94 BAUZEITUNG Nr. 31/32 waschen, um den losen schwefelsauren Kalk, der sich an der Oberfläche bildet, zu entfernen. Ein anderes Mittel bildet eine Lösung von 10 Gramm kohlensauren, an der Luft zerfallenden Ammoniakes auf 1 Liter Wasser. Die Kohlensäure verbindet sich mit dem Aetzkalk des Zement- oder Betonkörpers zu kohlensaurem Kalk. Vor dem Grundieren muß aber Abspiilen mit reinem Wasser und Trocknung stattgefunden haben. Ist es dann soweit, den Oelfarben-Anstrich aufzu ­ tragen, so soll man als Farbkörper, die mit Oel zu ver ­ mischen sind, nicht metallische Farben verwenden, die, wie z. B. Bleiweiß, gegen Alkalien sehr empfindlich sind. Insbesondere wird empfohlen, für helle Oelfarbenanstriche anstelle des Bleiweiß Lithopone als Grundfarben unzu- wenden. Zu Mischfarben sind ferner wirklich permanente Farbkörper, namentlich reine Frd- und Mineralfarben, be ­ sonders geeignet. Für Anstriche auf frischem Zementputz wird in der „Baukunde des Architekten” (Berlin 1895, Bd, I, Teil 2) das von Dr. Koch und Dr. Adamy erfundene Verfahren empfohlen, den Zement für stereo-chromatische Bemalung tauglich zu machen. „Nach diesem — patentierten — Ver ­ fahren erhält der gewöhnliche Zementputz einen mit ihm zu gleicher Zeit aufzutragenden, 2—3 mm starken Ueber- zug, der aus einer Mischung („Polychromzement”) von 30—50 % reinem Zement und 30—50 / fein gemahlenem Bimssteinsand besteht. Nachdem dieser, am besten mit einem Filzbrett geglättete Putz während eines Zeitraums von 4 Wochen oft angefeuchtet und gegen die unmittel ­ bare Wirkung der Sonnenbestrahlung geschützt worden ist, um die Bildung von Haarrissen zu verhüten, wäscht man ihn mit Kiesel-Fluorwasserstoffsäure ab, überstreicht ihn mit einer Wasserglas-Lösung, gibt ihm den aus halt ­ baren Farben hergestellten Anstrich und fixiert diesen end ­ lich mit Fixier-Wasserglas mittels eines Zerstäubers. Vor dem Anstrich mit Farbe ist der Putzgrund mit Wasser anzufeuchten. Das Verfahren hat große Aehnlichkeit mit der Keim’schen Mineralmalerei.” Als haltbarer Anstrich auf frischem Zementputz wur ­ den in den letzten Jahren mannigfache neue Produkte, wie z. B. „Preolit” und „Indurin” empfohlen. Preolitmörtel und Preolitanstriche auf frischen Zement- und Betonkör ­ pern wurden in sehr wirkungsvoller Weise auf der Inter ­ nationalen Baufach-Ausstellung des Jahres 1913 in Leip ­ zig vorgeführt. Aus einem hochgelegenen Behälter floß über eine außen unbekleidete Mauersteinwand unausge ­ setzt Wasser, das unten von einem Bassin aufgefangen wurd. Die auf einer Seite mit Wasser bespülte Wand war aber auf der andern mit Preolitmörtel, d. h. mit Zement und einem Zusatz von Preolit verputzt, dann mit einem Preolitanstrich und schließlich mit einer Oelfarbendeck- schicht versehen. Es zeigte sich, daß der Putz trotz der ständigen Bespülung der Mauer auf der einen Seite an der Sichtfläche vollständig trocken und der Anstrich unver ­ letzt war. Auf derartige überraschende Schaustücke auf Ausstellungen darf man allerdings nicht zu viel geben. Immerhin zeigt das anschauliche Beispiel, daß man OeL farbenanstriche auch auf frischem Zement und B eton aus ­ zuführen vermag, aber immer in Verbindung mit einem bewährten Dichtungsmittel. Außer Preolit wird für diesen Zweck namentlich auch Zeresit empfohlen, ein butter ­ weicher, wässeriger Brei, der deih Wasser des Mörtels zu ­ gesetzt wird und sowohl für Zementmörtel und Beton, wie auch für hydraulischen Kalkmörtel Anwendung finden kann. * *Ai| Balthasar Neumann. Über „die Tätigkeit des Großmeisters Balthasar Neumann in Württemberg“ hielt am 17. Mai d. Js. im württembergischen Verein für Baukunde Eisenbahnbau ­ inspektor Dr.-ing. Willy P. Fuchs einen durch zahlreiche Lichtbilder erläuterten Vortrag. Nach einigen einleitenden Bemerkungen über die universale Begabung und Bedeu ­ tung des berühmten Erbauers der Würzburger Residenz — namentlich auch im Hinblick auf die heutzutage häufig anzutreffende einseitige Betonung der rein formalen Seite architektonischen Könnens — und einer kurzen Schilder ­ ung seines Lebenslaufs entwickelte der Redner ein an ­ schauliches Bild der umfassenden Tätigkeit Neumanns in Württemberg, wobei es ihm offenbar weniger um eine erschöpfende Aufzählung historischer bzw. bauhistorischer Daten, als um das Herausschälen der stilkritischen und ästhetischen Momente, sowie um die Feststellung des Maßes von Neumanns Anteil an jedem einzelnen Bauwerk zu tun war. Die Aufträge in Württemberg verdankt Neu ­ mann in erster Linie der weitverzweigten, kunstliebenden Fürstenfamilie der Schönborn und weiterhin dem Deutsch ­ meister und dem Benediktinerorden. Leider ist vieles von dem, was der Meister für unser Land erdacht und ent ­ worfen, nicht oder nur verstümmelt zur Ausführung ge ­ kommen. Zum Bau der Schöntaler Abteikirche (ca. 1724), die Leonhard Dientzenhofer entworfen und größtenteils auch ausgeführt hat, wurde Neumann als technische Autorität gerufen. Es war ein Glück für ihn, daß er in Schöntal Gelegenheit fand, einmal „eine schwäbische Halle durch ­ zudenken,“ ohne sie wären alle seine späteren Kirchen ­ bauten nicht zu denken. Sein kirchliches Meisterwerk, nicht nur in Württem ­ berg, sondern überhaupt, ist die Neresheimer Abteikirche (1743 — 53). Er verband dort das System der schwä ­ bischen Barockhalle mit dem fränkischen, der malerischen Gruppierung von Ovalräumen zu einem neuen, höchst eigenartigen Organismus. Im Innern wie am Äußern haben die Nachfolger Neumanns als Vollender des Baus viel verdorben. Für seine Raumwirkung bleibt aber trotz allem bestehen, was Dohme darüber sagt: „Die Barock ­ architektur nicht nur Deutschlands, sondern Europas hat weniges, was sich mit ihm messen kann." Die künstler ­ ische Mitwirkung Neumanns an der Deutschmeisterschloss ­ kirche zu Mergentheim (ca. 1736) war wohl grundlegend und ausschlaggebend, beschränkte sich jedoch bezüglich der Westfassade auf die allgemeine Disposition, während ihre Detailbehandlung und die innere Ausgestaltung der Kirche bestimmt auf andere Baumeister (CuvillKs und Franz Roth aus Ellingen) stammen. Das Priesterseminar auf dem Schönenberg bei Eliwangen (1747 — 50) ist von ihm entworfen und auch ausgeführt, einige bedauerliche Mängel dürften anf den eigenmächtigen Bauleiter A. Prahl zurückzuführen sein. In der Neuen Abtei zu Schönlai (ca. 1738) ist die Gangtreppe zweifellos von Neumann und sie ist ein echter Rokoko-Raum (also nicht nur Rokoko - Details!). Nicht sicher, aber wahrscheinlich ist auch sein Anteil an der Treppe des Wurzacher Schlosses. Für das Ellwanger Rathaus hat der Meister eine ganze Reihe von Projekten aufgestellt. Das endlich ausgeführtc läßt leider wenig mehr von seinen Gedanken erkennen; nur einige Details, wie die Gitter und Konsolen des Eck ­ balkons scheinen nach seinen Entwürfen ausgeführt zu sein. * Der Einfluß Neumanns auf den sogenannten Oberen Palmschen Bau in Eßlingen (1746) war nach Ansicht des Vortragenden — im Gegensatz zu derjenigen anderer Neumannforscher — nur indirekter Natur. Der Name des Architekten konnte bis heute urkundlich nicht fest ­ gestellt werden, in erster Linie dürfte der Oesterreicher Gumß (Erbauer des Innsbrucker Landeshauses) in Be ­