20 BAU ZEIT UNO Nr. 5 ; 6 Verein staatl. gepr. bad. Hochbauwerkmelster. Schon längere Zeit haben wir über unsere Tätigkeit keinen Be ­ richt mehr erstattet. Wir fühlen, daß viele Kollegen denken, der Vorstand schläft wieder ein, aber wenn diese den folgenden Bericht gelesen haben, werden sie anders belehrt sein. Nach dem Beschluß der Hauptversammlung sind wir in Gemeinschaft mit den Tiefbauwerkmeistern beim Ministerium des Unterrichts vorstellig geworden und haben in gesonderter Eingabe, entgegen der Ansicht des Gutachtens der Techn. Vereinigung, die Beibehaltung des Staatsexamens, die Erreichung des Reifezeugnisses u. a. m. verlangt. Einer Besprechung des Ministeriums mit den Vertretern der Techn. Vereinigung durften wir nicht bei ­ wohnen, weil wir uns durch diese Eingabe in Gegensatz zu dieser Vereinigung gesetzt haben. — Glücklicherweise können wir berichten, daß in dieser Besprechung der Techn. Vereinigung klipp und klar erklärt wurde, die Re ­ gierung denke nicht daran, das Staatsexamen fallen zu lassen. Die Erreichung des Reifezeugnisses wurde zuge ­ sagt; die Namensänderung der Schule steht bevor. In weiterer Eingabe haben wir eingehend begründet die Be ­ rufsbezeichnungsfrage behandelt; die Entschließung steht noch aus. — Der Verkehr mit dem Studierenden-Ausschuß der Baugewerkschule und den einzelnen Verbindungen, sowie mit den übrigen techn. Vereinen mit abgeschlossener Vorbildung war ein sehr reger und führte zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft unter dem Vorsitz unseres 1. Vorstandes. Seit Bestehen dieser Arbeitsgemeinschaft wurden ebenfalls schon mehrere Eingaben an das Mini ­ sterium geleitet. Hierbei ist zu erwähnen, daß die erste Eingabe lediglich dem Ministerium die große Beunruhi ­ gung der mittleren Technikerschaft vor Augen führen sollte und auf endgültige Erledigung unserer Forderungen drängte. — Eine Eingabe an das Finanzministerium über Erhöhung der Bezüge der nichtetatmäßigen Beamten der Bezirksbauinspektionen wurde ausgearbeitet. — Verlangt wurde ferner, daß bei den Examen je ein Mitglied der Muttervereine mit gutachtlichem Aeußerungsrecht in die Prüfungskommissionen berufen wird. — In eingehend be ­ gründeter Eingabe wurde das Verlangen gestellt, daß Kollegen mit guten Examensnoten zum Gewerbelehrer ­ studium zugelassen werden. — Forderungen, wie Nicht-, Verwendung preußischer Beamten im Bereiche der Re ­ publik Baden, Aufnahme von bad. Werkmeistern im Reichspostdienst (Bauverwaltungen) sind gestellt worden und sehen wir der Entscheidung entgegen. — Mündliche Verhandlungen mit den Referenten der Ministerien haben dazu geführt, daß wir als richtiggehende Körperschaft daselbst angesehen werden. — Zu einer Sitzung im Ar- beitsministeriura über Typisierung von Bauten und Nor ­ mierung von Bauteilen wurde ein Vertreter verlangt, und hat dies Herr Rudolf Messang, Architekt, hier, übernom ­ men. — Zur Landesschulkonferenz dürfen auch wir einen Vertreter entsenden und wurde unser 1. Vorsitzender dazu bestimmt. Herr Kollege Schucker ist sehr viel mit den Tarifbearbeitungen, insbesondere bei der Eisenbahn, be- schäftgt. — Fortgesetzte Verhandlungen und Sitzungen bringen dem Vorstand viel Arbeit; auch der Schriftverkehr hat stark zugenommen und bekundet uns erfreulicherweise die Mitarbeit der M tglieder. — Es ist deshalb notwendig geworden, einen 2. Schriftführer zu ernennen, und hat sich zur Uebemahme dieses Amtes ein jüngerer Kollege bereit erklärt. — Mitte Januar fand ein weiteres Examen statt, bei dem 38 neue Werkmeister ernannt wurden; sämtliche sind unserem Verein beigetreten. Wir beglückwünschen die neuen Kollegen und hoffen, in ihnen recht treue Mit ­ arbeiter gefunden zu haben. — Es ist nunmehr das zweite Examen, das geschlossen in unseren Verein eintritt, und dürfen wir diese erfreuliche Erscheinung als Beweis an- sehen, daß unsere Bewegung auf dem rechten Wege ist. Der Vorstand. Verein staatl. gepr. bad. Hochbauwerkmelster, Bez. 1 Konstanz. Am 31. Januar 1920 hatte der Bezirk seine erste Bezirksversammlung nach Radolfszell ein berufen und hierzu eine zeitgemäße Tagesordnung aufgestellt. Der er ­ gangenen Einladung haben wider Erwarten viele Kollegen Folge geleistet, und der stellvertretende Vorstand und Schriftführer Läuser konnte in seiner Begrüßungsan ­ sprache nicht nur Angestellte, sondern auch selbständige Herren willkommen heißen. Besonders begrüßt wurde Kollege Gast, der seit kurzer Zeit aus englischer Gefangen ­ schaft zurückgekehrt ist. — Nachdem Herr Läuser die Ab ­ wesenheit des ersten Vorstandes, Herrn Baumeister Max Müller, Konstanz, begründet hatte, wurde als erster Punkt der Tagesordnung ein Rückblick über das verflossene Ge ­ schäftsjahr gegeben. Bei dieser Gelegenheit sprach Kol ­ lege Läuser auch dem Gesamtvorstand in Karlsruhe für die gute und zielbewußte Arbeit den Dank des I. Bezirks aus. Punkt 2 galt dem Betriebsrätegesetz. Herr Läuser hatte sich die Mühe genommen, in einem dreiviertelstündigen Vortrag einen kurzgefaßten Auszug aus diesem Gesetz zu Gehör zu bringen. Die Ausführungen waren recht inter ­ essant und lösten eine lebhafte Aussprache aus. Es schien die Meinung stark vorzuherrschen, daß die Angestellten in Privatbetrieben ins Hintertreffen kämen. Ein Ausgleich könne nur durch eine straffe Organisation herbeigeführt werden, da die Arbeiter nur ihre eigenen Interessen im Auge haben und gegen die Privatangestellten auftreten. Punkt 3 — Bauschätzer — gab gleichfalls zu einer regen Aussprache Veranlassung. So bemängelte man den neuen Tarif der Bauschätzer und man bedauerte, daß Bau ­ schätzerstellen vielfach ohne vorherige Bekanntmachung unter der Hand vergeben werden. Man gab dem Wunsche Ausdruck, daß sich die Kollegen bei Vergebung solcher Stellen unterstützen und nicht Egoismus und Neid vor ­ herrschen lassen sollten. Immerfort muß es das Bestreben sein, daß solche und ähnliche Stellen durch geprüfte Bau ­ werkmeister besetzt werden. In Aussicht stehende oder freiwerdende Stellen sollten dem Vorstande in Karlsruhe, der die Interessen der Angestellten sowohl, als auch für Unternehmer gleichmäßig vertritt, sofort mitgeteilt wer ­ den. Kollege Höll, Singen a. H., empfahl, die Kollegen mögen sich einer politischen Partei anschließen. Auch dort gilt es unsere Interessen zu vertreten. Vielfach seien die Techniker recht erwünscht, denn man benötige sie für mancherlei Kommissionen. Die Lehmbauweise — Punkt 4 — wurde als notwendiges Uebel bezeichnet und da für gut geheißen, wo tatsächlich Lehm an Ort und Stelle vor ­ handen ist. Transportkosten verteuern auch diese Art des Bauens wesentlich. Kollege Stefan in Ueberlingen teilte mit, daß er in der Lehmbauweise in Verbindung mit Draht ­ geflecht gute Erfahrungen gemacht habe und nach Eintritt der trockenen Jahreszeit ein Haus dieser Art erstellen will. Nachdem auch die Frage der Ueberteuerungszuschüsse kurz gestreift war, wurde zur Neuwahl des Vorstands und des Schriftführers geschritten. Die Wahl fiel einstimmig auf die Kollegen Läuser als Vorstand und Schäfer als Schriftführer. Kollege Schäfer dankte dem I. Vorstand und dem bisherigen Schriftführer im Namen der anwesenden Herren für die geleistete Arbeit mit einem kurzen Hinweis auf den gegebenen Rückblick. Vorstand Läuser erinnerte noch an den jeweils am ersten Mittwoch jeden Monats im Hotel Schlüssel, Konstanz, stattfindenden Kollegen ­ abend und schloß die Versammlung kurz nach 6 Uhr abends. H. Sch. Verantwortlich: Karl Schüler, Stuttgart. Druck: Gustav Stürner in Waiblingen.