146 BAUZEITUNG Nr. 50/52 Nebengebäude der Bad Mergentheim-A.-G. in Bad Mergentheim. Das Gebäude wurde im Anschluß des bestehenden großen Logierhauses zur Gewinnung weiterer Zimmer erbaut. Im Erdgeschoß, 1. Stock und Dachstock sind teils Zimmer mit 1 Bett, teils solche mit 2 Betten ange ­ ordnet. Das Gebäude ist mit einer Warmwasserheizung versehen. Der Sockel, sowie die Architekturteile sind in Muschelkalkstein, die Putzflächen in gelblichem Terra- novaputz und die Dachflächen in roten Biberschwänzen ausgeführt worden. Die Mosaik- und Steinzeugplatte als Schmuckmittel. Der Gedanke, in Gebäuden aller Art den Fußboden auszuschmücken und so dem architektonischen Innenbau wirksam einzugliedern oder doch den ästhetischen An ­ sprüchen der Bewohner gerecht zu werden, hat von jeher dazu geführt, das zu den Bodenbelägen verwendete Ma ­ terial, sei es Holz oder-Stein und dergleichen, seiner Farbe, Form und Struktur nach als „schmückendes“ Ele ­ ment heranzuziehen. Wendet man sich ausschließlich den massiven Belags ­ materialien zu, so findet man, daß schon das Altertum der Anschauung huldigte, daß der farbig belebte und durch mannigfache Fugenteilung gegliederte Massivboden zur Hebung der Gesamtwirkung der Innenarchitektur beizutragen geeignet wäre. Vorzugsweise ist es weißer oder farbiger Marmor in Platten oder in kleinen Steinchen als Mosaik, der als Belagsmaterial Anwendung findet. Doch fand man in den ältesten Kulturzentren des Ostens schon sehr frühzeitig gebrannten Ton als Belag, teils glasiert, teils unglasiert. Von beiden Techniken haben sich namhafte Ueberreste erhalten, welche zeigen, mit welcher Sorgfalt die Ausschmückung des Fußbodens be ­ trieben wurde. Es würde zu weit führen, im Rahmen dieses Aufsatzes aller jener im Laufe des Mittelalters bis zur nejueren Zeit als Boden- und auch als Wandbelag verwendeten inkru ­ stierten, glatten oder reliefierten, ein- oder mehrfarbigen, glasierten und unglasierten Bodenfließen zu gedenken, welche namentlich in Frankreich, England, Belgien und anderen Ländern allgemein üblich gewesen sind. Es mag genügen, daran zu erinnern, daß jene prachtvollen, aus kleinen verschieden geformten, gebrannten und farbig gla ­ sierten Tonstücken zusammengesetzten Wandbelägen im Saale der Gesandten der Alhambra in Granada auch als Bodenbelag verwendet waren, und daß grün glasierte mit tournierenden Rittern und Fabelwesen geschmückte Ton ­ fließen auch in Deutschland nichts Seltenes waren. Aus ihnen und anderen Erzeugnissen der alten Fließen- bäckerei entstanden im-Laufe des letzten Jahrhunderts jene Boden- und Wandfließen, welche heute in neuzeitlich ein ­ gerichteten Werken in immer steigenden Mengen herge ­ stellt werden und eine ungemeine Verbreitung gefunden haben. Greifen wir aus der Fülle des Gebotenen das Sonder ­ erzeugnis der Fließenkeramik, die Mosaik- oder Steinzeug ­ platte — neuerdings auch Sinterplatte genannt — heraus, so finden wir, daß ein Vergleich mit mittelalterlichen Ge ­ genstücken kaum mehr möglich ist. Der Hauptunterschied ist im wesentlichen in der Struktur des Scherbens begrün ­ det, der hier aus völlig gesintertem d. h. undurchlässig gebranntem Steinzeug besteht, wie man die aus alten Ge ­ schirren und Gefässen kennt. Die Art und das Wesen die ­ ses Scherbens bedingt nun nicht nur die hervorragende Widerstandskraft desselben gegen mechanische Ab ­ nützung, sondern auch gleichzeitig die überaus große Möglichkeit der Verzierung und Farbenfreudigkeit. nriO-WEG 0006 OOOO ocoo OGOO oooo OOOO OOQO oooo oooo QffiOO oooo Buicn- OaSTANl/GE oooo 6tM0i£ HALÖiTA;--HE ODi' p'UnNEK CAP'CN lAu.UAUf ' UR ZUHT- 1 r.ÜMNER 80TAN ABTtJLUNö [nAUPT -GEBÄuOL I OOiT- ■UARTEN Großsachsenheim. Lageplan. Während die Tonplatte des Mittelalters auf die ge ­ ringe Farbenskala der mehr oder weniger gelb, rot, braun oder grau brennenden Tone angewiesen war und die Neu ­ zeit hiezu noch schwarz hinzufügen konnte, verfügt die Steinzeugmasse über erheblich mehr Farben, welche durch Abtönung noch gewinnen. Es lassen sich blaue, grüne, graue, weiße und pophyrartig gemischte Farben erzielen, die zum Teil von recht kräftiger Lebhaftigkeit sind und damit recht weitgehenden Ansprüchen zu ge ­ nügen vermögen. Zu dieser Farbenfreudigkeit kommt noch außerordent ­ lich vermehrte äußere Formengebung und Umrißgestal ­ tung, sowie die Oberflächenbehandlung. Wir wissen zwar, daß dem Mittelalter das Schneiden und Prägen von Tonplatten zwecks Zusammenstellung von sternartigen Mustern wohlbekannt war und auch, wie z. B. im Kloster Bebenhausen, vollendet angewendet worden war. Trotz ­ dem war die einfache quadratische Fließe vorherrschend, wie dies nicht nur viele alte Fließenreste, sondern auch die Vorliebe alter Meister bekundet; auf ihren Gemälden bemusterte Fließenböden zur Belebung und Hebung der perspektivischen Wirkung darzustellen. Allein an die Vielgestaltigkeit der Fließen unserer Tage reichen sie bei weitem nicht hin. Zwar ist auch jetzt noch die Vorliebe für viereckige, sechseckige und achteckige Formen groß, weil sie die Bodenfläche am ge ­ schlossensten und regelmäßigsten in Einzelteile auflösen. darüber hinaus jedoch werden diese Formen variiert in längliche Sechsecke und Achtecke und neu hinzutreten die sogenannten Kreisformen, welche sich neuerdings großer Beliebtheit erfreuen. Auch die Größenabmessungen schwanken sehr erheb ­ lich. Das kleinste Erzeugnis, das Kleinmosaik, beginnt schon bei 20 mm Größe, während die lediglich durch technische Gründe beeinträchtigten Orößenabmessungen nach oben bis zu 30/30 cm gehen. Diese außerordentlich bewegliche Größen-, Form- und Farbenverschiedenheit bedingen hauptsächlich die hervor ­ ragende Eignung der eigentlichen Steinzeug- oder Sinter ­ platte zu architektonischer Verwertung. In immer neuen Zusammenstellungen und Mustern werden sie als Schmuckmittel von Hausfluren, Hallen, Korridoren, Gän ­ gen und anderen Innen- und Außenräumen angewendet, die jeder Geschmacksrichtung gerecht werden und gleich-