30 BAUZE1TUNQ Nr. 11/13 die sich praktisch mit der Erstellung von Lehmbauten be ­ fassen wollen, sehr großen Wert. Im Lichtbilde wurden verschiedene Schalungen des Stampfbaues und Lormen zur Lertigung von Lehmsteinen und Lehmquadern vorgezeigt. Die Vorträge sollen, wie die im Annoncenteil er ­ scheinende Anzeige besagt, noch einmal wiederholt werden. Es kann jedermann, der sich über den jetzigen Stand der Ersatz- und Sparbauweisen interessiert, dringend empfohlen werden, diese außerordentlich lehrreichen Vor ­ träge zu besuchen. Auswärts wohnende Interessenten, die abgehalten sind, den Vorträgen beizuwohnen, können von der Be ­ ratungsstelle für das Baugewerbe, Stuttgart, Kanzlei ­ straße 34, diese Vorträge gedruckt zum Selbstkostenpreis beziehen. Im Anschluß an diese Vorträge werden 3tägige Tages ­ kurse über Sparbauweisen und Lehmbauverfahren in Stuttgart abgehalten, die in Vorträgen und praktischer Ausführung der verschiedenen Lehmbauweisen bestehen. Zum dritten dieser Kurse nimmt die Beratungsstelle für das Baugewerbe, wie im Anzeigenteil veröffentlicht ist, noch Anmeldungen entgegen. Baukunstrat für Württemberg. In der Sitzung vom 28. Lebruar 1920 wurden als Vertreter des Baukunstrats im Beirat der Baugewerke ­ schule Architekt Lriedr. Hauser-Ludwigsburg und als Stellvertreter Regierungsbaumeister Dollinger-Stuttgart gewählt. Die Beratungen über die Satzungen wurden abgeschlossen, die endgültige Lassung vom Baukunstrat festgelegt und genehmigt, so daß eine Vorlage an die Bau ­ kunstabteilung nach Ostern erfolgen kann. In dankenswerter Weise hatte für den Abend der Rektor der techn. Hochschule Prof. Dr. Ing. Liechter ein Referat über Hochschulwesen übernommen. Er führte aus, daß das Streben dahin geht, für die techn. Hoch ­ schule größere Selbständigkeit auch in finanzieller Hin ­ sicht zu erlangen. Die techn. Hochschule ist keine Lach ­ schule, sondern muß der Universität in jeder Beziehung gleichgestellt werden. Der Studierende soll mehr wie bisher eine allgemeine Ausbildung erhalten und frei in der Wahl seiner Studienfächer sein, er soll nicht gegängelt, sondern zu einer selbständigen Persönlichkeit erzogen werden. In der jetzt den Behörden vorliegenden Hoch ­ schulreform ist eine möglichst weitherzige Zulassung zum Studium vorgesehen. So werden die geprüften Bauwerk ­ meister mit der Note 2 a als ordentliche Studierende mit zweijähriger Studienzeit zur Diplomprüfung zugelassen. Die Aufnahme von Studierenden ohne normale Vor ­ bildung wird von Lall zu Lall geprüft. Um einer Un ­ gerechtigkeit gegenüber den ordentlich Studierenden zu begegnen, ist für ihre Aufnahme das 25. Lebensjahr Be ­ dingung. Lür die Architekturstudierenden wird vor Beginn des Studiums eine handwerkliche praktische Tätigkeit von mindestens einem halben Jahre verlangt, ferner ist zwischen dem Studium, das in zwei Stufen geteilt werden soll, eine praktische Tätigkeit von 18 Monaten auf einem Architekturbüro und als Bauführer vorgesehen. In dieser Zeit dürfte der Studierende sich klar darüber geworden sein, in welcher besonderen Richtung des von ihm ergriffenen Laches seine Neigung und Begabung liegt. Als Pflichtfächer der Vorstufe, die nach 3—4 Se ­ mester durch eine Vorprüfung abschließt, sind an Stelle von Naturwissenschaft und Mathematik fast lauter tech ­ nische Lächer getreten, während in der Oberstufe kein fester Lehrplan vorgesehen ist, vielmehr dieser nach per ­ sönlicher Neigung in verschiedener Richtung ausgestaltet werden kann. Zur Diplomprüfung, die nach weiteren 4 Semestern erfolgt, ist die Vorschrift einer gewissen An ­ zahl von Pflichtfächern unerläßlich. Als Neuerung ist hierbei die Einführung der Teilprüfungen zu erwähnen, wonach nicht mehr wie bisher eine Gesamtprüfung ver ­ langt wird, sondern der Studierende sich zur Prüfung in den einzelnen Lächern meldet, sobald er sich zur Prüfung reif fühlt. Die Aussichten für die Hochschule sind keine guten, trotzdem wird sie, wenn auch mit geringeren Mitteln wie früher, ihre Aufgabe zu erfüllen bestrebt sein. Im Anschluß an den Vortrag von Professor Liechter betont Professor Elsässer, daß die Reformierung nicht erst bei der Hochschule, sondern schon früher beginnen sollte, und daß vor allem der Anschauung und dem Anschau ­ ungsvermögen in der Schule mehr Raum gegeben werden muß. Mit der Betonung des Wertes der höheren Schul ­ bildung dürfen die großen Schwächen der heutigen Unterrichtsmethoden und des Lehrplans nicht verteidigt werden. Bezüglich des Architekturstudiums und seiner Reform tritt Elsässer dafür ein, daß die scharfe Trennung zwischen Hochbauingenieurwesen und Architektur für den künftigen Baukünstler nicht mehr bestehen darf, und daß die Ingenieurkunst, insbesondere Betonbau und Eisenkonstruktionsbau, gerade wegen des engen Zusam - menhanges der Konstruktionen und der künstlerischen Seite in den Lehrplan aufgenommen werden soll. Deutscher Volkshausbund. Der Bund hat eine Eingabe seines Bauausschusses, dem Geh. Regierungsrat Dr. Ing. Muthesius, Regie ­ rungsbaumeister a. D. Schilbach und Architekt Bruno Taut angehören, an alle in Trage kommenden Stellen versandt, die für die Herstellung von Volkshausent ­ würfen eintritt. In dieser Eingabe heißt es: Es besteht heute keine Möglichkeit, Volkshäuser als Mittelpunkte aller kulturellen, sozialen und Wohlfahrts ­ arbeit, als Stätten der Volkshochschule, der Volksbücherei, der Lesehallen-Bewegung zu errichten. Wir wissen auch heute noch nicht, wann es wieder möglich ist, solche Volkshäuser zu bauen. Wenn wir trotzdem den obigen Antrag uns vdrzulegen erlauben, so tun wir dies aus folgenden Erwägungen heraus: 1. Das Volkshaus ist kein Luxusbau, wie vielfach irr ­ tümlich angenommen wird. Es ist von allen Seiten heute anerkannt, daß zum Wiederaufbau unserer Volksgemein ­ schaft solche Häuser dringende Notwendig ­ keit sind. 2. Durch die Zusammenlegung und das Zusammen ­ arbeiten im Volkshaus werden sich manche Ausgaben ver ­ meiden lassen. Deshalb wird allgemein gefordert, daß, wenn wieder die Möglichkeit zum Bauen vorliegt, sofort mit dem Bau begonnen werden sollte. Aber dazu gilt es die Vorbe ­ reitungen zu treffen. Da das Volkshausproblem für die deutschen Architek ­ ten manche neuen Gesichtspunkte bietet, empfiehlt es sich, einige ideale Entwürfe durch einen Wett ­ bewerb für die verschiedenen Volkshäuser — für die Großstadt, Mittelstadt, Kleinstadt und für das Land — herstellen zu lassen. Diese idealen Entwürfe sollen den Volkshaus-Ge ­ danken im allgemeinen klären — insbesondere hinsichtlich des Bauprogramms und der Gruppierung der Räume — dann aber auch Lingerzeige für die zur Ausführung ge ­ langenden lokalen Entwürfe bieten. Deshalb hat jede Stadt und Gemeinde und jeder Kreis ein besonderes Inter ­ esse daran, daß dieser Wettbewerb auch für die idealen Entwürfe zustande kommt.