STUTTGART B¥TO FÜR WÜRTTEMBERG BADEN-HESSEN-Cb SHSS- LOTHRINGEN- Inhalt; Brunnen als Denkmäler. — Wohnhäuser in Heslach. Vereinsmitteilungen. — Personalien. Verschiedenes. — Alle Hechte Vorbehalten Brunnen als Denkmäler.* In früheren Zeiten war für Oeffentlichkeit und Haus der Brunnen viel mehr, als heut. Hat doch jetzt jede Stadt, beinahe jedes Dorf Wasserleitung, jede Wohnung ihren Wasserkran. Irgend wo draussen, weitab, wird das Wasser entnommen — wie? wo? — wer kann „alles“ wissen! Jedenfalls ist der öffentliche Brunnen nur selten noch im praktischen Gebrauch. Dagegen hat er eine andere Bestimmung, die er längst besaß, nämlich gelegentlich als Denkmal zu dienen, selt ­ samerweise ernstlich beibehalten, und in neuerer Zeit be ­ sinnt man sich immer mehr und mehr darauf. Immer häufiger finden wir Denkmäler zu Brunnenanlagen aus ­ gestaltet und nebenher werden alte Brunnen sorgsam, ganz in der alten Weise wieder hergestellt. Die Vorliebe der Bildhauer von heute für alles flie ­ ßende Wasser hat aber auch ihren inneren Grund. Der ewig starre Stoff des Bildwerks — Stein oder Erz — verlangt darnach, mit Bewegtem vermählt zu werden. Schon darin kommt das zum Ausdruck, daß man die Bildwerke oft ins Grüne setzt, sie mit Baum- oder Buschwerk, Rasen ­ flächen und Blumengehegen umgibt. Aber noch inniger *) Aus dem 1. Juli Heft des Deutschen Willens (Callwey München). ergänzt das fließende, rauschende Wasser die starren und und stummen Bildwerke mit Bewegung, mit Tönen, mit sprudelndem, plauderndem und trotzdem ruhigem Leben. Sonst ist die Bildhauerkunst heute so oft in Wieder ­ spruch zu ihrer Umwelt geraten. Wer kann bestreiten, daß unser menschlich Treiben so unruhig und aufgeregt geworden ist, wie noch nie zuvor? Die übrige Kunst hat sich dem gut angepaßt: Eine Malerei, kraus in Form und Farbe, eine wilde Musik, ein aufgeregtes Bühnenspiel. Der Bildhauer macht das im allgemeinen nicht mit. Viel ­ leicht, daß er es möchte; aber sein Stoff zwingt ihm eine Starrheit auf. Nun aber schafft er sich eine Art Rahmen, der im Gegensatz zu anderen Rahmungen bewegt ist, mit Grün, mit Blumen, mit fließendem Wasser, und dieser Rahmen vermittelt zwischen seines Werkes Starrheit und dem Treiben des bewegten Tages ringsum. Es ist eine alte Erfahrung, daß der Mensch an allem, was sich bewegt, seinen besonderen Anteil nimmt An den mächtigen, auf’s schönste hergerichteten Schauläden der Großstädte gehen die meisten doch gleichgültig vor ­ bei. Bewegt sich aber etwas darin — und sei es nur ein armseliges Schuhmacherlein aus Pappe, das seinen Ham ­ mer schwingt — gleich staut sich das Volk davor. Einer Nymphe aus Marmor oder Erz, die verloren im Park steht, würde vielleicht selten der Blick von Vorbeiwan- Wohnhaus- Gruppe zwischen Möhringer- und Burgstallslrasse Heslach. Architekt ' Paul Heckei [Stuttgart- Heslach. ■■ z W i — sfj • - M ' »Ti Äijlr—- im Tj jiÜR Sri n j