266 BAUZBITUNG Nr. 34 Sichversenken in die Reize eines Kunstwerks unmöglich zu machen scheinen, nur eine Rettung gibt: die Pflege des Schönen im eignen Heim. Eine Wohnung darf aber nie etwas ganz Abgeschlossenes sein, etwas Fertiges; ebenso wie es nichts schadet, wenn man ihre Jahresringe ein wenig spürt, ebenso muß sie eine gewisse Elastizität der Erscheinung haben, die innere Fähigkeit, zu wachsen, sich umzubilden. Je enger der Charakter einer Wohnung mit dem ihres Besitzers harmoniert, desto weniger darf sie starr und leblos bleiben. Darum scheint die Weh ­ es im eignen Hause oder in der Mietwohnung, erfüllt werden können. Das Material, das aus dem Schaffen vieler der ersten unter den Raumkünstlern der Gegen ­ wart mit Sorgfalt ausgelesen wurde, ist so verteilt worden, daß je eine Gruppe von Beispielen der einzelnen Räume in der modernen Wohnung zusammenhängend gezeigt werden konnte. Das Besondre der Aufgabe, die in jedem einzelnen Falle zu lösen war, ist in einem jedem Kapitel vorangestellten Text erörtert. Bei der Beschreibung der Abbildungen wurde auf genaue Angaben Die Wohnung der Neuzeit Diele im Hause Arnold-Schorndorf Oberbauräte Eisenlohr und Weigle-Stuttgart nung die schönste, die ein Gewordenes und ein Werden ­ des darstellt — die schönste, weil sie allein die per ­ sönlichste ist. Yon diesen Grundsätzen ließen sich Erich Hänel und Heinrich Tscharmann leiten bei der Herausgabe ihres neuesten Werks: „Die Wohnung der Neuzeit.“*) Das ­ selbe soll zeigen, auf welchen Wegen die Entwicklung der Innenausstattung in den letzten Jahren vor sich ge ­ gangen ist; es soll vorführen, wie die Forderungen der Gesundheit, Schönheit und Bequemlichkeit im Heim, sei *) Die Wohnung der Neuzeit. Herausgegeben von Erich Hänel und Heinrich Tscharmann. Mit 228 Abbildungen und Grundrissen sowie 16 farbigen Tafeln. Leipzig 1908, Verlag von J. J. Weber. über Material und Farbe besonderer Wert gelegt, denn das Verständnis für die Wirkungen beider ist unerläß ­ liche Vorbedingung für das Entstehen einer künstlerischen Gesamtstimmung im Innenraum. Das Buch stellt sich nach Anlage und Durchbildung als eine notwendige Er ­ gänzung zu dem vorangegangenen Werke „Das Einzel ­ wohnhaus der Neuzeit“ dar. Es darf aber doch auch als ein selbständiges Ganzes gelten und wendet sich so naturgemäß an einen noch weit größeren Kreis als jenes. Wir sind durch das Entgegenkommen des Verlags instand gesetzt, aus dem reichen Material verschiedenartige Beispiele neuzeitlicher Innenausstattung unsern Lesern vorzuführen. Das erste Bild stellt eine Sitznische, die unter dem oberen Lauf der Treppe eingebaut ist, dar. Auf jeder