222 BAUZEITUNG Nr. 28 Maßnahmen an dem Abbruch zu beaufsichtigen und zu leiten hat, ein Verschulden trifft. Letzteres wird gewöhn ­ lich aus den allgemeinen Bestimmungen des § 823 BGB. haftbar gemacht werden, wenn er den Schaden fahr- läßig herbeigeführt hat. Im vorliegenden Prozeß war ein Schaden durch das Niederreißen eines Eckpfeilers ent ­ standen. Der Kaufmann H. besaß in der Paradiesstraße zu Stolp ein Grundstück, das er im Herbst 1900 durch einen Neubau ersetzen ließ. Bei dem Abbruch des Ge ­ bäudes wurde das benachbarte Haus des Büchsen ­ machers M. beschädigt, zeigte Risse und mußte auf polizeiliche Verordnung niedergerissen werden. Einen Teil des entstandenen Schadens versuchte nun M. von H. einzuklagen, wurde aber rechtskräftig abgewiesen, da H. die technische Leitung über den ganzen Bau übertragen worden sei, obwohl sich H. Vorbehalten habe, einige Arbeiten mit seinen Leuten selbst auszuführen. Deshalb treffe R. auch die Verantwortung für vorgekommene tech ­ nische Versehen. Zwar habe H. den Befehl zum Ab ­ reißen des Pfeilers gegeben, dadurch werde aber nicht R. von seiner Verantwortlichkeit befreit. R. genüge seiner Sorgfaltspflicht nicht schon dann, wenn er keine ver ­ fehlten Maßnahmen anordne, er habe auch dafür Sorge zu tragen, daß dies nicht durch dritte Personen geschehe. Da H. ein Laie sei, so wäre es dringende Pflicht des Bauleiters gewesen, zu beobachten, daß durch das Ein ­ greifen des H. kein Schaden erwachse. Er habe es aber an dieser Sorgfalt fehlen lassen und hafte daher nach Gewerbe- und Industrie-Ausstellung Ludwigsburg genügend technische Bauleitung für den Umbau bestellt habe. Jetzt erhob M. gegen den Bauleiter des Umbaues, den Baumeister R, beim Landgericht Stolp eine Schadens ­ ersatzklage. In erster Instanz wurde er abgewiesen. Auf seine Revision gegen ein gleichfalls den Anspruch ab ­ weisendes Urteil des Oberlandesgerichts Stettin hob das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache zurück. In der neuen Verhandlung bejahte das Oberlandesgericht Stettin die Frage, ob R. für den durch das Niederreißen des Eckpfeilers entstandenen Schaden aufkommen müsse, erkannte den Anspruch des Klägers als dem Grunde nach gerechtfertigt und führte in dieser Beziehung zur Be ­ gründung des Urteils aus: Die Haftung des Bauleiters sei aus § 823 BGB. begründet. Man habe zuerst ver ­ sucht, den Pfeiler mit einer Leine gewaltsam umzureißen, den Rest habe man dann Stein für Stein abgetragen. Der Versuch aber, den Eckpfeiler gewaltsam umzureißen, stehe mit den Rissen am Hause des M. im ursächlichen Zusammenhang. Es sei auch festgestellt, daß dem R. § 823 BGB. Die von dem Baumeister R. beim Reichs ­ gericht eingelegte Revision, wurde zurückgewiesen. Der 6. Zivilsenat des höchsten Gerichtshofes schloß sich den Ausführungen des Vorderrichters an. Vereinsmitteilungen Hess. Techniker-Verband. Kollege Bauaspirant Schrei ­ ber zu Frankfurt a. M., Spessartstr. 13 I, seither in Stel ­ lung bei Architekt Otto Bäppler, leitete in den letzten 2J4 Jahren die umfangreichen Geschäftshausneubauten für die Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt zu Frankfurt a. M. Genannte Firma hat nun Herrn Schreiber als Leiter des von ihr neu errichteten Baubüros für die künftigen Bauarbeiten als selbständigen Bauleiter angenommen. — Kollege Bauaspirant Jean Degen, seither in Wongro- witz bei der Kgl. Eisenbahndirektion Bromberg in Stel ­ lung, ist ab 1. Mai ds. Js. als Ersatz für Bauasp. Schreiber in das Architekturbüro von Arch. Otto Bäppler, Frank ­ furt a. M. eingetreten. Wohnung; Spessartstr. 13 II.