226 BAUZEITUNG Nr. 29 gelegenheit, Aborte und Pissoirs ist in jedem Stock ge ­ nügend zu sorgen. Für die Säle ist eine Kleiderablage vorzusehen. Der Grundriß ist so zu gestalten, daß später eine Vergrößerung ohne bauliche Veränderungen des jet ­ zigen Gebäudes möglich ist. Diese Vergrößerung ist im Grundriß anzugeben. Bei den Kanzleien wird auf som ­ merliche Lage ein Hauptwert gelegt, die Säle sollen also nicht an die Südseite zu liegen kommen. Preise an sich wurden nicht festgelegt, dagegen sollte jede der eingeladenen Firmen ein Honorar von 350 M. erhalten. Der Architekt, dessen Entwurf als der Beste für die Ausführung bezeichnet werde, soll als künstlerischer Berater dem Bau gewonnen werden und war dafür ein Honorar von 3000 M. festgesetzt worden. Die örtliche Bauleitung wird dem Ortsbauamt übertragen. Als Preis ­ richter waren bestellt: Professor Bonatz, Oberbaurat Schmohl-Stuttgart, Schultheiß Silier, Qemeinderat Bau ­ unternehmer Gail, Gemeinderat Joohs, Bürgerausschuß- Projekt Nr. 6 „Kleinstadt-Rathaus“, Verf. Architekt Gust. Schmid, Kornwestheim, ist die drittbeste Arbeit. Der Grundriß ist im großen Ganzen gut, doch sind einige Räume zu tief. Die Architektur zeigt zu sehr einen Wohn ­ hausstil. Die berechneten Baukosten der drei besten Projekte schwanken zwischen 145 000 und 155 000 M. Da eine so geringe Preisdifferenz vorhanden war, wurde die Höhe der Baukosten bei der Bewertung nicht in Betracht ge ­ zogen. Arbeitseinstellung während des Baues Kann auch eine Aussperrung als Arbeitseinstellung angesehen werden? Ein Baumeister hatte einen Bau übernommen. In dem Wett ­ bewerbs ­ entwurf Rathaus Korn ­ westheim I. Preis Verfasser: Oberbaurat Eisenlohr und O. Pfennig Architekten Stuttgart obmann Fabrikant Sigle, Ortsbaum. Mauk-Kornwestheim. Aus dem Protokoll des Preisgerichts ist zu entnehmen: Nach zwei Rundgängen blieben drei Entwürfe in engerer Wahl. Nr. 5 „Schwabenstreich“, Nr. 6 „Kleinstadtrat ­ haus“, Nr. 12 „1. Mai“. Bei der genauen Prüfung dieser Pläne stellte sich heraus, daß die Arbeit Nr. 12, Kennwort „1. Mai“, Verfasser Oberbaurat Eisenlohr und Architekt Pfennig, Stuttgart, weitaus die beste ist. Der Grundriß ist gut und übersichtlich, die Kanzleien haben ' in der Hauptsache eine Südlage. Die Architektur ist gut, beson ­ ders glücklich ist die Verbindung des Gebäudes mit der anstoßenden Mauer. Im großen Ganzen hat der Archi ­ tekt es verstanden, mit wenig Mitteln ein wirkungsvolles, für die hiesigen Verhältnisse passendes Rathaus zu schaf ­ fen. Besonders angenehm wirkt der nördlich vom Rat ­ haus angelegte Garten. Wünschenswert wäre es, wenn die Architektur sich mehr unserem Unterlandtyp anpassen würde. Um das Gebäude vom Verkehr etwas abzurük- ken, dürfte es sich empfehlen, vor dem Rathaus einen 6 bis 8 m breiten Platz auf Straßenhöhe anzulegen, der nett mit einer Baumreihe bepflanzt werden könnte. Projekt Nr. 5 „Schwabenstreich“, Verf. Architekten Gebr. Moser, Ulm-Fellbach, ist die zweitbeste Arbeit. Grundriß ist gut, die Architektur ansprechend. Bauverträge war ein bestimmter Termin für die Fertig ­ stellung des Gebäudes vorgesehen und eine Vertragsstrafe für jeden Tag der Fristüberschreitung vereinbart worden. Nur wenn Arbeitseinstellungen einträten, sollte die Frist für die Fertigstellung um die entsprechende Zeit verlängert werden. In der fraglichen Zeit kam es nun zu Differenzen zwi ­ schen den Bauarbeitern und den Arbeitgeberen, und letz ­ tere nahmen in beträchtlichem Umfang Aussperrungen vor, wovon auch die Arbeiter des in Rede stehenden Neu ­ baues betroffen wurden. Infolgedessen verzögerte sich die Fertigstellung des Gebäudes ganz erheblich, und als der Baumeister nach Beendigung der Arbeiten seinen Lohn forderte, machte der Bauherr einen beträchtlichen Abzug, indem er behauptete, hier liege nicht der in seinem Ver ­ trag mit dem Baumeister vorgesehene Fall der „Arbeits ­ einstellung“ vor, da ja die Arbeiter „ausgesperrt“ worden seien. Indessen hat das Oberlandesgericht Darmstadt dem Baumeister, welcher im Wege der Klage den Restlohn forderte, recht gegeben, und das Reichsgericht hat diese Entscheidung bestätigt. Im vorliegenden Falle, so äußerte sich der höchste Gerichtshof, ist das in dem Vertrage der Parteien gebrauchte Wort „Arbeitseinstellung“ nicht in