364 BAÜZEITUNG Nr. 46 Abb. 8. Ehemaliger Hof der Echter von Mespelbrunn, Vorderansicht Rechter Eckpfosten Fürth er Straße in Heppenheim (Abb. 11 und 12) zu nennen. Das eine zeigt als Eigentümlichkeit die Anordnung eines seitlichen, stark ausgekragten Laubenganges, während das andre eine merkwürdige, an französische Beispiele erinnernde Auskragung des Daches zeigt. Den Fach ­ werkbauten fränkischer Art gegenüber hat sich eine kleine Anzahl Häuser schwäbischer Bauweise erhalten. Der bemerkenswerteste Bau dieser Art ist der Hof zu Laden ­ burg (Abb. 13). Vom Jahre 1620 finden sich kaum noch Anlagen von Bedeutung, da der Dreißigjährige Krieg jede Lebensfähigkeit und Tätigkeit erstickte. Der ein ­ zige nennenswerte Bau aus dieser Zeit ist das schon genannte Haus in der Kellereigasse zu Bensheim (Abb. 3). Das letzte bemerkenswerte Beispiel des Holzbaus an der Bergstraße ist der Sickinger Hof zu Heppenheim (Abb. 14), Das Fachwerk ist regelmäßig, beliebt sind gekrümmte Fensterstützen. Eine Auskragung ist nicht mehr vor ­ handen. Die Balkenstellung ist eng, das verwendete Holz Eichen, die Profilierung des Hauptgesimses ist rein Barock, von dem jahrhundertelang so beliebten Wechsel von Hohlkehle und Wulst ist keine Spur mehr zu finden. Zwei Jahrzehnte später hat der Holzbau an der Berg ­ straße sein Ende erreicht. F. Die verhinderte Wolmungsreform Unter dieser Spitzmarke finden wir im ersten No ­ vemberlieft des „Kunstwarts“*) folgende beachtenswerte Ausführungen: Daß die Bauern ihre Stuben nicht lüften und selbst bei schönstem Wetter die Fenster geschlossen halten, hat von seinen verschiedenen Gründen den historischen bekanntlich in einer uralten Ueberlieferung. Im Mittel- alter ließ die Furcht vor dem schwarzen Tod und der Pest die Meinung entstehen, die Seuche verbreite sich durch die Luft. Daher die Leute zu bedenklichen Zeiten tief vermummt über die Straße gingen. In der Meinung, Gift würde durch Gegengift entkräftet, hielten sie dann zu Hause die Nasen über die Kloaken. Wo diese Tradition noch festsitzt, hat die moderne Hygiene natürlich einen schweren Stand. Und wo sie weg ­ geräumt ist? Da herrscht die Konvention! Vor kurzem wurde eine Gartenstadt eröffnet, die Ar ­ beitsleuten die Wohltat gesunden Wohnens bot. Da hatten sie nun statt elender Mietwohnungen mit Fenstern auf schmutzige Höfe hinaus — Bäume von grünen Gärten umgeben, Stuben, die Licht, Luft und Sonne freien Zu- ') Verlag Georg C. W. Callwey, München. Vierteljährlich 4M.