Stunde, d. h. pro Tag 5 M., und Uebernachtgebühr 3 M. bezahlt. Diese Gebühren wurden mir von zwei Amtsgerichten anstandslos ausbezahlt, während ein Landgericht, dem ich in der Regel einen Kostenzettel einsandte, mir anfangs nur 16 M., auf meine Rekla ­ mation dann 18 M. bezahlen wollte, bis ich meine Gebühren persön ­ lich an der Kasse erhob, wobei ich dann ohne weiteres die ver ­ langten 20 M. pro Tag erhielt. (Ich hin Oberamtsbaumeister ohne Privatgeschäfte.) Es handelt sich in solchen Fällen jeweils nur um festes Auftreten, denn ich sehe nicht ein, weshalb man sich nicht für die Abgabe von Sachverständigen-Gutachten ordentlich bezahlen lassen soll, wo dies doch in der Regel eine der unan ­ genehmsten und oft auch schwierigsten Arbeiten ist. K. Anfrage. Seit kurzem sollen eiserne Türrahmen geliefert werden, die nicht aus Winkeleisen, sondern aus speziell dafür an ­ gefertigtem Profileisen hergestellt sind und die sich bei einigen größeren Bauten, insbesondere Schul- und Krankenhäusern, gut bewährt haben sollen. Trifft letzteres zu und wer liefert die ­ selben? B. B. Anfrage. Ich beabsichtige, die Schindelung eines Gebäudes im Schwarzwald mit Holzteer streichen zu lassen. Es ist mir hiervon abgeraten worden mit der Begründung, daß der Holzteer dem Pflanzenwuchs, z. B. den Blumenkübeln auf den Veranden, sehr schädlich sei, auch daß er lange Zeit einen sehr unangenehmen Geruch absondern soll. Ich bitte ergebenst, mir gefälligst mitteilen zu wollen, ob und welche Erfahrungen auf diesem Gebiete vorliegen, ob tatsächlich die Befürchtungen sich bewahrheiten. P. P. Verantwortlich« Schriftleitung: Chefredakteur und Herausgeber Adolf Fausel Architekt W. Klatte, beide ln Stuttgart. Druck : DeutscheVerlags-Anstalt in Stuttgart