52 BAUZEITUNG Nr. 7 Der Schutz des geistigen Eigentums und das Ebinger Rathaus Der Wettbewerb um das Ebinger Rathaus im Jahre 1911 darf als bekannt vorausgesetzt werden. (Vgl. Württ. Bauzeitung, Jahrgang 1911, Nr. 46 und 48.) Als Träger des 1. Preises waren mir zwar vom Stadt ­ schultheißenamt und beteiligten Oemeinderäten alle Aus ­ sichten auf Uebertragung der Planbearbeitung und Ober ­ leitung gemacht worden, während die örtliche Bauleitung dem Ebinger Stadtbaumeister, der als Preisrichter funk ­ tionierte und einen Entwurf außer Wettbewerb eingereicht hatte, verbleiben sollte. wurf zu Grund: Der Grundriß ist nur in unwesentlichen Einzelheiten abgeändert und auch der äußeren Erschei ­ nung sieht man an, daß kein grundsätzlich neuer Entwurf gemacht wurde, sondern nur einzelne Bauglieder nach Geschmack des Bauleiters verschoben und abgeändert wurden. Ebenso zweifellos aber ist, daß der künstlerische Ge ­ danke, der in meinem Entwurf zum Ausdruck kommt, vollständig „hinausgeändert“ und gänzlich verloren ge ­ gangen ist: Das innere Gleichgewicht der Baumassen ist durch Streichung des Hauptgiebels und durch die Häu ­ fung der Massen von Turm und Saalgiebel vollständig aufgehoben; die zarte Gesimsbildung, die dem Bau seine Proportionen gab, ist durch schwere und weitausladende Rathaus Ebingen Wie es nun kam, daß in der Folge der Stadtbaumeister und Preisrichter beauftragt wurde, die Planbearbeitung und Ausführung meines Entwurfes zu übernehmen, ist eine Geschichte für sich, die hier unerörtert bleiben soll. Ich begnüge mich damit, festzustellen, daß ich, abgesehen von der Konkurrenzarbeit, mit der Ausführung nichts zu tun gehabt habe. Bei der Einweihung wurde in allen Blättern freundlich mein Name mit dem des Stadtbaumeisters als Autor ge ­ nannt. Auch sonst habe ich oft das Vergnügen, als geis ­ tiger Vater dieses Ebinger Rathauses genannt und befragt zu werden. Leider habe ich alle Ursache, diese Vater ­ schaft wenn nicht ganz abzulehnen, so wenigstens auf das mir wirklich zukommende Maß zu beschränken. Die umstehenden Abbildungen von Entwurf und Ausführung (vom gleichen Standpunkt aus) zeigen wohl jedem Beschauer sofort, daß mein Entwurf in einer solchen Weise umgeändert worden ist, daß weder ich noch der Stadtbaumeister von Rechts wegen als Verfasser genannt werden kann. Zweifellos liegt der Ausführung mein Ent- Entwurf Gesimse ersetzt; statt der im letzten Feld bewußt abge ­ setzten Arkaden ist jetzt der ganze Baukörper unterhöhlt und durchlöchert; die durch den Längsfirst betonte Straßen- und Platzwirkung ist durch den ums Eck laufen ­ den First zerstört; die dem Grundriß entsprechende, un ­ regelmäßige Fenstereinteilung, die die Wagrechte betont und die Senkrechte aufheben sollte, ist in gleiche Axen um ­ gewandelt, — kurz, so ziemlich alle Gedanken und Be ­ sonderheiten des Entwurfs sind in der Ausführung ver ­ schwunden. Daß ich unter diesen Umständen die Mitwirkung und Autorschaft an dem ausgeführten Bau aus künstlerischer Ueberzeugung ablehnen muß, dürfte wohl jedem einleuch ­ ten und ich muß Freude und Stolz über das Werk dem Bauleiter ganz allein überlassen. Der Zweck dieser Zeilen ist aber auch noch ein ande ­ rer; Das Ebinger Rathaus scheint mir eines der sinnfäl ­ ligsten Beispiele zu sein, um die Unhaltbarkeit unserer Zustände bezüglich des Schutzes des geistigen Eigentums zu beweisen. Gesetzlich stehen dem Architekten keine