Süd- und mitteldeutsche IflTO&S Heue Folge der Bauzeitung für Württemberg, Baden, fassen, CIsaB-üothringen. Gegründet als Würtlembergisdie Bauzeitung im lahre 1904. Inhalt: Entwurf eines Gesetzes über die Technikerkammer, — Die Platzfrage für das Ulmer Kriegsmal. — Eine Abänderung der Vollzugsverfügung zur Württ. Bauordnung. — Zwecke, Ziele und Organisation der „Bauhütten“. — Die rechtliche Bedeutung der Revolution für laufende Vertcä^v Rundschau. — Wettbewerbe. —Vereinsmittei I ungen. w Alle Rechte Vorbehalten. Entwurf eines Gesetzes über Technikerkammer. Artikel 1: Errichtung. Die Technikerkammer ist die alle technische Berufs ­ stände des württemb. Staates umfassende Zwangskörper ­ schaft. Sie ist eine Körperschaft des öffentl. Rechts, mit Be ­ steuerungsrecht ausgestattet und hat ihren Sitz in Stuttgart. Der Zweck der Kammer ist die Förderung der ge ­ samten Technik und Wahrung der Interessen aller techni ­ schen Berufsstände. Artikel 2: Aufgaben. Um den unter Ziffer 1 genannten Zweck zu erreichen, kommen für die Technikerkammer folgende Einzelaufgaben in Betracht: 1. Gutachtliche Tätigkeit in den verschiedenen Zwei ­ gen der Technik für Staat, Gemeinden u.Gerichtsbehörden. 2. Aufstellen von Schiedsgerichten, Bildung von Sach- verständigen-Kommissionen. 3. Beratung von Staat, Körperschaften und Gemein ­ den durch technische Beiräte. 4. Einflußnahme auf den Lehrplan und die Bestellung der Lehrkräfte an den techn. und Fortbildungsschulen. 5. Schaffung eines eigenen Organs zur Veröffentlich ­ ung von Berichten, Mitteilungen und statistischen Erheb ­ ungen. Pressedienst. 6. Ausarbeiten und Verlag von Musterverträgen. 7. Veranstalten von Vortragskursen. 8. Bekämpfung des Schmiergelderunwesens. 9. Ausbau des Erfinderschutzes. 10. Sicherung der Stellung der Techniker im öffentl. Leben, Förderung der Gleichberechtigung, Ueberwachung ihrer geeigneten Verwendung im künftigen Volksheer. 11. Schaffung von Berufsbezeichnungen. 12. Aufstellung von Uebergangsbestimmungen. 13. Anschluß und Zusammenarbeiten mit den kommen ­ den Technikerkammern der Bundesstaaten und den be ­ stehenden Handels- und Landwirtschaftskammern und allen anderen Berufskammern. 14. Fühlungnahme mit den auslanddeutschen Tech ­ nikern und Förderung von technischen Vertretungen in den Konsulaten. Artikel 3: Zusammensetzung der Kammer. Die Kammer setzt sich zusammen aus den a) 37 Vertrauensleuten der Fachgruppen; b) 13 Vertretern der Schulen; c) 4 Verbindungsgliedern; d) 1 Geschäftsführer; zus. 55 Mitgliedern. ie Vertrauensleute wählen aus sich in geheimer Wahl 1. Vorsitzenden, seinen Stellvertreter, einen sechsglied ­ rigen Arbeitsausschuß, wobei jede Fachgruppe einen Ver ­ treter stellt. Der Geschäftsführer gehört dem Arbeitsaus ­ schuß als stimmberechtigtes Mitglied an. Artikel 4: Wahl der Kammer. Die Wahl der Mitglieder der Kammer erfolgt in allge ­ meiner geheimer Wahl, in der Weise, daß die Fachgruppen ihre Vertreter wählen, in den Fachgruppen wählen die Untergruppen für sich getrennt ihre Vertreter. Die Wahllisten werden nach der Gliederung der Ta ­ belle für die erste Wahl vom Verband aufgestellt, später stellt die Kammer die Wählerlisten selbst auf. Die Wahl ­ listen müssen 4 Wochen vor den Wahlen abgeschlossen und öffentlich auf dem Geschäftszimmer aufgelegt sein. Bei allen Wahlgängen entscheidet einfache Stimmen ­ mehrheit. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los. Durch die 37 Vertrauensleute werden berufen resp. gewählt (a. Art. 3): 1. Die 6 Ausschußmitglieder der Fachgruppen. 2. Die 13 Vertreter der Schulen. 3. Die 4 Vertreter der Handels-, Handwerks-, Land ­ wirtschafts- und Arbeiterkammer werden von den betr. Kammern bestimmt. Artikel 5. 1. Die Wahl zur Kammer erfolgt auf 4 Jahre, Wieder ­ wahl zulässig. 2. Die Wahl des Vorsitzenden und Stellvertreters er ­ folgt auf 2 Jahre, Wiederwahl zulässig. 3. Die Wahl der Ausschußmitglieder erfolgt auf 2 Jahre; nach Ablauf dieser Zeit muß die Hälfte ausscheiden; diese Hälfte wird das erste Mal durch das Los bestimmt. 4. Die Berufung der Schulvertreter erfolgt auf 2 Jahre, Wiederwahl ist zulässig. 5. Die Verbindungsglieder werden von den betr. Kammern nach 2 Jahren durch andere abgelöst, oder wie ­ der bestimmt. Artikel 6. Zur Teilnahme an der Wahl sind berechtigt und wähl ­ bar: Alle ip Württemberg wohnhaften männlichen und weiblichen Techniker, die voll geschäftsfähig sind, deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und im Genuß der bürger ­ lichen Ehrenrechte sind. Jeder Wahlberechtigte hat eine Stimme. Der Verlust der Wählbarkeit hat das Erlöschen der Mitgliedschaft zur Folge. Der Eintritt des Verlustes der Wählbarkeit wird vom Vorstand festgestellt und den Be ­ teiligten eröffnet. Gegen den Bescheid hat der Betroffene das Recht der Berufung an die Kammer.