268 BAUZEITUNG Nr. 34 Mitteilungen aus dem Strafprozeß betreffend den Hanseinsturz auf dem Legionskasernenareal Von A. Woltz Anknüpfend an den in Nr. 28 d. Bl. enthaltenen Bericht über diesen Prozeß möchte ich den Lesern der „Bauzeitung“ — in erster Linie den Architekten — verschiedene Einzelheiten daraus zur Kenntnis bringen, die für sie um so interessanter sein werden, als ihnen der Prozeß vor Augen geführt hat, wie leicht bei einem Bauunfall der planfertigende Architekt auf die Anklage ­ bank kommen kann, auch ohne daß ihn irgendein Ver ­ schulden trifft. 1. Plandisposition. Die Figuren 1—3 zeigen den Grundriß vom ersten Stock mit dem wegen „Ueberlastung“ zusammengebrochenen Pfeiler D und dem darauf ruhen ­ den Blechträger, ferner einen in der Ebene dieses Trägers geführten Querschnitt und die Ansicht der südöstlichen Nebenseite, aus welcher die Verschiebung der Fensterachsen über dem Pfeiler (von den Sachverständigen der Vor ­ untersuchung „Stelzenform“ des Pfeilers D genannt) er ­ sichtlich ist. Das Haus war eines jener längst nicht mehr seltenen modernen Geschäftshäuser mit ungeteiltem Innenraum im Erdgeschoß und ersten Stock, in den oberen Stockwerken eine mehrzimmerige Gelaßeinteilung, die über dem ersten Stock durch eine freitragende Eisen ­ konstruktion abgefangen ist. Der eingestürzte Teil ist im Grundriß leicht schraffiert (vgl. auch die photographi ­ sche Darstellung in Nr. 43, Jahrgang 1907 der „Bau ­ zeitung“). 2. Stellung des Generalunternehmers zu den Werkplänen. Letztere wurden an Fohrmann, den Vertreter des Generalunternehmers, durch die Bauleitung der Rheinischen Kreditbank, und zwar durch Bauführer Schätte übermittelt. Fohrmann stellte sich von Anfang an auf den Standpunkt, daß er hinsichtlich der Konstruktionen und ihrer Details durchaus freie Hand haben müsse, um hier — unbeschadet der Solidität — soweit als möglich den Vorteil seiner Firma zu suchen. Er wünschte deshalb ausdrücklich, daß die Werkpläne mehr nur schematischen Charakter haben sollten und versicherte dabei fort ­ während, daß er bezüglich der Einzelheiten der Aus ­ führung jede Garantie übernehme, wie ihm dies sowohl durch den Werkvertrag zwischen seiner Firma und der Bauherrschaft als durch seinen Dienstvertrag mit Krüger & Lauermann zur Pflicht gemacht war. Die dem Werkvertrag zugrunde liegende Baubeschreibung ließ dem Generalunternehmer in vielem völlige Freiheit (so konnte er zum Beispiel statt Eisenkonstruktion überall auch Eisenbeton verwenden), doch war selbst-