14. August 1909 BAUZEITUNG 263 Inanspruchnahme des Baukontrolleurs beziehen — kann ich nicht teilen. Wenn die Baupolizeibehörde für Baukonstruktionen statische Berechnungen zur Prüfung verlangt, so muß sie auch eine Gewähr dafür haben, daß bei der Aus ­ führung diesen Berechnungen entsprechend verfahren wird. Dies zu überwachen ist Sache des Baukontrolleurs. Was speziell die Ausführung und Beaufsichtigung von Eisenbetonbauten betrifft, so wird es auch einem mittleren Techniker (Bauwerkraeister) nicht schwer werden, sich mit dem Wesen der Eisenbetonkonstruktion wenigstens so weit vertraut zu machen, daß er fähig ist, statische Berechnungen für einfachere Eisenbetonkonstruktionen aufzustellen und zu prüfen. Jedenfalls muß der Bau ­ kontrolleur in der Lage sein, an Hand ausführlicher statischer Berechnungen und Detailzeichnungen, wie solche der Baupolizeibehörde vorzulegen sind, die Aus ­ führung von Eisenbetonbauten auf Grund der einschlägigen Bestimmungen sachgemäß zu kontrollieren. Selbstredend kann es sich hierbei nicht um eine ständige üeberwachung, sondern in erster Linie nur darum handeln, die richtige und zweckmäßige Anordnung der Eiseneinlagen und die Einhaltung der berechneten Konstruktionsstärken zu prüfen. Bezüglich der Be ­ schaffenheit der Baumaterialien, der Betonmischung u. s. w., die natürlich nicht außer acht gelassen werden dürfen, wird sich der Baukontrolleur nach wie vor auf Stich ­ proben beschränken müssen. Ist doch in dem Erlaß ausdrücklich hervorgehoben, daß die Verantwortlichkeit des Baumeisters für die vorschriftsmäßige Ausführung der Bauten in vollem Umfange bestehen bleibt. Ob durch die Mehrbelastung die Inanspruchnahme des Baukontrolleurs in zu weitgehendem Maße gesteigert und er hierdurch in der pflichtgemäßen Ausübung seines Amtes zu sehr beeinträchtigt wird, ist eine Frage, die meines Erach ­ tens im einzelnen Falle zu beantworten und zu behandeln ist. Stuttgart-Untertürkheim, im August 1909. Bezirksbaumeister Schnetz. Y er einsmitteilungen Württ. Banbeamten-Verein. Als Mitglieder sind an ­ gemeldet worden: Adolf Müller, Bauwerkmeister bei der K. Bauinspektion Calw und Oberamtsbaumeister Rentschler in Tübingen. Ausgetreten ist Intendantur ­ bausekretär Mautz in Stuttgart. Wettbewerbe Saalbau mit Gesellschaftsbaus in Reutlingen. Der Saalbauverein Reutlingen schreibt unter den in Württemberg ansässigen oder dort geborenen Architekten einen Wettbewerb mit der Frist bis zum 15. November aus. Für die drei besten Lösungen sind 5000 M. aus ­ gesetzt. Näheres siehe Bekanntmachung im Inseratenteil dieser Nummer. Rathausneubau Plauen i. V. Eingelaufen sind 113 Entwürfe. Es wurden verteilt drei erste Preise in Höhe von zusammen 19 000 M. und zwei zweite Preise in Höhe von zusammen 5000 M. Je einen 1. Preis erhielten die Entwürfe: „Vorhof“ und „Vogtland“ des Architekten Willy Graf-Stuttgart und einen I. Preis der Entwurf „M. 27 -)- G. 37“, Verfasser Dipl.-Ing. Max Wrba und Prof. Georg Wrba-Dresden; II. Preise erhielten: „Heimatschutz“, Verfasser Bauräte Weiden ­ bach und Tschammer-Leipzig sowie „Plauen“, Ver ­ fasser Architekt W. Brurein-Charlottenburg. Zum An ­ kauf empfohlen wurden: „Heimat“, Verfasser Architekt Camillo Günther-Hamburg; „Heimische Bauweise“, Verfasser Prof. Dr.-Ing. Vetterlein-Darmstadt; „Stadt ­ bild“, Verfasser Architekt W. Lossow und Max Hans Kühne-Dresden. Bauteclmisclie Eimdschau Aus der Erkenntnis heraus, daß die Abortverhältnisse noch vielfach sehr im Argen liegen, ist die Firma Ernst Wagner, Reutlingen, an die Lösung dieses Problems, von einem neuen Gesichtspunkt ausgehend, herangetreten. Sie hat versucht, die Klosettwasser- spülung mittels direktem Anschluß an die Wasserleitung durchzuführen, und es ist ihr dies so vorzüglich gelungen, daß sie sich ihre Erfindung unter dem Namen: Hygie ­ nisches Klappenklosett „Echatz“ hat schützen lassen. Das „Echatz-Klosett“, ein weißer, eleganter und doch kräftig gebauter Steingutkörper mit automatischer Zug- und Spülvorrichtung, wird mit der Wasserleitung und dem Abortrohr verbunden und die Wasserspülung am Regulierhahnen von Vs Liter an nach Belieben ein ­ gestellt. Ein Rohrunterbrecher, der in die Spülleitung eingebaut ist, verhindert ein Zurückströmen des Wassers in die Wasserleitung. Nach dem Gebrauch wird am Porzellanknopfe die Zugvorrichtung hochgezogen, die Klappe entleert sich und gleichzeitig öffnet sich der Spülhahnen, so daß der innere Trichter und die Klappe bespült und letztere hernach wieder mit Wasser gefüllt wird. Das Wasser in der Klappe schließt alle üblen Gerüche und die Zugluft von der Abortgrube und Rohr luftdicht ab. Das Klosett, das allen hygienischen An ­ forderungen entspricht, stellt einen ebenso billigen wie besten Ersatz für Wasserklosetts dar. er. Kleine Mitteilungen Vortragskursus. Ein sechstägiger wirtschafts ­ wissenschaftlicher Vortragskursus wird in der hiesigen Technischen Hochschule in der Zeit von Montag den 4. bis Samstag den 9. Oktober d. J. von der Gesellschaft für wirtschaftliche Ausbildung in Frankfurt a. M. gemein ­ sam mit dem Württembergischen Ingenieurverein ver ­ anstaltet. Die Vorträge finden in der Zeit von vormittags 9 bis 12 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr statt. Die Themata lauten folgendermaßen: 1. Lohnpolitik und Ent- löhnungsmethoden (Professor von Zwiedineck-Südenhorst,