1./15. Juli 1919. BAUZEITUNG 75 zeit auch nie Bedenken getragen, Betonarbeiten gegen Grund im Mischungsverhältnis 1:18 bis 1:22 ausführen zu lassen. Mehrhäupt. Mauerwerk 1:12 bis 1:14 Eisen ­ beton 1:7 Mauerdurchbrüche ectr. und sonstige Proben mit Zweispitz, Hammer und Meisel haben stets gezeigt, daß die Arbeit einwandfrei war. Ein 3 m hoher freistehender Pfeiler für einen Stein ­ brecher (ausgeführt im Jahre 1905) 1 :24 betoniert, zeigt heute noch keine Spur von Minderwertigkeit, trotzdem durch den Betrieb des Steinbrechers schon viel an ihm gerüttelt wurde. Ganz anders nun wirkt der Staub im Betonmaterial, das aus Eruptivgesteinen hergestellt ist, auch vom Lias ­ kalkstein und Sandstein kann im allgemeinen dasselbe gelten. Hier wirkt der Staub nicht als Bindemittel mit, sondern er wirkt magernd auf den Cement ein, weil dieser Staub vom Wasser nicht in der Weise gelöst wird, wie der Weißjura Kalkstaub, Betonmaterial aus Liaskalk oder Eruptivgesteinen muß deshalb im allgemeinen staubfrei gemacht werden. Oft ist das nicht ausführbar, dann bleibt nur die Möglichkeit, fettere Mischungen zu wählen und vor allen Dingen eine intensive Mischarbeit in der Mischmaschine zweitniederster Stelle steht, hinsichtlich des Festigkeits- Ergebnisses. Dieses Ergebnis vermag aber meine Erfahrungen nicht umzustoßen, die darin gipfeln, daß Weißjurakalkstaub ein wertvoller Bestandteil jeden Betonmaterials ist. Schon bei der Betonverarbeitung ergibt sich der Vorteil, daß der Beton „klebriger“ wird, er sortiert sich weniger, wie beispielweise Rheinkieß. Fehlt es einem solchen Beton in der ersten Zeit nicht an Wasser (Regenwasser) dann erreichen auch magere Mischungen mit der Zeit eine sehr hohe Festigkeit. Putzarbeiten mit Weißjurakalkstein- Sand, 3 Teilen gelöschten Weißkalk und 1 Teil Cement hergestellt, geben einen unverwüstlichen Putz. Siegler. Baukostenzuschüsse. Das bay. Ministerium für soziale Fürsorge gibt in Sachen der Baukostenzuschüsse folgendes bekannt: Verschiedentlich wurde die Beobachtung gemacht, daß Bauherren sich bei Bauvorhaben, für die ein Bau ­ kostenzuschuß zugesichert wurde, eigenmächtig einschnei ­ dende Abweichungen von den Plänen gestatten, die für vorzunehmen, um eine brauchbare Arbeit zu erzielen. Ein geringer Zusatz von Kalk etwa 10 */° der Cement- menge ist mitunter empfehlenswert. Wasserbehälter aus Weißjura-Betonmaterial hergestellt verlieren anfängliche kleine Undichtheiten von selbst da ­ durch, daß das durchsickernde Wasser erst kleine Mengen des Kalkes löst, beim Austritt an die Luft wird über ­ schüssige Kohlensäure frei, es bildet sich ein weißlicher Niederschlag der allmählich die Poren dichtet. Hier sei auch an die Tropfsteinhöhlen erinnert. Es ist nach meinen praktischen Erfahrungen verfehlt schlechtweg von Staub zu reden, es muß vielmehr vom wirtschaftlichen Standpunkt aus zunächst immer erst die Frage entschieden werden, ob es sich um Weißjura-Kalk ­ staub oder um Staub aus anderen Gesteinen handelt. Die in der Tabelle mitgeteilten Zahlen zeigen ganz auffallend den großen Wert des Weißjura Kalkstaubes, er liefert bis 40 % höhere Festigkeit als die Normenproben. Es erscheint daher durchaus berechtigt, diese Eigen ­ schaften auszunützen und an Cement nach Tunlichkeit zu sparen. Daß bei mageren Mischungen wie oben mit ­ geteilt eine sorgfältige Arbeit nebenher zu gehen hat, bedarf wohl keiner weiteren Begründung. Auffallend erscheint, daß in der Zusammenstellung II in Nummer 24/25 die Mischung mit Kalksteinquetschsand an die Berechnung des Baukostenzuschusses dem Ministe ­ rium Vorgelegen waren. Ein derartiges Vorgehen ist un ­ statthaft. Eine Erhöhung der Baukosten, die durch solche Eigenmächtigkeit verursacht wird, bleibt bei der endgültigen Festsetzung der Höhe des Baukostenzu ­ schusses unberücksichtigt. Mit den seinerzeitigen Anträgen auf endgültige Fest ­ setzung der Zuschußbeträge nach Fertigstellung des Bau ­ werkes sind mit den Bauabrechnungen und Bauplänen dem Ministerium für Soziale Fürsorge sämtliche Pläne und Kostenvoranschläge nochmals einzureichen, die für die Erteilung des vorläufigen Beihilfebescheides Vorgelegen waren. Die Ueberwachung der plan- und ord ­ nungsgemäßen Bauausführung aller aus öffent ­ lichen Mitteln unterstützten Bauten wird den Gemeinde- und den Baupolizeibehörden zur besonderen Pflicht gemacht. Irrwege. DZK. „Eure Unruhe in der Gegenwart hat ihre Ursache in den unerfüllbaren Versprechungen der Ver ­ gangenheit“, so ungefähr apostrophierte im letzten Räte ­ kongreß in Berlin der Sozialdemokrat Max Cohen-Reuß die deutschen Arbeiter, ln der Tat hat der deutsche Ar-