STUTTGART DTjTO rc März 1914 FÜR WÜRTTEMBERG BHDEMHESSENEL SHSS LOTHRINGEN- Inhalt: Entwürfe für kleine Kirchen. — Tödlicher Unfall durch Herabfallen einer Turm ­ spitze. — Standesinteressen. — Vom Holzmarkt. — Vereinsmitteilungen. — Wett ­ bewerbe. — Kleine Mitteilungen. — Eine Mahnung. — Personalien. — Bücher. Alle Rechte Vorbehalten. Entwürfe für kleine Kirchen Im Februar vorigen Jahres schrieb die oberste kirch ­ liche Behörde in Sachsen unter den deutschen Architekten einen Wettbewerb für kleine evangelische Kirchen mit zirka 100—400 Sitzplätzen aus. Mit Rücksicht auf die Kosten sollte von der Verwen ­ dung architektonischer Zierformen möglichst Abstand genommen werden. Das Landeskonsistorium ging von der Auffassung aus, der schlichte Aufbau einfacher alter Land- und kleiner Stadtkirchen böte |so viel des Schönen und Kirchlichen, daß auch bei Neuplanungen versucht werden müsse, ähnliches mit einfachen Mitteln zu er ­ reichen. Daß dabei die würdige Ausbildung des Ein ­ gangstores und ähnlicher Teile nicht vernachlässigt werden sollte, war selbstverständlich. Zahlreich, beinahe zu zahl ­ reich, haben die deutschen Architekten dieser aus neu ­ zeitlichem Geist entstandenen Anregung Folge geleistet. Es waren bis zum bestimmten Termin 733 Entwürfe aus allen Gauen des Deutschen Reiches eingelaufen. Cornelius Gurlitt schreibt hiezu: Die Anregung ist in weite Kreise der Theologen wie der Architekten getragen; es hat sich gezeigt, daß die Kräfte vorhanden sind, um den neuen Weg in einer dem Wesen der Kirche angemessenen würdigen Form zu gehen. Neuem, in Schlichtheit schönem, in Heimatliebe vertieftem Schaffen ist die Bahn geöffnet; es ist der Ver ­ such gewagt und es werden ihm hoffentlich bald bauliche Taten folgen, in denen die deutschen Architekten ver ­ bunden mit Theologen den Gemeinden Kirchen schaffen, die dem lebendigen Gemeindebewußtsein der Gegenwart und dem Geiste der Gottesverehrung bei gleicher künst ­ lerischer Höhe ebenso nahe stehen, wie die vielbewun ­ derten Bauten unserer Väter in unseren Dörfern und kleinen Städten. Die evangelische Kirche baut sich auf auf dem Leben der Gemeinden. Dome und Kathedralen zu schaffen ist ihr versagt: Sie muß und will im Kleinen groß sein, sie muß und will dem Kleinen und Kleinsten in ihren Gemeinden dienen. Innerlichkeit und Versenken in das eigene Herz ist ihr Hort und ihr Halt: Dort liegen die Wurzeln ihrer Kraft. Die deutschen Architekten haben das Mahnen, das an sie herantrat, verstanden. Begegnet es sich doch mit ihrem Streben auf Einfachheit, Ruhe, Sachlichkeit, Bann ­ wirkung und innerliche Geschlossenheit, das mit starken Zügen das Schaffen unserer Tage beherrscht. Unsere heutigen Abbildungen zeigen einen in die engste Wahl gelangten Entwurf des Architekten Ludwig Bührer-Stuttgart, welcher folgenden Hauptleitgedanken zu Grund legte: Wettbewerb Kleine Kirchen Dorfkirche Schaubild (In engster Wahl) Architekt: Ludwig Bührer- Stuttgart