394 BAUZEITUNG Nr. 50 ERDGESCHOSS Volksbad in München Abb. 2 Auf dem Gebiet der Yolksbrausebäder bietet das vom Stadtbaumeister Luthardt erbaute zweite städtische Brause ­ bad in Chemnitz, eine in jeder Hinsicht bemerkenswerte Lösung der Aufgabe (Abb, 4, 5, 6). Das auf dreieckigem Platz freistehende Gebäude enthält im Erdgeschoß eine große Männer- und eine kleine Frauenabteilung, jede mit besonderem Eingang, Warteraum, Abort und ausschließ ­ lich Brausen. Für Frauen sind drei Brausezellen vor ­ handen, für Männer zwölf, die auf zwei getrennte Räume verteilt sind. Jede Zelle hat kaltes und warmes Wasser in der Brause. Das Gebäude ist einfach, aber solid aus ­ geführt. Zur Hebung der Rentabilität bzw. zur Verminderung der Baukosten werden auch die Yolksbrausebäder mit andern städtischen Anlagen zusaramengelegt. Ein solches Beispiel ist das Yolksbad an der Marstallstraße in Magde ­ burg, das mit einer Desinfektionsanstalt und einer ge ­ sonderten Warmbadeabteilung für skrofulöse Kinder ver ­ bunden ist (Abb. 7). Das Brausebad ist mit der Schmal ­ seite bis an die Straße vorgerückt. Die Brausezellen, acht für Frauen, zwölf für Männer, sind 2,40 zu 1,25 m groß und durch 2,20 m hohe Wellblechwäude in den einheitlichen Baderaum eingebaut. Die Abteilung für Skrofulöse ist mit fünf Wannen ausgestattet. Die Des ­ infektionsanstalt ist so weit zurückgeschoben, daß ein Yor- hoftür die Abfuhr desinfizierter Sachen verblieb; die Anfahrt erfolgt auf der entgegengesetzten Seite. Die badetechnische Einrichtung kostete 6700 M., der von Stadtbaurat Peters entworfene und ausgefühlte Bau 20000 M. In den Abb. 8 und 9 wird ein Thermal ­ schwimmbad vorgeführt. Müllheim in Baden, ein Städtchen von 3000 Einwohnern, genießt den Vorzug, eine kleine Schwimmbadeanstalt zu besitzen, die in Ermanglung von Süßwasser durch eine Thermalquelle von 20° und 10 bis 12 cbm stündlicher Ergiebigkeit gespeist wird. Wie aus Grundriß und Schnitt ersicht ­ lich, liegen neben dem Eingang E vier Wannen ­ bäder, die aus der Wasserleitung versorgt werden, vor ihnen eine offene Halle, die durch Wartezimmer W und den Heiz- und Kessel ­ raum K begrenzt wird; über W und K ist das Warm- und Kaltwasserreservoir aufgestellt. Das Schwimmbecken von 21,5 zu 12 m Größe wird von einer gedeckten Halle umzogen, die an den Langseiten 28 Zellen Z und 2 offene Auskleideräume A enthält. Dem Eingang gegenüber befindet sich der Duschraum D mit verschiedenen Brausen und Duschen, und darunter ein Sturzbad, welches das Wasser aus dem Schwimmbecken erhält. Die erforder ­ lichen Reinigungsräume R sind in die beiden Eckbauten gelegt und empfangen ihr Wasser aus dem Ueberlauf des Schwimmbeckens. Ein Geräteraum G und ein Abort vervollständigen die Anlage. Die Wannenbäder sind heizbar, und zwar durch Dampf aus dem Kessel K, der auch mittels Kupferschlange in dem darüberstehenden Reservoir das, nötige Warmwasser bereitet. F. Unterirdischer Friedhof Schon seit längerer Zeit hat Prof. Aug. Thiersch (nicht zu verwechseln mit Friedrich v. Thiersch, dem Erbauer des Wiesbadener Kurhauses und der Frank ­ furter Pesthalle) den Plan zu einer großen Fried ­ hofsanlage für die Vorstadt Schwabing zur Erörterung gestellt. Wie verlautet, will jetzt die Gemeinde dem Projekt näbertreten. An zwei Uebelständen, so läßt ein Mitarbeiter der „Frkf. Ztg.“ Prof. Thiersch seinen Entwurf erläutern, leiden heute unsre Friedhöfe: an der Notwendigkeit wiederholter Benutzung der Gräber und an der Anhäufung von Grabsteinen über der Erde. Deshalb schlägt er vor, die gesamte Gruftanlage in die Unterwelt zu verlegen, und darüber einen Garten mit Bauten zu errichten, die teils zum Gebrauch bei der Bei ­ setzung, teils zum Schmuck des Ganzen dienen sollen. Wie man sieht, geht die Neuheit auf uralte Friedhofs ­ bauten zurück. Besonders das Beispiel von Alexandria wirkt nach, wo ausgehend von großen Höfen oder Wandel ­ gängen eine Anzahl von Zimmern und Kammern mit Nischen und Schubgräbern aus dem Felsen ausgehauen ist. Auch die Krypten der romani ­ schen Kirchen zeigen, wie man weiß, die Auf ­ bahrung in Gewölben unter der Erde, von den Katakomben Roms ganz zu schweigen. Das neue Projekt ist für einen Platz von etwa 3 ha gedacht und zeigt im Grundriß ein größeres und ein kleineres Quadrat, die von je einer breiten Mittelachse, sog. Vorhöfen, durchquert sind. Um diese Achsen sind nun die Gräberfelder unterirdisch streng geometrisch geordnet. Rund herum, an den Umfassungs ­ mauern entlang ziehen sich Wandelgänge mit hohem Seitenlicht, und auch die Yorhöfe sollen dieses Licht und zugleich frische Luft ausgiebig von oben her erhalten. Den Haupteingang bildet ein großes antikisierendes Tor mit Ko- lossaltiguren. Auf die Seitenflügel sind Ehren ­ denkmäler in Form antiker Mausoleen errichtet. Ueber der Mitte des großen Vorhofes erhebt sich die Einsegnungshalle als architektonische I. OBERGESCHOSS li | fl | tfljTfüT Yolksbad in München Abb. 3 Grundriß