240 BAUZEITUNG Nr. 30 stattfindende Besichtigung der Stollenanlage für die Landes ­ wasserversorgung aufmerksam gemacht und zu reger Be ­ teiligung wiederholt eingeladen. Treffpunkt für die Teil ­ nehmer morgens 8 Uhr am Bahnhof in Fellbach. Deutscher Arbeitgeberbund für das Baugewerbe. Mitteilungen. 1. Die nächste Durchsicht und Geneh ­ migung von Tarifverträgen findet am lO. und 11. August d. Js. statt. 2. Den Bezirks- und Landesverbänden wird in den nächsten Tagen die 2. Lieferung der Entschei ­ dungen des Haupttarifamtes für das Baugewerbe Nr. 94 bis 170 von der Druckerei Otto Elsner-Berlin direkt übersandt. Kleine Mitteilungen Cöln. Der 24. Delegiertentag des Verbandes deutscher Kunstgewerbevereine wurde am 2. Juli im Saale der Far ­ benschau der Cölner Werkbundausstellung durch den Vorsitzenden Geh. Regierungsrat Dr-.Ing. Muthesius- Berlin eröffnet, der die Vertreter der Behörden, sowie die Delegierten mit herzlichen Worten begrüßte. Der Ver ­ treter des preußischen Handelsministers, Geh. Reg.-Rat Dr. Hoffmann, wünschte den Verhandlungen, zugleich im Namen der anderen Herren Regierungsvertreter besten Verlauf, indem er versicherte, daß die staatlichen Behörden die Bestrebungen des Verbandes dankbar begrüßen, das Verständnis für kunstgewerbliche Fragen in weitere Kreise zu tragen und zu fördern. Gerade Cöln zeige, wie kaum eine zweite Stadt, was bei uns in vergangenen Jahrhunder ­ ten auf kunstgewerblichem Gebiete geleistet wurde, und die jetzigeCölner Werkbundausstellung gebe ein Bild unse ­ res heutigen kunstgewerblichen Schanens. Beigeordneter Rehorst-Göln übermittelte im Namen des Oberbürgermei ­ sters Wallraf den Willkommengruß der Stadt Cöln, die besonderen Wert auf die Förderung der Kunstgewerbe ­ schule legt und auf deren Handelshochschule Vorlesungen über kunstgewerbliche Fragen in Industrie und Handel ein ­ geführt sind. Präsident Figge wünschte als Vertreter der Handwerkskammer Cöln der Tagung reichen Erfolg. Zur Leitung des Delegierten tags wurden durch Zuruf die Herren Geheimrat Muthesius-Berlin, Baumeister Kaaf- Cöln, Prof. Lehnert und Bibliothekar Wittmann-Cöln ge ­ wählt. Vertreten waren von 42 dem Verbände angeschlos ­ senen Vereinen mit 56 Stimmen volle 48 Stimmen. Nachdem sodann der Vorsitzende den Bericht des Ver ­ bandsvorstandes und Prof. Lehnert den Kassenbericht erstattet hatten, folgten die Berichte der Verbandsaus ­ schüsse. Der Ausscnuß für die Gebühren-Ordnung bean ­ tragte, die bereits im Vorjahre angenommene Gebühren ­ ordnung mit den inzwischen ausgearbeiteten Beispielen endgültig zu genehmigen, was mit Einstimmigkeit er ­ folgte. Bezüglich der Wettbewerbs-Ordnung wurde auf Antrag des zuständigen Verbandsausschusses beschlossen, den bereits hiefür ausgearbeiteten Entwurf nochmals im Zusammenhang mit den in jüngster Zeit erschienenen und zum Teil von Behörden genehmigten Wettbewerbsbestim mungen für die Architekten und Bildhauer nochmals durchzuarbeiten, sodaß der nächstjährige Vertretertag die Sache endgültig zu erledigen habe. Gemäß Antrag des Verbandsausschusses für die Schiedsgerichts - Ordnung wurde beschlossen, dem neugegründeten deutschen Ver ­ band für Schiedsgerichtswesen beizutreten. Auf Antrag des Ausschusses für die Frage der Privat ­ schulen wurden die vom Aachener üewerbeschultag an ­ genommenen Leitsätze unter Streichung der Absätze 3 a und 3 c, sowie der Worte „oder kunstgewerbliche“ in Ab ­ satz 5 b genehmigt; es wurde herbeigewünscht, daß die deutschen Gewerbeschulmänner mit den Kunstgewerbe ­ vereinen in dieser Frage Zusammengehen. Ferner wurde auf Antrag Weiß-Berlin noch folgender Antrag des Verbandsausschusses angenommen: „Die Kunstgewerbevereine zu ersuchen, die Lehrerschaft und die Beratungsstellen für die Berufswahl zur Aufklärung der Jugend zu interessieren, sie auf die städtischen und staatlichen Schulen für ihre weitere Berufsbildung hinzu ­ weisen und sie vor der irreführenden Reklame von pri ­ vaten Schulen mit unzureichenden Leistungen zu warnen. Eine kurz gefaßte Flugschrift soll diesen Akt der Selbst ­ hilfe unterstützen.“ Die Frage der Ausbildung weiblicher Lehrlinge wurde bis zum nächstjährigen Delegiertentag zurückgestellt. Folgender Antrag des zuständigen Ausschusses ge ­ langte noch zur einstimmigen Annahme: „Der Verband möge seinen Ausschuß ersuchen, die Notwendigkeit einer erhöhten Allgemeinbildung für kunstgewerbliche Berufe in nähere Beratung zu ziehen.“ Der Antrag des Verbandsvorstandes auf Beitritt des Werkbundes zum Verbände und auf Beitritt des Verbandes zum Werkbunde gelangte nach längerer Aussprache mit erdrückender Mehrheit gegen 1 Stimme zur Annahme. Der Antrag des Elsaß-Lothringischen Kunstgewerbever ­ eins zu Straßburg, der vom Referenten A. Herborth ver ­ treten wurde, auf Errichtung einer Zentrale zur Förde ­ rung der Volkskunst-Bestrebungen wurde dem Verbands ­ ausschuß zur weiteren Bearbeitung überwiesen. Zur Frage der Honorierung künstlerischer Forderun ­ gen, über die Prof. Karl Groß berichtete, wurde folgender Antrag des Dresdener Kunstgewerbevereins gutgeheißen: „Der Verbandsausschuß möge beauftragt werden, die Frage zu erklären, inwieweit die Verpflichtung der Künst ­ ler, für Veröffentlichungen Honorar zu fordern, die kunst ­ gewerbliche Praxis beeinflussen wird.“ Prof. Dr. Lehnert erstattete dann das ausführliche Refe ­ rat des Vereins für deutsches Kunstgewerbe zu Berlin über „Praktische Beispiele aus dem Rechtsleben des Kunstge ­ werblers“ unter besonderer Hervorhebung der Schwierig ­ keiten, welche sich der gesetzlichen Verfolgung von Dieb ­ stahl an geistigem Eigentum, von Fälschungen usw. ent ­ gegenstellen. Redner kam zu folgenden Schlußsätzen: 1. An sich entsprechen Geschmacksmustergesetz und Kunstschutzgesetz den Anforderungen, die das Kunstge ­ werbe an den gesetzlichen Schutz des geistigen Eigentums stellen muß. Aber die Kenntnis der Gesetze und ihrer Anwendungsmöglichkeiten läßt noch zu wünschen übrig; sie zu fördern wäre Aufgabe der Kunstgewerbevereine. 2. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb bietet in Verbindung mit dem Bürgerlichen Gesetzbuche jede notwendige Handhabe zum Vorgehen gegen unstatthafte Konkurrenzmanöver. Aber die Anwendungsmöglich - keiten des Gesetzes sollten die Kunstgewerbetreibenden mehr beachten, als es bisher geschehen ist. 3. Der Kampf des Kunstgewerbes gegen die Fälschun ­ gen verspricht wenig Erfolg, wenn die als falsch erkann ­ ten Stücke nach wie vor im Verkehr bleiben; es muß daher mit allen Mitteln dahin gewirkt werden, daß anerkannte Fälschungen eingezogen werden. Ueber die Anregungen des Württembergischen Kunst ­ gewerbevereins zu Stuttgart: Wie läßt sich der wachsen ­ den Zunahme von Fälschungen begegnen? verbreitete sich Syndikus Dr. Marquard in anschaulicher Weise. Ueber die Aufklärungsarbeit durch Presse und Museen empfahl er, daß der Verbandsausschuß sich mit dem Reichstage in Verbindung setzen soll zur besseren Ausgestaltung des Patent- und Warenzeichengesetzes. In der regen Aussprache über diese beiden wichtigen Referate emptahl Prof. Hoflacker-Karlsruhe besonders die bessere Erziehung der Käuferschaft zum guten Geschmack. Geheimrat Muthesius befürwortete die Herausgabe einer Broschüre, deren Vorbereitung Dr. Marquard übertragen wurde. Der nächstjährige Delegiertentag findet zu Karlsruhe mit Ausflug nach Stra'ßburg statt. Verantwortlich: Karl Schüler, Stuttgart, Richard Gebhardt, Stuttgart, Druck: Guttav Stürner in Waiblingen.