72 BAUZEITUNG Nr. 24/26 und behandelte in 3 Sitzungen den ihr vorgelegten Kom- missionsbericht unter reger Anteilnahme aller Vertreter mit nachfolgendem Ergebnis. Bei der Durchberatung lagen die uns vom Ministerium zur Verfügung gestellten Eingaben vor: a) des Lehrkörpers der Baugewerkschule, b) der Schüler, sowie die uns anderweitig übermittelten Denkschriften des: a) Bundes deutscher Architekten, b) Bundes technisch-industrieller Beamter. Die Gliederung des technischen Schulwesens in Hoch-, Mittel- und Gewerbeschulen (einschl. gewerb ­ lichen Fortbildungsschulen) ist heute noch sachgemäß; nur muß es jung und elastisch bleiben, damit es sich den aus der raschen Entwicklung der Technik heraus ­ wachsenden neuen Aufgaben stets anpassen kann. Die Unterteilung der bisherigen Baugewerkschule Karlsruhe in die Abteilungen: Hoch-, Tief-, Maschinenbau und Elektrotechnik wird auch für die Zukunft als zweck ­ mäßig anerkannt. Zu der Gewerbelehrer-Abteilung Stel ­ lung zu nehmen schien außerhalb des Rahmens der ge ­ stellten Aufgabe zu liegen, weshalb eine Aeußeruug unter ­ bleibt. Die bisherige Bezeichnung Baugewerkschule ist nicht mehr zutreffend, da in ihr „Techniker“, an der Hochschule „Ingenieure“ ausgebildet werden und es sich um eine staatliche Anstalt handelt, hält man die Bezeich ­ nung „Staatstechnikum“ für zutreffend. Bedauerlicher Weise mußte hier ein Fremdwort beibehalten werden, ohne das man jedoch nicht auskommt, wenn Halbheit vermieden werden soll. Auch die französische und eng ­ lische Sprache, sowie deren Tochtersprachen haben hier das Fremdwort nicht entbehren können. Mit Rücksicht auf die weitgesteckten Ziele der Schule ist bei der ver ­ hältnismäßig knappen Schulvorbildung der Schüler und der kurzen Unterrichtszeit nur bei schulmäßigem Betrieb, d. h. bei regelmäßigem Besuch der Pflichtfächer guter Erfolg gewährleistet. Eine Schulordnung, die auf der „akademischen Freiheit“ in Pflichtfächern aufgebaut ist, wird verworfen. Der Aufstieg in die höheren Klassen ist durch Versetzung zu bewirken. Dagegen muß die Schul ­ ordnung selbst, insbesondere in der persönlichen Behand ­ lung der Schüler, dem höheren Alter, der sittlichen Reife und Würde der Schüler Rechnung tragen. Die meisten kommen kurz nach Verlassen der Schule in solche Stellen wie Bauführer, Werkführer, Assistenten, Techniker usw. die nicht nur gute technische Kenntnisse, sondern auch selbständige Menschen erfordern. Persönliche Selbständig ­ keit wird durch geringschätzenden Zwang nur verkümmert. (Schluß folgt.) Bücher. Die Kunst im Aufbau der neuen Lebensform überschreibt Dr. Karl Ernst Osthaus, der bekannte Kunst ­ förderer in Hagen, einen Aufsatz in dem Heft 5/6 der Mitteilungen des Deutschen Werkbundes, in dem er die moralische Pflicht derjenigen, welche die Mittel dazu be ­ sitzen, betont, aus volkswirtschaftlichen Gründen den Künstlern und Kunsthandwerkern so viel und so hoch ­ wertige Arbeit wie nur möglich zu geben, damit ihr Können, das ja jetzt eins unserer wichtigsten Aktiven der nationalen Kraft darstellt, nicht in einer Periode falsch angebrachter Sparsamkeit verkümmere oder gar verloren gehe. Im übrigen Teil des Heftes, das typographisch von Professor Peter Behrens angeordnet ist, werden die „Voraussetzungen zur künstlerischen Weltmission der Deutschen“ behandelt und interessante Nachrichten über die künstlerische Reform in Frankreich und England ge ­ geben. Sehr erfreulich ist die fortschreitende Wiederbe ­ lebung handwerklicher Techniken, wie sie von der „Werkstattgruppe“ des Deutschen Werkbundes betrieben wird. Der Schutz Groß-Berlins u. a. Städte vor Schaden ­ feuer von Dr. 0. v. Rügen, Geh. Baurat, verlegt bei Wilh. Ernst & Sohn, Berlin (2. Aufl., 45 Abb., geh. M. 10.- kart. M. 12.-). Das Werk behandelt erschöpfend alles, was mit dem Begriff Feuerpolizei zusammenhängt. Wie die bestehenden Bestimmungen in Bezug auf Brandver ­ hütung und Feuersicherheit der Bauten gehandhabt wor ­ den sind, das ist, entsprechend den Quellen der Bau ­ polizei, dargelegt, während die Tätigkeif der Feuerwehr selbst nicht zum Gegenstand der Bearbeitung gemacht wurde. Ein wertvolles, sinnreich eingeteiltes Nachschlage- material bietet das Buch, das man umso gerner in die Hand nimmt, als der Verfasser über eine gut verständ ­ liche Ausdrucksweise verfügt. Personalien, Hermann Jansen, der Führer der neuzeitlichen Städtebau ­ kunst, wurde von der Techn. Hochschule Stuttgart zum Dr.-ing. h. c. ernannt. Baden. In den Ruhestand versetzt auf Ansuchen: der Vor ­ stand der Wasser- und Straßenbauinspektion Konstanz, Baurat Jul. Steinhäuser ; der Vorstand der Kulturinspektion Heidel ­ berg, Baurat Theod. Walliser. Ernannt: Der Techniker Gregor Federscher in Karlsruhe zum Bausekretär bei der Generaldirektion der Staatselsenbahnen; der Dipl.-Ing. Heinrich Dörr in Karlsruhe zum wissenschaftlich gebildeten Lehrer an der Baugewerkeschule Karlsruhe mit der Amtsbezeichnung Professor. Fragekasten. Was zur Zeit an Neubauten erstellt werden kann, sind infolge der großen Knappheit an Baumaterialien nur Kleinwohnungen, um dem großen Mangel an Wohnungen abzuhelfen. Dabei fällt mir auf, daß diese Häuser viel ­ fach nur einstockig gebaut werden. Mit Rücksicht auf den Gefrierpunkt müssen die Fun ­ damente 0,80—1,00 m tief, und mit Rücksicht auf die Aushubmöglichkeit 45—50 cm breit ausgegraben werden. Das entspricht Abmessungen auf welche ein mehrstöckiges Gebäude erstellt werden könnte. Dann noch die Dächer und die damit zusammen ­ hängenden Arbeiten wie Zimmerarbeiten, Flaschner- und Dachdeckerarbeiten, welche über jedem einstöckigen Ge ­ bäude mit den gleichen Kosten wie für ein mehrstöckiges Gebäude erstellt werden müssen. Sind die Baukosten für solch ein einstöckiges Haus infolge der Fundamente, den Dachgebälken und den Dächern auf eine einzelne Wohnung nicht unverhältnis ­ mäßig hoch? Wird nicht unnötig viel Baugelände über ­ baut und müssen nicht unnötig viel Straßen mit ihren teuren Gas- und Wasserleitungen, Kanalisationen usw. ausgeführt werden? Es scheint mir, daß diese Kosten sich ebenfalls sehr hoch für einstöckige Häuser belaufen. Was für Unter ­ schiede bestehen in finanzieller und sonstiger Beziehung zwischen einstöckigen und mehrstöckigen Häusern? Y. Unpünktliche Zustellung der Bauzeitung. Wir haben Veranlassung, an das in Nr. 7^8 Gesagte zu erinnern. Für die richtige Zustellung hat das zuständige Postamt zu sorgen und man hat sich daher beim AusbleL ben der ßauzeitung an dieses zu wenden. Auch die Brief ­ träger sind verpflichtet, Reklamationen weiterzugeben, doch ist hiebei zu bedenken, daß die Postämter auf unsere Vorstellungen hin sich immer wieder darauf berufen, daß neues Personal angelernt werden müsse und daher mehr Unregelmäßigkeiten Vorkommen würden, als dies früher der Fall gewesen sei. Dieser Tatsache muß Rechnung ge= tragen werden, indem die Leser sich etwas mehr um den Briefträger kümmern, bei Wohnungswechsel aber dem Postamt rechtzeitig Mitteilung machen. Verantwortlich: Karl Schüler, Stuttgart. Druck Gustar Stürmer in Waiblingen,