106 BAUZEITUNÖ Nr. 14 Erpresserpolitik spricht, wenn es ihr einmal nicht gelingt, ihrer Meinung in vollem Umfang zum Durchbruch zu ver ­ helfen. Die Abänderungsanträge bewegen sich durchweg in der Richtung der von nachfolgenden Stuttgarter Architek ­ tenvereinen zum Entwurf der Ortsbausatzung eingereich ­ ten Aenderungsvorschläge: Architekten-Club Stuttgart, Architekten-Verein Stuttgart, Architekten-Vereinigung der Vororte, Baugewerke-Verein Stuttgart, Bauhütte Stuttgart, Bauwerkmeister-Verein Württembergs, Sektion Neckar ­ kreis, Verein für Baukunde. Diese wiederum haben als ihre Vertreter für die Arbeit zum Ortsbaustatut ältere erfahrene Männer be ­ rufen, hochangesehene Architekten Stuttgarts , - Jreie Kirchliche Monüfrientalarchitektur in England Es gibt wohl kaum eine altenglische Stadt, die sich nicht durch große landschaftbeherrschende Kirchenbaumassen auszeichnen würde. Abb. 1 gibt dieses häufige Fernbild der englischen Stadt, wobei die kleinere Friedhofskirche im Vordergründe die perspektivische Fernwirkung vor ­ züglich empfinden läßt. Sehen wir nun von dem üblichen, meist schulmäßig Gebotenen ab, so findet echtes Künstlerempfinden noch eine Fülle anregender Baugedanken von neuer, befruch ­ tender Wirkung: Abb. 2 ein der Normannenzeit entnom ­ menes, so gut wie unbekanntes Bauwerk. Wenn über ­ haupt einer einmal nach Winchester kommt, so pflegt er an der Kathedrale des Bädeckersternleins genug gesehen zu haben. Eine Stunde davon finden wir diese Heilig-Kreuz- Künstler und hochgestellte Beamte, die durch ihre Lebens ­ arbeit sich die Kenntnisse und _die Fähigkeiten erworben haben, die die Berechtigung zur Mitarbeit in dieser außer ­ ordentlich schwierigen Materie mit sich bringen. Den Vorschlägen dieser Vereine, die in der Rathauskommission nach Meinung der bürgerlichen Rathausvertreter nicht ge ­ nügend Berücksichtigung gefunden haben, nähern sich, um dies nochmals zu betonen, die Abänderungsvorschläge der bürgerlichen Fraktionen und nunmehr wird in Ent- rüstungs- und Protestversammlungen gemacht, als ob eine Horde Vandalen in das schöne Stuttgarter Tal eingebro ­ chen sei, dieses zu verwüsten. Man tut so und glaubt vielfach tatsächlich, als ob man das bestehende alte Statut rückwärts revidieren wolle, wäh ­ rend es sich in der Tat doch bloß darum handelt, einige wichtigere Paragraphen in soweit zu kürzen, daß sie einen „mittleren Vorschlag“ bedeuten zwischen den Vorschriften der neuen Bauordnung und den Vorschlägen des Ent ­ wurfs der Kommission. Es ist notwendig, auch hier dar ­ auf hinzuweisen, daß die vor zwei Jahren in Kraft ge ­ tretene neue Württ. Bauordnung, also das Landesbau ­ gesetz, das für alle Gemeinden die Mindestforderungen stellt, unter die keine Gemeinde heruntergehen kann, selbst schon einen bedeutsamen Fortschritt in neuzeitlicher kom ­ munaler Baupolitik bedeutet. Die einzelnen Paragraphen behandelt ein 2. Artikel. (Schluß folgt.) kirche samt Hospital, Refectorium, malerischem Innenhof usw., gleichzeitig eine Fundgrube für Maler und Bildhauer. Ein Schulbeispiel ist Abb. 3. Das Gegensätzliche des Horizontalismus der Westfront und des Vertikalismus der Turmbauten kommt jedoch nur in der photographi ­ schen Wiedergabe voll zur Geltung. Die Kirche selbst liegt auf der stadtbeherrschenden Höhe. Die architek ­ tonische Wechselbeziehung zwischen Straße und Kirchen ­ masse pflegt, wie überall im Mittelalter, mehr von zufäl ­ liger Wirkung zu sein (Abb. 4). Die Kirche wird meist umgeben von der rings ummauerten, durch reich behan ­ delte Torbauten von der Straße abgegrenzten Dom - Immunität. Begeben wir uns in eine solche Kirche, so zieht uns Heutige vor allem an, einmal die wundervollen Monumentalfenster mit echter, alter Glasmalerei von tep ­ pichartiger Wirkung, wie der reiche Grabmalschmuck aller Zeiten; in zweiter Linie sind es die englischen Eigen ­ tümlichkeiten, wie der Transeptabschluß von Wells (Abb. 6), als einer statisch wohlbegründeten Steinkonstruktion. Abb. 7 läßt uns einen Blick tun in die unter Abb. 5 sich befindende Kripta normännischer Zeit. Dieser Zeitperiode ist auch Abb. 8 zuzusprechen von normannisch-origineller Auffassung des römischen Kompositkapitels. Wenn auch aus späterer Zeit, so sei doch das hölzerne originelle Ziffernblatt (Abb. 9) nicht vorenthalten. Verschiedene kon ­ zentrische Kreisringe bewegen sich mit durch Kugeln fest- markierte Punkte am Ziffernblatt entlang, während ein scharfer Radialstrich am oberen Minutenblatt die genaue Zeitablesung ermöglicht. Dr.-Ing. Chr. Klaiber, Schw. Gmünd.