244 BAUZEITÜNG Nr. 31 Angekaufter Entwurf „Am Berg“ Architekt K. Witzel-München und Ludwigsburg geschlossen, so hat der Bau noch nicht begonnen, die Vorschriften des Gesetzes finden also keine Anwendung. Hiermit hat der erste Abschnitt des Gesetzes seine Besprechung gefunden. lieber den zweiten Abschnitt, der komplizierte Vorschriften über den Schutz der Bau ­ forderungen durch Eintragung einer Bauhypothek, über die Sicherung des Ranges dieser Bauhypothek durch vorläufige Eintragung eines Bauvermerks, über die Bau ­ geldhypothek und ihr Verrücken vor die Bauhypothek, ferner über die Abwendung der Bauhypothek durch Hinterlegung einer Sicherheit, über die Realisierung der Bauhypothek oder der Sicherheit und endlich über die Bausehöffenämter enthält, kann ich heute nicht mehr sprechen, da diese Vorschriften erst dann praktischen Wert haben, wenn die landesherrliche Verordnung auch den zweiten Abschnitt des Gesetzes in Kraft gesetzt haben wird. Erschwerte Baukontrolle Das Miuisterialamtsblatt Nr. 7 vom 19. April 1909 veröffentlicht einen Erlaß des K. Ministeriums des Innern an die K. Stadtdirektion Stuttgart und die K. Oberämter sowie die übrigen Baupolizeibehörden, betreffend die Ausführung von Konstruktionen aus Eisen ­ beton bei Hochbauten. Unter anderm wird dabei bemerkt, daß für die Be ­ rechnung, Ausführung und Prüfung von Eisenbetonkon ­ struktionen bei Hochbauten vorerst die vom K. Preußi ­ schen Ministerium der öffentlichen Arbeiten heraus ­ gegebenen und im Anschluß an diesen Erlaß abge ­ druckten Bestimmungen für die Ausführung von Kon ­ struktionen aus Eisenbeton bei Hochbauten vom 20. Mai 1907 zur Richtschnur zu nehmen sind. Punkt 5 dieses Erlasses lautet: „Behufs einer sachgemäßen Beaufsichtigung der Bauausführung ist bei der Genehmigung von Eisenbetonkonstruktionen jeweils anzuordnen, daß die Bauenden dem Baukontrolleur von dem Fortgang der Arbeiten, insbesondere unmittelbar nach dem Einbringen der Bise nein lagen und vor dem Beginn des Betonierens in jedem Stock ­ werk sowie vor und nach der Ausschalung der Eisenbetonkonstruktionen Anzeige zu machen haben, damit die Baupolizeibehörde in der Lage ist, die Bauausführung, soweit dies angezeigt erscheint, kontrollieren zu lassen. Die Verant ­ wortlichkeit der Baumeister für die vorschrifts ­ mäßige Ausfü hrung der Bauten (siehe Art. 20 der Bauordnung) bleibt jedoch in vollem Umfang be ­ stehen, mag eine solche Kontrolle vorgenommen werden oder nicht.“ Punkt 6 lautet: „Sollten die Baupolizeihörden bei der Prüfung von Baugesuchen, bei denen es sich um die Genehmigung von Eisenbetonkonstruktionen handelt, oder bei der Be ­ aufsichtigung derartiger Bauausführungen durch ihre eignen Techniker sich nicht genügend beraten fühlen, so bleibt ihnen unbenommen, auf Kosten des Bauenden sich des Rats weiterer Sachverständigen zu bedienen.“ Dieser Erlaß bedeutet für die Baukontrolleure eine ganz bedeutende Mehrbelastung. Es werden wohl we ­ nige Kollegen in der Lage sein, allen diesen Bestim ­ mungen gemäß die Baukontrolle gewissenhaft vornehmen zu können. Hier dürfte Stuttgart die einzige Ausnahme bilden, weil dort ein Diplom-Ingenieur speziell zur Ueberwachung von Eisenbetonbauten von der Stadtgemeinde aufgestellt worden ist. Aber vorausgesetzt, der Baukontrolleur hat die Eisen ­ einlagen im Bau vor der Betonierung nachgesehen und nicht beanstandet, so hat er noch gar keine Garantie dafür, ob- der Beton selbst recht gemischt, richtig ein ­ gebracht und gut gestampft wird! Auch spielt ja be ­ kanntlich die Güte des verwendeten Portlandzements und die Reinheit des Kieses und Sandes beim Beton eine sehr große Rolle neben dem, daß auch selbst genügend Zement zur Verwendung kommt! Dies zu überwachen, kann aber nicht Sache des Baukontrolleurs sein, denn sonst müßte er, solange betoniert wird, ununterbrochen auf der Baustelle' verweilen. Die Verhandlungen bei dem Hauseinsturz bei der Legionskaserne haben gezeigt, w-elch schwierige Stellung der Baukontrolleur hat, da Pfuscharbeiten aller Art durch ihre Verdeckung bei periodischen Kontrollen nicht wahrgenommen werden, aber hinterher vielfach beliebt wird, den Baukontrolleur bei Unfällen diesfalls eines Versäumnisses zu zeihen. Ich halte es dafür, daß dieser Erlaß bezüglich der Vornahme von Baukontrollen zu weit geht, daß es dem Baukontrolleur einfach unmöglich ist, eine derartige eingehende Ueberwachung einesBau- wesens zu besorgen. Wenn in dem Erlaß eine nachträglich vorzunehmende Probebelastung für derai'tige Eisenbetondecken unter Zuziehung des Baukontrolleurs angeordnet wäre, so könnte dies eher durchgeführt werden, aber eine solch eingehende Baukontrolle, wie sie in dem Erlaß angeordnet ist, ist nicht durchführbar. Dies trifft insbesondere zu bei größeren Bauten, wo die Eiseneinlagen u. s. w. raum ­ weise abgenommen werden müssen, um die Fortsetzung der Arbeiten nicht ungebührlich hintanzuhalten. Ich bitte nun meine Herren Kollegen, sich über diese überaus wichtige Angelegenheit in unsrer Bauzeitung ganz offen auszusprechen. Ludwigsburg, Juli 1909. Stadtbauinspektor Mößner. Hygieia-Brunnen in Karlsruhe Am 9. Juni fand in Karlsruhe die feierliche Ueber- nahrae eines Zierbrunnens, der eine weitere wirkungsvolle Verschönerung des Stadtbilds bedeutet, durch die Stadt ­ verwaltung statt. Derselbe, vor dem Vierordtbad ge ­ legen, ist eine Stiftung des hochherzigen und kunstsinnigen Ehrenbürgers der Stadt, des Kunstmalers Willi. Klose, der schon so vieles zur Ausschmückung der Stadt getan und sich durch eine Reihe wohltätiger Stiftungen um dieselbe verdient gemacht hat. Das Kunstwerk, eine Schöpfung des Bildhauers Johannes Hirt, spricht in der wunderbaren Harmonie aller Linien klassisch edel an. Von weitem sichtbar, bekrönt den Brunnen eine ideale Frauengestalt, Hygieia, in leichtem anschließendem Ge ­ wände, ein goldenes Rosenkräuzlein im Haar. Das heil-