376 BÄÜZEITÜNG Nr. 47 Kleine Mitteilungen Württ. Kunstvereiu Stuttgart. Neu ausgestellt: Die für die Yereiuslotterie erworbenen Kunstwerke: 132 Oel- und Temperagemälde, 52 Pastelle, Aquarelle, farbige und andre Zeichnungen, 9 Bronze- und Marmor ­ werke, 11 Originalradierungen, 1 Originalholzschnitt, 1 Originallithographie. Reutlingen. In Anwesenheit des Staatstechnikers für das Wasserversorgungswesen Bauinspektor Groß haben sich die Kollegien dieser Tage mit der wichtigen Aufgabe der Wasserversorgung der Stadt aus den Honauer Quellen befaßt. Die Kosten der Anlage sind auf 700 000 M. berechnet, einschließlich der an die Wasserwerksbesitzer zu zahlenden Entschädigung von 170 000 M. Die Länge der Leitung soll 8680 m bis zur Stadt betragen. Die Honauer Quellen können bis zu 200 Sekundenliter Wasser liefern. Die Anlage soll so erstellt werden, daß sie für 50 000 Einwohner ausreiche. Dementsprechend soll auch die ßöhrenanlage ausgeführt werden. Neben dem schon bestehenden Reservoir im „Steinenberg“ soll ein solches im „Sonnenbau“ errichtet werden, und zwar auf 460 m Höhe. Die alte Grundwasserversorgungsanlage soll auf ­ gehoben werden. Bauinspektor Groß bezeichnete das Projekt als ein durchaus günstiges, das mit verhältnis ­ mäßig geringen Kosten ausgeführt werden könne. Stadt ­ baurat Seible wurde beauftragt, wegen Röhrenlieferung sofort das Erforderliche einzuleiten. Oberndorf. Für das neue städtische Kranken ­ haus ist von der Beratungsstelle für das Baugewerbe ein Bauprogramm entworfen worden, das als Grundlage. für einen unter einer beschränkten Anzahl von Archi ­ tektenfirmen des Landes auszuschreibenden Wettbewerb dient. Die Kosten sollen den Betrag von 180000 M. nicht überschreiten, worin aber der Aufwand für Weg ­ anlagen, Gärten und die innere Einrichtung nicht in ­ begriffen ist. Technisches Komite. Unter dieser Bezeichnung hat sich zur Hebung der sozialen Stellung der höheren Techniker eine Anzahl hervorragender deutscher Archi ­ tekten und Ingenieure vereinigt, der u. a. angehören die Professoren E. Kummer-Berlin und Rehbock-Karlsruhe, Dr.-Ing. v. Rieppel-Nürnberg und Dr.-Ing. v. Oechelhäuser- Dessau. Das Technische Komite richtet seinen Appell an alle deutschen Techniker, die auf Grund ihres Stu ­ diums an einer technischen Hochschule oder auf Grund anderweitig erworbener technischer Kenntnisse und Fähig ­ keiten höhere oder leitende Stellungen in Unternehmungen und Aemtern bekleiden. Das Komite will in ergänzen ­ der Tätigkeit zu den Bestrebungen der Vereine und Verbände der höheren Techniker deren Gesamtinteressen fördern und im deutschen Volk das Verständnis für die technischen Leistungen vertiefen, ist aber unabhängig von dem ebenfalls kürzlich ins Leben getretenen Verein der staatlichen und städtischen Ingenieure Deutschlands. Förderer dieser Bestrebungen wird, wer zu Händen des Technischen Komite einen Jahresbeitrag von mindestens 10 M. entrichtet, wofür ihm die Drucksachen der Ver ­ einigung zugestellt werden. Als Förderer haben sich, um einige bekannte Namen zu nennen, erklärt: Dr.-Ing. v. Bach-Stuttgart, W. H. Bindley-Frankfurt a. M., Dr.- Ing. Voith-Heidenheim, Prof. Pfarr-Darmstadt, Wilhelm v. Siemens; von Vereinen der westpreußische Architekten- und Ingenieurverein in Danzig u. a. m. Es ist inter ­ essant, zu beobachten, wie die Standesfragenbewegung unter den Architekten und Ingenieuren sich überall durch Zusammenschluß gleichgerichteter Kräfte äußert. Die Reichsversicheruiigsordnung soll, wie neuer ­ dings verlautet, nicht mehr Ende November, sondern erst im Januar dem Reichstage zugehen. In Reichstagskreisen nimmt man vielfach an, daß auf eine Erledigung des Gesetzentwurfes bis zum Sommer nicht zu rechnen sei, daß vielmehr eine ausgiebige Besprechung des Entwurfes in der ersten Lesung stattfinden werde, wodurch der Kommission die wünschenswerten Unterlagen für ihre Beratungen beschafft werden. Letztere würden dann bei einer frühzeitigen Vertagung des Reichstages noch vor Pfingsten in der Hauptsache während der Pause bis zum Zusammentritt des Plenums im Herbst 1910 statt- ' finden. Leipzig. Andern Städten, z. B. München, folgend, hat nunmehr auch Leipzig sich entschlossen, die Stelle eines Stadtbaubeamten für Bebauungs ­ pläne neu zu begründen und zum 1. Januar 1910 zu besetzen. Die Bewerber haben sowohl städtebaukünst ­ lerische Befähigung wie auch Erfahrung in der praktischen Aufteilung des Geländes darzutun. Ein Anfangsgehalt von 6000 M. steigt bis 7800 M. Ausgrabung eines germanischen Hauses. Prof. Schuchard vom Museum für Völkerkunde in Berlin hat bei seinen Ausgrabungen an der Römerschanze bei Nedlitz ein germanisches Haus bloßgelegt. Der „ Lokal- Anz.“ berichtet darüber: Das Haus mißt in der Länge 9 m und in der Breite 6 m. Die Längsseite war durch sieben, die Breitseite durch vier Pfähle mar ­ kiert. Bin etwa 1 j / 2 —2 m im Durchmesser großer Steinhaufen. St. Gallen. Die Bauunternehmung des Ricken- Tunnels hat beim Bundesgericht gegenüber den Bundes ­ bahnen eine Mehrforderung von 3,8 Millionen ge ­ stellt. Die Gesamtkosten des Tunnels betragen bisher 14 Millionen, die bisherige Kostenüberschreitung 1,8 Mil ­ lionen. Personalien Württemberg. Verliehen: das Ritterkreuz erster Klasse des Friedriohsordens dem Architekten .1. Cades in Stuttgart an ­ läßlich der Einweihung der Liebfrauenkirche in Cannstatt und dem Baurat Bork har d, Professor an der Baugewerkschule in Stuttgart, anläßlich der nachgesuchten Versetzung in den Ruhestand. Ueber- trageu: die Stelle eines Bauamtswerkmeisters beim techn. Bureau der Ministerialabteilung für den Straßen- und Wasserbau dem Bau ­ amtswerkmeister L. Schick im Bezirksdienst der Straßen- und Wasserbauverwaltung und die hiedurch freigewordene Stelle eines Bauamtswerkmeisters dem Staatsstraßenmeister G. Höschle in Calw, je auf Ansuchen. Baden. Erteilt: dem Oberbaurat A. Court in bei der Generaldirektion der Staatseisenbahnen die Erlaubnis zum Tragen des ihm verliehenen Preuß. Roten Adlerordens dritt e r Klasse. Bücher Neuzeitliche Gärten und Gartenarchitekturen von Kurt Hoppe. 80 Seiten mit 32 ganzseitigen Bildertafeln und mehreren Textbildern. Preis 2 M., gebunden 3 M. Verlag der Westdeutschen Verlags ­ gesellschaft m. b. H. in Wiesbaden 33. Die Gartengestaltung der Neuzeit hat bei uns erst seit einigen Jahren richtig Aufnahme gefunden. Besonders war es die Ausstellung Mannheim, die für neue Ideen Propaganda machte. In Mannheim war es auch, wo zu den bekannten Führern auf dem Gebiete neuzeitlicher Garten ­ gestaltung Sohultze-Nauraburg, Peter Behrens, Olbrich und Länger eine neue Kraft, Kurt Hoppe, getreten ist und in der Konkurrenz mit Behrens und Läuger den Henkel-Garten gestaltete, der mit dem ersten Preise ausgezeichnet wurde und damit auch den Kaiserpreis, die höchste Auszeichnung, erhielt. Kurt Hoppe ist ein junges, viel ­ versprechendes Talent, von dem wir noch viel erwarten können. Das vorliegende Werk enthält eine Reihe seiner größeren Arbeiten, die uns manche neuen Wege zeigen können. Recht gelungen er ­ scheint die Lösung eines Gartenprojektes zwischen den Mauern großstädtischer Mietshäuser. Was hier aus einem kleinen Fleckchen Erde hinter dem Hause gestaltet worden ist, verdient volle Aner ­ kennung. Diesen Bangerschen Hausgarten könnten sich besonders die Hausbesitzer der Städte in vielen Fällen zum Vorbilde nehmen. Verantwortliche Schriftleitung: Chefredakteur und Herausgeber Adolf Fausel. Architekt W. Klatte, beide in Stuttgart. Druck : DeutscheVerlags-Anstalt in Stuttgart.