142 BAUZEITUNG Nr. 18 V bestehen hier für die Schachtgräber kaum noch Ge ­ fahren — es werden weder Stütz- noch Sicherheitsmittel erforderlich. F • Hd. Y ereinsmitteihmgen Württ. Baubeamten-Verein. Dienstag, den 4. Mai d. J., von 8 Uhr abends an, treffen sich unsre Mitglieder im Vereinslokal, I. Stock des Gesellschaftshauses „Bau ­ hütte“, Büchsenstraße 53, in Stuttgart. Württ. Verein für Baukunde. In der 8. ordentlichen Versammlung am 24.April sprach Stadtbaurat Keppler- Heilbronn über seine Heise nach Petersburg und ins Innere von Rußland anläßlich des Internationalen Schiffahrtskongresses 1908. Der Vortragende gab zu ­ nächst einen Ueberblick über Geographie und Klima des Riesenreiches, das etwa hundert Millionen Einwohner zählt; sodann wurde kurz dessen Geschichte gestreift, die im Jahr 860 mit der Eroberung durch die Nor ­ mannen beginnt und im Jahre 1619 mit dem Auftreten der jetzt noch regierenden Dynastie Romanow, deren hauptsächlichster Vertreter Peter der Große war, ihren entscheidenden Wendepunkt erlebte. Was den Eisenbahn ­ verkehr betrifft, so stehen die Wagen erster und zweiter Klasse den unsern nicht nach, dagegen ist die Geschwin ­ digkeit sehr mäßig und beträgt durchschnittlich nur 30 bis 40 km. Bei der Trassierung wird nach dem Vorgang Nikolaus’ I. immer noch ohne allzu große Rücksichtnahme auf die Ortschaften die gerade Linie bevorzugt. Die Ausnutzung der im ganzen 20 000 km betragenden Wasser ­ straßen ist dadurch sehr beeinträchtigt, daß die letzteren von Oktober bis April fest zugefroren sind. Der eigent ­ lich russische Baustil geht auf das vierzehnte Jahrhundert zurück, später wurden wie bei uns alle abendländischen Bau ­ stile nacheinander durchprobiert, und erst seit einigen Jahr ­ zehnten fängt man wieder an, nationalrussisch zu bauen. Im Anschluß an diese allgemeinen Bemerkungen schilderte der Redner sodann den Verlauf seiner Reise, die zunächst über Warschau mit seinem hübschen Altmarkt, Wilna mit seinem mittelalterlichen Aussehen und Dünaburg mit seinen vielen schmucken Holzhäuschen nach Petersburg führte. Das letztere ist etwas über zweihundert Jahre alt, wurde seinerzeit durch Peter den Großen auf einem teilweise noch den Schweden gehörigen Gebiet unter Aufbietung von 40000 Kriegsgefangenen angelegt und zählt heute gegen anderthalb Millionen Einwohner. Die Stadt ist modern angehaucht, hat Kanalisierung mit Rieselfeldern und andre neuzeitliche Einrichtungen, aber ein sehr schlechtes Pflaster. Ueber den Verlauf des Kongresses selbst, dessen Protektor der Zar war und der von dem Bruder des Zaren, Großfürst Michael, ver ­ schiedentlich besucht wurde, ist schon in Nr. 43 des vorigen Jahrgangs unsrer Bauzeitung eingehend berichtet worden. Die Protektion des Zaren war überall zu spüren und beschützte die Teilnehmer am Kongreß vor Polizei- oder Zollplackereien jeglicher Art. Die Rück ­ reise wählte der Redner entlang dem Todesweg des Napoleonischen Heeres über Smolensk nach Warschau und von da über Wien, Salzburg und Bregenz nach Hause. Die Reise hatte im ganzen vier \Vochen Zeit in An ­ spruch genommen und war ziemlich anstrengend gewesen, hatte aber auch anderseits eine Fülle lehrreichen Stoffes geboten. Der Vortrag wurde unterstützt durch eine Reihe von Lichtbildern, die von Bauwerkmeister Albert Brintzinger-Eßlin gen zur Verfügung gestellt waren und einen vorzüglichen Leberblick über die berührten Sehens ­ würdigkeiten boten. Der letztere Herr hatte von Würt ­ temberg nebst den Oberbürgermeistern Hegelmaier und Dr.Mülberger wie Baurat Gugenhan dieReise mitgemacht. Lebhafter Beifall der Anwesenden sowie der Dank des Vorsitzenden lohnte den Redner für seine Ausführungen. W. Portal Bildhauerarbeiten Fr. P. Zimmer-Stuttgart