4. September 1909 BAÜZBITUNö 283 Schweiz, Nordamerika u. s. w.), oder Schiefer (Thüringen, Lau ­ sitz, Harz, Abb. 6, Rheinland, England u. s. w.), oder Ziegeln (Norddeutschland, England) be ­ stehen kann. Man faßt solche Be ­ kleidungen unter dem Sammel ­ namen „Wettermäntel“ zusam ­ men; sie haben den Vorzug, die Luft ziemlich ungehindert durchzulassen, also die Aus ­ trocknung der Mauer nicht zu hindern, dagegen aber einen vollkommenen Schutz gegen Regenschlag zu gewähren. Daß sie ein ebenso einfaches wie wirksames Mittel für die künst ­ lerische Gestaltung ländlicher, klein- und vorstädtischer Bau ­ werke bieten, wird man als Zugabe gerne begrüßen. Der Wert des Holzbaues ist nicht zu unterschätzen. Bei sachgemäßer Ausführung namentlich mit Wettermantel und richtig angebrachter innerer Wandbekleidung sind Blockhaus und Fachwerk- bau dem Massivbau ebenbürtig, ja in einer Hinsiebt überlegen, weil die ganz aus Holz bestehenden oder nur halbsteinig ausgemauerten Wände sehr rasch austrocknen und keiner nennenswerten Erist zwischen Fertigstellung des Rohbaues und Beginn der Ausbauarbeiten bedürfen. Allerdings ist Holz vergänglich, dennoch gibt es eine Menge guterhaltener Block- und Fachwerkbauten aus dem 16. und 17, Jahrhundert. Entscheidend für die vielfach geübte Nichtzulassung des Fachwerks in geschlossen ge ­ bauten Orten war die Rücksicht auf die Feuersicherheit. Was die Ausmauerung betrifft, so werden, da die Stärke derselben nie mehr als einen halben Stein beträgt, die Rän ­ der meist nach innen darüber hinausragen. Ist das nicht der Fall, so tut man gut, Leisten auf das Holzwerk zu nageln, um eine Luftschicht hinter der Ausmauerung zu erzielen. Die Ausbildung der Innenfläche ist dann ähnlich wie bei Abb. 7. Bei einfachen Gebäuden kann man aber auch unmittelbar auf die Ausmauerung putzen, muß aber dann die Hölzer, und zwar quer zur Faser rohren lassen (Abb. 8). Ein wichtiges Moment beim Bauen ist die Grundriß ­ lösung (Abb. 9). Bei dieser ist darauf zu achten, die Räume, aus denen die Wohnungen bestehen, derart an ­ zuordnen, daß dieselben je nach ihrer Bestimmung in ausreichender Weise mit Licht und Luft versorgt werden. Das Bedürfnis nach dieser Richtung ist naturgemäß sehr verschieden. Wir werden für Nebenräume (Vorzimmer, Aborte, Speisekammer u. s. w.) eine geringere Zufuhr von Licht und Luft beanspruchen als für jene Räume, wo wir uns während des ganzen Tages aufhalten, oder in denen wir schlafen. Am leichtesten kann man den diesbezüglichen Anforderungen gerecht werden, wenn das Haus allseitig freisteht, also bei der villenartigen Ver ­ bauung oder bei der Bauweise mit Zwischenlagen. Hat man freie Wahl und handelt es sich um ein Einfamilien ­ haus, so wird man im allgemeinen die Schlafzimmer nach Osten, Wohnzimmer nach Osten oder Süden, Ar- beits- und Speisezimmer nach Norden, das Kinderzimmer nach Süden verlegen, während das Treppenhaus (Diele) die Westseite einnehmen kann. Nebenräume wie Küche, Speise, Aborte legt man gleichfalls am besten gegen Norden oder Nordosten, weil eine kühlere Lage aus naheliegenden Gründen erwünscht ist. Selbstverständlich führen verschiedene Bedürfnisse zu verschiedener Ein ­ teilung und wird man sich nicht schematisch an die eben besprochene Situierung halten können. Für die Ausgestaltung der Wohnungen in den Hof ­ gebäuden sollten im allgemeinen dieselben Grundsätze gelten, welche für das Hauptgebäude erörtert werden. Daß in den Hinterhäusern,namentlich wenn sie sich innerhalb eines all ­ seitig geschlossenen Blocks be ­ finden, Betriebe, die Anlaß zur Entwicklung von Lärm, Rauch oder übelriechenden Gasen geben, zu verurteilen sind, ist selbstverständlich. Auch soll, um einen genügenden Licht- und Luftzutritt zu ermöglichen, die E ntfern un g zwischen V order- und Hinterhaus gleich sein der hofseitigen Höhe des Haupt ­ gebäudes (Abb. 10). Es er ­ scheint dies auch aus dem Grund notwendig, weil bei zu geringem Abstand der Rauch aus den niedrigeren Kaminen des Hinterhauses in die hofseitigen Wohnräume des Vorderhauses eindringt. F. Wettbewerb Neues Polizeigebäude in München Ende November vorigen Jahres erließen die bayrischen Ministerien des Innern und der Finanzen ein Ausschreiben von Entwürfen für ein neues Polizeigebäude in München. Den Bewerbern war freigestellt, die zurzeit auf der Bau ­ stelle befindliche ehemalige Augustinerkirche (Mauthalle) zu erhalten und für die Zwecke der Polizeidirektion zu verwenden oder an deren Stelle einen vollständigen Neu ­ bau zu setzen; dieser sollte so gestaltet werden, daß an die Stelle des bestehenden reizvollen Stadtbildes ein ebensolches neues tritt, das die architektonischen Formen der Michaelskirche nicht beeinträchtigt und den Blick auf die Frauenttirme erhält. Auf das harmonische Zu ­ sammenwirken des Neubaues mit der Michaelskirche sowohl an der Neuhauserstraße wie auch an der Ettstraße war das hauptsächlichste Gewicht gelegt. Für den Fall der Erhaltung der Mauthalle mußte deren Verwendung für Zwecke der Polizeidirektion ins Auge gefaßt werden. Der Wettbewerb hat 80 Entwürfe gebracht, von denen 26 einen völligen Neubau und 54 die Verwendung der Mauthalle vorsehen. Das Preisgericht, das Ende Juni d. J. zusammentrat, hat dahin entschieden, den I. Preis von 12000 M. dem Entwurf mit dem Kennzeichen des Bischofs ­ stabes der Architekten Delisle & Ingwersen, den II. Preis von 9000 M. dem Entwurf „Stadtbild I“ der Architekten Hessemer & Schmidt, sämtlich in München, zu verleihen. Je ein III. Preis von 6000 M. fiel an die Entwürfe „Großer Hof“ der Architekten F. C. Scholer und Prof. P. Bonatz- Stuttgart, und „Weite Gasse“ des Prof. Dr. Theod. Fischer- München. Je ein IV. Preis von 3000 M. wurde den Arbeiten „St. Augustinus“ des Prof. Richard Berndl- München und mit dem Kennzeichen verschlungener Kreise des Architekten Franz Kuhn-Heidelberg zugesprochen. Zum Ankauf für je 2000 M. empfohlen und angekauft wurden die Entwürfe „Areopag“ des Oberingenieurs Blößner, „e veteribus nova“ des Bauamtsassistenten Buchert, „Bertillon“ des Prof. Em. v. Seidl-München, sowie der Entwurf „Pickelhaube“ des Prof. Friedr. Pützer- Darmstadt. Von welchen Erwägungen das Preisgericht bei der Zuteilung der Preise geleitet wurde, geht aus folgender das Urteil begleitender Erklärung hervor: „Die intensive Beschäftigung mit den Projekten hat das Preisgericht zur Ueberzeugung gebracht, daß die Erhaltung der Kirche