STUTTGART Süd- und mitteldeutsche snuzeoiruES Heue folge der Bauzeitung für Württemberg, Baden, flsaß-üothringen. Gegründet als Würtlembergisdie Bauzeifung im lahre 1 Inhalt: Bauwerkmeisterverein Württembergs, Aufruf. — Bewässerungen. — Gesund ­ heitstechnische Anlage für Siedelungsbauten. — Erlaß des Ministeriums des Innern über Behelfsbauten. — Die Hauptversammlungen der Zentralverbände des Baugewerbes. — Vereinsmitteilungen. Bauwerkmeister-Verein Württembergs E. V. Aufruf! An alle wehrfähigen Mitglieder des Vereins, insbe ­ sondere an die Studierenden der Baugewerkschule richten wir den Mahnruf, sich bei der Bildung von Reserve- Sicherheits-Bataillonen der bestehenden Regierung zur Verfügung zu stellen. Die Techniker, welche an dem Wiederaufbau unseres Wirtschaftslebens in besonderem Masse beteiligt sind, dürfen nicht zurückstehen, wenn es gilt, die Heimat vor dem drohenden Ruin zu schützen. Melde sich Jeder sofort bei den bekannten Werbestellen. Der Geschäftsausschuß. Bewässerungen/ Von Fr. Schräder, Arch.- und Bauschuloberlehrer an der König- Friedrich-August-Schule zu Glauchau i. Sa. Nach den baupolizeilichen Vorschriften darf kein Grundstück für Wohn- oder Arbeitszwecke bebaut werden auf dem oder in dessen Nähe nicht die Entnahme ausrei ­ chenden Trinkwassers jederzeit möglich ist. Diese ge ­ schieht entweder durch Brunnen oder durch Wasserlei ­ tungen. Letztere können Quell- oder Flußwasserleitungen sein. Voraussetzung ist natürlich immer, daß das Wasser sich auch als Trinkwasser eignet, keine schädlichen Bei ­ mengungen enthält und klar, färb- und geruchlos ist. Eisenbestandteile im Wasser sind nicht ohne weiteres schädlich. Bei Neuanlagen ist das Wasser zweckdienlich auf seinen Gehalt zu untersuchen und gegebenenfalls durch Filter zu reinigen. Für kleinere Anlagen empfiehlt sich der Berkefeld-Filter, während bei größeren Wasserleitun ­ gen zu diesem Zweck besondere Sand- und Kiesfilter ein ­ gebaut werden. Bei der Anlegung von Brunnen ist besonders darauf zu achten, daß jede Verunreinigung vermieden wird. Das Baugesetz schreibt deshalb für die Anlage von Brunnen in bezug auf Nachbargrenzen, Düngerstätten und dergl. besondere Bedingungen vor. Bei jeder Brunenanlage ist darauf zu achten, daß sie auch genügend Wasser gibt, besonders bei Feuersgefahr und anhaltender Trockenheit. Der Ausführung nach unterscheidet man zwei Arten von Brunnen, den Schacht- oder Kesselbrunnen und den Rohrbrunnen. Eine weitere Art von Brunnen, die dem Wesen der Wasserleitung gleichkommt, ist der artesische Brunnen, benannt nach der französischen Provinz Artois, woselbst solche Brunnen nach Lage des Geländes viel gebräuchlich sind. Der Unterschied zwischen Kessel- und Rohrbrunnen besteht in der Hauptsache darin, daß bei ersterem das Wasser in der Grundfläche zufließt, während bei letzterem der Mantel des Saugers (Filters) die Zufluß ­ stelle bildet. Der Schachtbrunnen besteht aus einem mit Brunnen ­ steinen (Radialsteinen) gemauerten Schacht ohne Mörtelver ­ wendung, dessen unterer Rand wenigstens 2—3 m im Grundwasser versenkt sein sollte. Das Aufmauern ge ­ schieht auf einem Brunnenkranze (Senkscheibe), der, des leichteren Eindringens in die Erde wegen, mit einem eiser ­ nen Schneidering versehen wird. Das Versenken geschieht in der Weise, daß das Erdreich im Innern ausgehoben wird, also gewissermaßen selbsttätig. Etwaige Hinder ­ nisse sind in geeigneter Weise zu beseitigen, damit der Senkkörper nicht schief gesenkt wird bezw. hängen bleibt. Sollen größere Wassermengen in einem Schachtbrunnen gewonnen werden, so senkt man zwei ineinander stehende Schachte in die Erde ein, deren Zwischenraum mit rein gewaschenem und ausgeglühtem Kies ausgefüllt wird. Diese Auffüllung dient zugleich als Filter. Beim Rohrbrunnen wird ein verzinktes schmiedeeiser ­ nes Rohr von wenigstens 40 mm lichter Weite soweit in den Erdboden eingerammt oder gebohrt, bis es genügend wasserhaltige Erd- oder besser noch Sandschichten durch ­ drungen hat. An seinem unteren Ende erhält das Rohr eine Anzahl kleinerer Löcher, damit das Wasser durch diese in das Rohr eindringen kann. Man bezeichnet die Rohrbrunnen auch als Abessinier-Brunnen, weil sie in Abessinien meist gebräuchlich sind. Kann bei Schachtbrunnen infolge irgend eines Hinder ­ nisses das Senken des Mauerschachtes nicht weiter erfol ­ gen, so kann man Schacht- und Rohrbrunnen zu einem vereinigen. Auch bei Schachtbrunnen, die infolge allgemei ­ nen Fallens des bisherigen Wasserspiegels nicht mehr genügend Wasser geben, legt man zur weiteren Wasser ­ beschaffung damit verbundene Rohrbrunnen an, zumal letztere sich oft leicht und sehr tief senken lassen. Die Brunnenanlagen sind sorgfältig abzudecken. Rohr ­ brunnen sind gegen das Eindringen von Tagewasser oder sonstigen Verunreinigungen abzudichten. Die Wasserentnahme erfolgt bei beiden Brunnenarten durch Pumpen. Da über 7,00 m Höhe hinaus das Wasser sich durch einfache Säugpumpen nicht mehr ansaugen läßt, so verwendet man bei tiefen Brunnen Saug- und Druckpumpen, oder der Pumpenkörper muß entsprechend tiefer im Brunnen angebracht werden. Im letzteren Falle sind jedoch notwendig werdende Reparaturen schwieriger. Will man wissen, wieviel Liter Wasser ein Arbeiter ohne Überanstrengung in der Minute auf eine gewisse Höhe pumpen kann, so teile man mit der Meterzahl der Förder ­ höhe bei Handpumpen in die Zahl 600, bei Schwungrad ­ pumpen in 800. So schafft z. B. ein Arbeiter bei 6 m Saughöhe und 10 m Druckhöhe, also bei 16 m Förder ­