18. April 1914 BAUZEITUNO 123 Backnang. Aspacher Brücke über die Murr Ueber die Form statischer Berechnungen Eine technisch-pädagogische Epistel von W. Schnidtmann, Bauinspektor, Stuttgart Mehr als es im ersten Augenblick scheint, ist die Form einer statischen Berechnung von Bedeutung für alle, wel ­ che sich mit ihr zu beschäftigen haben. Sie beeinflußt nicht nur indirekt die Sicherheit des Rechnungsergebnisses, insofern eine schlechte oder falsche Darstellungsweise nur zu leicht auch Anlaß zu sachlichen Unrichtigkeiten bietet, sondern ist auch mitbestimmend für den Arbeits- und Zeit ­ aufwand sowohl des Verfertigers selbst, wie eines jeden, dem sie auf der Baustelle zur Kontrolle oder als eine Er ­ gänzung der Pläne dienen soll. Und das ist keineswegs etwa nur der Baupolizeibeamte (dessen Unterstützung ja wohl manchem Bauunternehmer nicht gerade als dringen ­ des Bedürfnis erscheinen wird), sondern das ist in den meisten Fällen der eigene Kollege oder Angestellte, der in Ausübung der Bauführung den Verfasser der Berechnung, sei es ständig, sei es gerade zufällig, zu vertreten hat. Es ist unzweifelhaft, eine formell schlechte statische Berech ­ nung verstößt gegen einen Hauptgrundsatz eines tech ­ nischen Betriebes: „Vergeude keine Energie.“ Wenn nun im Folgenden einige Punkte betont werden, die zur Erreichung einer korrekten Form nötig sind, so wird Mancher von denen, die sich seltener mit statischen Berechnungen befassen — und an diese wenden sich diese Zeilen vor allem — dieselben zunächst vielleicht als selbst ­ verständlich und daher überflüssig zu bezeichnen geneigt sein. Und doch sind sie es nicht, wie gerade der geübte Statiker weiß, und wie jeder, dem die berufliche Verpflich ­ tung zur Prüfung statischer Berechnungen obliegt, aus Erfahrung bestätigen muß. Auch für den Rechner gibt es gewissermaßen Handwerksregeln, die er um so mehr zu schätzen lernt, je mehr er sie anwendet, und deren Nutzen umso größer ist, je gewohnheitsmäßiger ihre Verwendung erfolgt. Ein Haupterfordernis der Berechnung ist ihre Ueber- sichtlichkeit. Dieselbe wird erreicht, indem einerseits die Gesamtkonstruktion in immer kleiner werdende Abteilun ­ gen und Unterabteilungen zergliedert wird, bis herab zu den einfachen Konstruktionsteilen, die dann mit Kenn ­ zeichen (Ziffern oder Buchstaben, den sog. Positionsnum ­ mern) versehen werden, andererseits durch eine zweck ­ mäßige Reihenfolge der zu berechnenden Teile. Letztere ergibt sich aus dem Grad der Abhängigkeit der Konstruk ­ tionsglieder von der Oesamtkonstruktion, so daß jene, deren Bestimmung der wenigsten Voraussetzungen be ­ darf, zuerst zu berechnen sind. So einfach und natürlich dieses Prinzip klingt, so häufig sind doch Verstöße gegen dasselbe, indem zuerst die Hauptglieder unter vorläufig schätzungsweiser Berücksichtigung der Nebenglieder und dann erst diese selbst berechnet werden. Eine ungenaue, vielleicht auch unrichtige Ermittlung der letzteren oder die Notwendigkeit einer doppelten Rechnung ist in der Regel die unerwünschte Folge des verkehrten Vorgehens. Kürze ist auch bei einer statischen Berechnung eine gute Würze; allein sie soll angestrebt werden durch eine mathematische, durch die ganze Berechnung sich folge ­ richtig hindurchziehende Bezeichnung der statischen