22 BAUZEITUNQ Nr. 7/8 Die hierzu vorgenommenen Ermittelungen haben er ­ geben, daß bei den heutigen Preisen die wirtschaftlichste Form des Wohnungsbaues auf Gelände innerhalb des be ­ bauten Stadtgebiets einer Großstadt das Mittelhaus in weiträumiger Bebauung mit höchstens 3 Vollgeschossen ist. Mit dieser Wohnungsform wird auch der Freizügig ­ keit der Inhaber dieser Wohnungen am besten Rechnung getragen. Als erste Bauaufgabe verwirklicht die .Siedelungsge ­ sellschaft das hier abgebildete Projekt. Das Baugelände liegt inmitten des Stadtgebiets in guter Verkehrslage, je ­ doch abseits von dem Hauptverkehr. Es erstreckt sich in freier Fage an einem nach Osten abdachenden Tal ­ abhang mit schönem Ausblick auf den gegenüber liegen ­ den Stadtpark, und die daran anschließenden bewaldeten Höhen. Die Wohnstraßen haben zwecks guter Besonnung der Mehrzahl der Häuser und Gärten ungefähr die Rich ­ tung von Norden nach Süden erhalten. Als Hauptmotiv der Siedelung liegt im Mittelpunkt derselben ein offener Spielplatz, nach Norden und Süden mit geschlossenen Platzwandungen, im Westen, an der höchstgelegenen Stelle des Geländes zwei höher grup ­ pierte Wohnbauten mit überbauter Durchfahrt, als arch. Abschluß im Osten das in tiefem Vorgarten behäbig gelagerte Pfarrhaus. Einen weiteren Vorteil bietet der gute Baugrund des Geländes. Er besteht durchweg aus dem guten Kies und Sand, so daß die ganzen Keller ­ mauern mit dem vorhandenen Material betoniert werden können. Die Wohnstraßen sind 8 m, der auf den Spiel ­ platz ausmündende Wohnweg 4 m breit. An dem Ausbau der Straßen usw. wird infolge des guten Baugrundes viel gespart. Für die Häuser sind, wie eingangs erwähnt, grund ­ sätzlich Mietwohnungen in 2 Voll- und ausgebautem Dachgeschoß bzw. in 3 Vollgeschossen gewählt. Die verschiedenen Wünsche und Bedürfnisse machten es not ­ wendig, trotz der nicht allzugroßen Anlage, 6 verschie ­ dene Haustypen zu verwenden. .Da es in Saarbrücken in der Hauptsache an 3 Zimmerwohnungen fehlt, so ist dieser Typ in der Mehrzahl. In den meisten Fällen liegen 3 Wohnungen an einer Treppe, was unter Berücksichti ­ gung der bestehenden Umstände gegenüber der Miets ­ kaserne ein recht erfreulicher Verzicht zugunsten gesund ­ heitlicher Erwägungen bedeutet. Das zu iedem Haus zugehörige Gartenland wird man denjenigen Hausbewohnern überweisen, denen der Beruf Zeit zur Gartenarbeit übrig läßt. In den Straßenecken werden Verkaufsläden eingerichtet. Bei der Architektur war klare und ruhige Haltung der Bauten Vorbedingung. An wichtigen Punkten, Straßen ­ ecken, Abschlüssen wechselt und wächst der Ausdruck, bleibt aber, der Zeit und Zeitstimmung entsprechend, immer in den knappsten arch. Formen. Wie in ieder modern gedachten Siedelungsanlage, wird hier aller Wert auf das große Zusammenklingen klar erfaßter räumlicher Rhythmen gelegt, in denen der einzelne Baukörper nur noch die Rolle eines Gliedes spielen kann und soll. Der Baukunstrat für Württemberg. Bericht über die Sitzung vom 29. Januar 1920. Der Vorsitzende Prof. Elsaesser stellt Oaleriedirektor Dr. Redslob als Reichskunstwart vor und weist darauf hin, daß durch das Erscheinen eines Reichskunstwarts der Baukunstrat für Württemberg sich in seiner Tätigkeit nicht nur nicht beeinträchtigt sieht, sondern im Gegenteil von einem Zusammenarbeiten mit ihm erhebliche Vorteile verspricht. Herr Dr. Redslob begrüßt die Organisation des Bau ­ kunstrats in Württemberg als vorbildlich für die anderen Länder des Reiches und hofft, daß der südwestdeutsche Kanalbau bald Anlaß geben wird zu gemeinsamer Arbeit für Baukunstrat und Reichskunstwart. Der Baukunstrat soll in allen Baufragen, wenn das Reich im Lande baut, gehört werden. Es sollen in den einzelnen Bundesstaaten und Provinzen dem Reichskunst ­ wart Werkräte zur Seite stehen, die z. B. in Württemberg aus dem Baukunstrat gewählt werden. Ueber die Einflußnahme des Baukunstrats auf die bau ­ künstlerischen Fragen beim Kanalbau entwickelt sich eine lebhafte Aussprache. Die Weiterbehandlung der Sache wird der Kommission für Heimatschutz, Baupolizei und Bauberatung übertragen, und es wird ein Beschluß dahin gefaßt, daß der Baukunstrat an die Behörde das dringliche Ersuchen richtet, daß bei der ganzen Kanalbaufrage der Baukunstrat bzw. der von diesem gewählte Werkrat als berufener Vertreter der Oeffentlichkeit in baukünst ­ lerischen Fragen gehört werden soll. Des weiteren führte Galeriedirektor Dr. Redslob über die Erhaltung der württembergischen Schlösser aus, daß doch endlich sich ein ernstlicher Wille für die Erhaltung der Schlösser zeigen soll und die Gebäude einer würdigen Benützung wieder zugeführt werden mögen. Nach weiterem Bericht des Landeskonservators für Baudenkmäler Prof. Fiechter über die Schwierigkeiten, die sich bei einem Vorgehen in der Sache entgegenstellen, wird eine Entschließung dahin gefaßt, daß der Baukunst ­ rat sich in der Frage der Erhaltung der Schlösser ein ­ stimmig hinter Prof. Fiechter und hinter Dr. Redslob stellt und entschieden gegen die ietzige Profanierung, ins ­ besondere des neuen Schlosses, Einspruch erhebt. Ueber die Tätigkeit der Kommission zur Fühlung ­ nahme mit den Behörden, worüber Prof. Elsaesser sprach, wird berichtet, daß die Minister, die die Vertreter des Baukunstrats persönlich empfangen haben, unseren Be ­ strebungen ihre Unterstützung und die Anerkennung des Baukunstrats zugesagt haben. Die Beratung der Satzungen konnte noch nicht abge ­ schlossen werden. Diese sollen nach einer zweiten Lesung in Bälde der allgemeinen Baukunstabteilung vorgelegt werden. Baumesse. Die Frühjahrs-Baumesse in Leipzig findet statt vom 14. bis 19. März. Die Baumesse ist eine Abteilung der zu gleicher Zeit statt findenden großen Technischen Messe. Sie wird im Stadtinnern abgehalten, und zwar im Meß ­ haus „Baumesse“, Markt 8, unter Hinzunahme des Städti ­ schen Kaufhauses. Baumaschinen, die sich zur Aufstellung in den Meßhöfen und -häusern ihrer Größe und Schwere