50 BAUZEITUNG Nr. 7 Wettbewerbsentwurf Corpshaus „Suevia“ München 1. Belobung Schaubild Verfasser: Dipl.-Ing. Otto Bengel, Architekt, München-Bietigheim Gängen noch die Hälfte zu Wohnzwecken ausgenützt werden darf. Beträgt sonach die Grundfläche des Dachgeschosses 250 qm, die der Treppen und Gänge 40 qm, so ergeben 250-40 sich als zu Wohnzwecken ausnützbar —^— = 105 qm. Mit dieser strikten, jedoch folgerichtigen Auslegung der Bestimmung wurde, wegen der sich ergebenden Schwierigkeiten und um allzugroße Härten zu vermeiden, gebrochen, seitdem das K. Min. des Innern in einem Stutt ­ garter Baufall dahin entschieden hat, daß nichts erinnert werde, wenn die erwähnte Bestimmung dahin ausgelegt wird, daß das Dachgeschoß dann nicht als volles Stock ­ werk gilt, wenn höchstens die halbe Grundfläche zu Wohnzwecken ausgebaut wird und die andere Hälfte aus Nebenräumen, Treppen und Gängen besteht. Auf obiges Zahlenbeispiel umgesetzt ergibt sich so: Zul. Ausbau = T reppen+Gänge -j-Nebenr. = 250 2 125 qm. Der Zahlenvergleich zeigt, daß hierin gegenüber der ur ­ sprünglichen Berechnung eine wesentliche Milderung zu erblicken ist. Nun bleiben jedoch noch die Fragen offen: 1) Wie berechnet sich die Gesamtfläche überhaupt? Sind die lichten Maße des Dachgeschoßgrundrisses oder die Außenmaße zu Grund zu legen? 2) Wie berechnet sich die Grundfläche des Ausbaues? 3) Was ist unter „Wohnzweck“ im Sinne des § 28 der V.V. zu verstehen? Bei der Beantwortung der Fragen Ziff. 1 und 2 ist zu ­ nächst davon auszugehen, daß die Berechnungsweise so ­ wohl im Interesse des Entwerfenden, als auch in dem des prüfenden und kontrollierenden Beamten eine mög ­ lichst einfache sein soll und muß. In dieser Erwägung ist eine vom K. Min. des Innern nicht beanstandete Berechnungsweise zur Uebung ge ­ macht worden, dahingehend, daß; a) als Grundfläche der Dachgeschoßgrundriß in seiner Oesamtprojektion — Außenmaße — in Rechnung zu stellen ist (freibleibende, nicht in die Dachfläche einbe ­ zogene Terrassen etc. schalten hiebei aus). b) für die Ermittlung des zulässigen Ausbaues die lichten Maße der Wohnzwecken dienenden Räume zu nehmen sind. Die in Ziff. 3 aufgeworfene Frage dürfte endlich dahin zu beantworten sein: Als Wohnzwecken dienend sind zunächst sämtliche Wohn- und Schlafräume, sowie die sonstigen zum länge ­ ren Aufenthalt von Menschen dienenden Räume, z. B. Küchen und Mädchenkammern, anzusehen; dann aber auch in weiterem Sinne sämtliche mit einer selbständigen Dachstockwohnung in wirtschaftlichem Zusammenhang stehenden Gelasse — Badezimmer, Kastenstube, Speise ­ kammer und Abort. Wird nach dieser Berechnungsweise und Auslegung die Dachgeschoßausnützung ermittelt, so ergibt sich in allen Fällen ein so günstiges Resultat, daß das seither vom bau ­ enden Publikum der Bestimmung des § 28 Abs. 2 Ziff. 2 c entgegengestellte Mißtrauen schwinden muß. In einem einfachen praktischen Beispiel sei der Beweis hiefür zeichnerisch erbracht. Es handelt sich hier um das Dachgeschoß eines größeren dreistöckigen Wohnhauses; die Grundfläche des Dachgeschosses beträgt 13,0:22,0m = 286 qm, die zu Wohnzwecken ausnützbare Fläche dem ­ nach 143 qm. Nach genauer Ermittlung kann in diesem Fall eine Wohnung von 4 Zimmern mit allem Zubehör und außer ­ dem noch eine bewohnbare Kammer eingebaut werden. Der Rest, also Nebenräume, Treppen, Gänge, die in der Dachschräge liegenden toten Räume bezw. als Kasten ­ räume ausgenutzten Teilen bilden die andere Hälfte der Dachgeschoßgrundfläche. O. W. Wettbewerb Corpshaus „Suevia“ München Zur Erlangung von Entwürfen für ein Corpshaus der „Suevia“ zu München wurde vom Corpshausverein ein Wettbewerb unter den reichsdeutschen Architekten ausge ­ schrieben. Für die Anordnung der Räume war vorgeschrieben; Im Keller oder hohen Sockelgeschoß: Kegelbahn mit Kegelstube; Küche mit Spülküche, Anrichte etc.; Küchen ­ keller; Bierkeller mit Bieraufzug von der Straße; Wein ­ Corpshausverein „Suevia“ München Erdgeschoßgrundriß